"In der ersten Zeit nach der Niederkunft pflegt jedes Kind denselben Aufenthalt mit der Mutter in der Wochenstube zu theilen. Mütter, welche selbst stillen, behalten meistens die Kinder, bis zur Zeit der Entwöhnung, um sich, in ihrem Wohnzimmer. Späterhin machen die Verhältnisse, besonders wo mehrere Kinder vorhanden sind, den Aufenthalt derselben in einem eignen Zimmer nothwendig."

Taschenbuch für Mütter, Adolph Henke, 1832

"Das Tragen der Kinder verdient eine eigne Erwägung. In den frühern Zeiten, wo der Körper des Kindes, und besonders das Rückgrat desselben noch nicht Festigkeit genug hat, um sich aufrecht zu erhalten, soll das Kind niemals frei sitzend, sondern mit der gehörigen Unterstützung im Rücken und Nacken, eingewickelt, oder liegend (in einem Körbchen, einer Matratze u.s.w.) getragen werden. Auf solche Weise erleidet der weiche, leicht verschiebbare und nachgiebige Körper des Kindes keine Gewalt, und es ist keine Verschiebung durch anhaltenden schädlichen Druck zu fürchten.

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"Vor der Geburt führte das Kind ein stilles Pflanzenleben, tief verborgen und eingewurzelt im Schooße der Mutter; weit einfacher waren die zu seinem Leben und Gedeihen nothwendigen Verrichtungen, und keine Gefahr konnte ihm drohen, so lange das Wohlseyn und die Gesundheit der Mutter nicht gestört wurde."

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"Epidemien von Blattern, in welchen von 100 befallenen Kindern nur 10 starben, nannte man gutartig, in bösartigen starben 30 bis 40 Kinder von hundert. Einzelne Aerzte haben wohl behauptet, in unsrer Zeit seien die Menschenblattern überhaupt gelinder, gutartiger geworden, und könnten nicht mehr so verheerend und tödtlich sich zeigen, wie noch in der Mitte und gegen das Ende des vorigen Jahrhunderts. Daß eine solche Behauptung irrig ist, beweisen aber die Erfahrungen aus der neuesten Zeit."

Taschenbuch für Mütter, Adolph Henke, 1832