Unsere Lebensumstände unterscheiden sich drastisch von denen unserer Vorfahren - selbst von denen unserer Eltern und Großeltern. Welche Neuerung beeindruckt Dich am meisten? Welche fehlt in dieser Aufzählung?

Zur Wahl der Amme äußert sich Adolph Henke 1832 folgendermaßen:

"Die vordem mit Recht befolgte Regel, ein Landmädchen den Städterinnen vorzuziehen, leidet in unseren Tagen, wo die Sittenverderbniß und venerische Uebel durch die steten Durchzüge der französischen Heere, eben so sehr auf dem Lande verbreitet sind, auch keine unbedingte Anwendung." 

Taschenbuch für Mütter, Adolph Henke, 1832

In einem Hebammenkalender für das Jahr 1879 habe ich die Gebührenordnung für Hebammen aus den Jahren 1875 (Preußen) und 1876 (Königreich Württemberg) gefunden. Für die bessere Vergleichbarkeit habe ich die Beträge umgerechnet. 1 Mark im Jahr 1875 entspricht 6,80 Euro im Jahr 2020. Quelle

Kinderzimmer gibt es noch gar nicht so lange. Klar, Adlige und die Super-Reichen hatten schon immer viele Zimmer zur Verfügung. Und da sich in diesen Kreisen die Eltern selber kaum um die Kinder kümmerten, hatten diese auch von den Eltern getrennte Räumlichkeiten. Oftmals schlief dann aber das Kindermädchen bei den Kleinen. Doch die breite Bevölkerung kannte Kinderzimmer nicht. Diese kamen erst im Biedermeier auf.

Mehr als eine Sprache zu sprechen, eröffnet Einblicke in andere Kulturen, erweitert den Horizont, erzeugt eine Vielfalt an Möglichkeiten. Mit mehr als einer Sprache aufzuwachsen macht nicht nur den Spracherwerb leichter. Studien haben gezeigt, dass Zweisprachigkeit das Gehirn nachhaltig positiv verändert. 

Im 19. Jahrhundert war Französisch die beliebteste Wahl für zweisprachige Erziehung. Das war so nachhaltig, dass wir noch heute das Bild der Gouvernante kennen. Französisch gehörte zum guten Ton, nicht nur in der Oberschicht. Doch Nationalisten war die Toleranz, die durch die Mehrsprachigkeit gefördert wurde, ein Dorn im Auge.

Wie eine Gesellschaft sich sieht, und was sie sich für ihre Mitglieder wünscht, lässt sich wunderbar daran nachverfolgen, was sie ihren Kindern beibringt. In der Grundschule sollen die Kinder neben Lesen, Schreiben und Rechnen auch Grundlegendes über das (Zusammen-)leben lernen. Im folgenden sehen wir den Lernstoff für eine erste Klasse aus dem Jahr 1853. Die erste Klasse umfasst dabei zwei Schuljahre.

Der Lehrplan geht vom direkten Leben und Erleben der Kinder aus und erklärt ihnen erst mal ihr näheres Umfeld, um sich dann der weiteren Gesellschaft zu widmen. Natürlich spielt die Religion dabei eine starke Rolle. Sie wird als Wissen und als Basis für das geordnete Zusammenleben gelehrt.

Das Tragen von Kindern mit und ohne Hilfsmitteln war auch in deutschsprachigen Gegenden sehr verbreitet. Es wurde nur vom Kinderwagen verdrängt, weil es meist wesentlich weniger praktisch war als dieser.

Der folgende Text stammt aus Pflichten gegen Kinder von Dr. Thomas Joseph Lauda, 1855. Er zeigt uns, wie und warum getragen wurde. Die Nachteile werden so deutlich sichtbar.

Viele der heute als falsch oder gar schädlich erkannte Verhaltensarten gegenüber Babys sind begründet in der Fehlinterpretation der Signale und der Fähigkeiten der Babys. Die Fehlinterpretationen kommen zustande, da aus einem bestimmten Blickwinkel auf das Baby geschaut wird. Dieser Blickwinkel ist abhängig vom (wissenschaftlichen) Wissensstand, dem Zeitgeist und persönlichen Erfahrungen.

Heute stelle ich Euch vier Bücher vor, die Ihr online lesen könnt und die sich mit Kinderspielen beschäftigen.

Das Spiel und Spielen des Kindes ist von jeher als sein eigentliches Lebenselement, als seine erste und alleinige Lebensarbeit angesehen worden. Man sagt, das Kind spielt das ganze kommende Leben, aber es weiß noch nichts und soll noch nichts wissen von der eigentlichen Bedeutung, von dem oft so finsteren Ernst desselben. Näher angesehen stellt das Kind gern alle Verhältnisse, alle Lebensbeschäftigungen dar, die irgend wie in den Kreis seiner Erfahrung getreten sind, oder ein Anderer in seine Anschauung zu bringen versteht.

- Ueber den Geist der Fröbel'schen Kinderspiele und die Bedeutsamkeit der Kindergärten. Dr. Ravoth, Berlin, 1859

Derzeit brennt eine Diskussion darüber, ob Kinderrechte ins Grundgesetz aufgenommen werden sollten. Manche Gegner'innen sind der Meinung, dies würde die Rechte der Eltern beschneiden und der Staat könne einer Familie die Kinder wegen "zu langem Stillen" oder "zu enger Bindung" wegnehmen. Andere Gegner'innen argumentieren, dass das Grundgesetz ja bereits Menschenrechte enthalte, und da Kinder Menschen sind, seien keine weiteren Rechte notwendig.

Vor kurzem habe ich einen Artikel einer rechtsgelagerten Webseite auf Facebook geteilt, der den Titel trug „Gebt den Kindern ihre Mutter zurück“: Die ersten Lebensjahre sind prägend für die ganze Nation. Im begleitenden Kommentar habe ich einen Absatz des Artikels zitiert und geschrieben, dass sich dies lese wie aus den 1930ern. Womit ich nicht gerechnet habe, war, dass anscheinend viele die Problematik der verwendeten Sprache nicht erkennen konnten. Ich habe dann zwei Tage lang versucht, die Problematik zu verdeutlichen. Obwohl einige - auch prominente - Leser'innen meines Blogs mir beiseite standen, ist es uns nicht gelungen, die wichtigsten Punkte zu transportieren.