In diesem Kapitel finden wir sowohl Teile, die komplett überholt wurden, als auch einige, die nahezu gleich geblieben sind und nur sprachlich modernisiert wurden.

Vor allem aber ist dies das Kapitel, in dem es um das Schreien und den Nachtschlaf geht.

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1938: Kapitel IX. Die Pflege des jungen Säuglings. S. 135-175 mit vielen Fotos (18 Stück).

1979: Das Kapitel "So pflegen Sie Ihr Baby" umfasst S. 123-155 (davon 12 Seiten Zeichnungen und Fotos)

1938

Haarer hat (zeittypisch) drei Pflegegrundsätze: 1. Reinlichkeit 2. Ruhe 3. Luft und Licht, richtige Wärmehaltung.

Dem ersten Grundsatz widmet sie den meisten Platz und die meisten Bilder.

"Peinliche Reinlichkeit ist ebenso wichtig wie einwandfreie Ernährung!" 1938, S. 135

2. Pflegegrundsatz: Ruhe

Jetzt geht es (endlich?) in Richtung Erziehung, denn Ruhe bedeutet alleine lassen.

"Ein Kind braucht um so mehr Ruhe, je jünger es ist. Alle Sinneseindrücke, Gesehenes, Gehörtes, ebenso wie Gefühltes wirken auf das kleine Zarte Wesen mit ganz anderer Wucht ein als auf die abgestumpften Nerven der Erwachsenen. Das Kind wird gefüttert, gebadet und trockengelegt, im übrigen aber vollkommen in Ruhe gelassen. Am besten ist das Kind in einem eigenen Zimmer untergebracht, in dem es dann auch allein bleibt." 1938, S. 160

3. Pflegegrundsatz: Luft und Licht, richtige Wärmehaltung

Auch diesen Grundsatz behandelt Haarer sehr ausführlich. Sie hält es sogar für nötig, zu erklären, warum er wichtig ist. Und wieder bedient sie sich einer militärischen Sprache.

"Licht und Luft sind unentbehrliche Waffen gegen Krankheiten aller Art." 1938, S. 167

Da (Sonnen-) Licht gegen Rachitis hilft, beschreibt Haarer hier Ursachen und Folgen dieser Krankheit.

1979

Noch immer hat Haarer große Angst vor Bakterien. Aber wen wundert's? Insbesondere die 1950er und 1960er gelten ja als "Generation Sagrotan." So eine anerzogene Phobie ist schwer abzulegen. Und sie wurde ja schon seit Ende des 19. Jahrhunderts in der Gesellschaft geformt.

Immerhin hält Haarer sich nun kurz. Nicht mal mehr eine ganze Seite widmet sie der "peinlichen Reinlichkeit." (S. 123)

Wenn man weiß, worauf man achten muss, fallen einem die sprachlichen Besonderheiten auf, die verraten, dass Haarer noch immer Nazi ist - das unsaubere Kind, die Mühe, die Überhöhung der Mutterrolle. Doch vielen Leser'innen fällt so etwas bis heute nicht auf. Und es dürfte in den 1970ern noch eine weit verbreitete Sprache gewesen sein.

Ruhe?

Nun kommen wir zum Schreien. Es ist nicht mehr die Rede davon, dass das Baby Ruhe brauche. Alle Schwarze Pädagogik wurde aus diesem Abschnitt gestrichen. Ein oder zwei Absätze lesen sich noch recht ähnlich wie 1938, wie zum Beispiel, wenn Haarer sagt, dass das Schreien nicht nur die Eltern, sondern auch die Nachbarn störe, aber von Schreienlassen ist keine Rede mehr.

„Die moderne Verhaltensforschung meint, daß das nächtliche Schreien herrührt von dem uralten Bedürfnis nach der Gegenwart der Mutter. (...) Heute kommt jedes Kind in sein eigenes Bettchen, aber der uralte Wunsch nach dem nahen Kontakt mit der Mutter besteht weiter.“ 1979, S. 145

Licht und Luft

Dass Sonne gegen Rachitis schützt ist noch immer wahr. Die Formulierung macht es deutlich, dass diese Krankheit längst nicht mehr so verbreitet ist. Babys bekommen mittlerweile Vitamin-D-Präparate, so dass Haarer diese natürlich natürlich bespricht und darauf drängt wie wichtig sie sind. Haarer kennt ja noch schlimme Rachitis-Fälle, die jungen Mütter von 1979 aber nicht. Sie nimmt sich viel Zeit für Erklärungen und warnt davor, auf "Sensationsmeldungen in der Presse" zu hören und die Rachitis-Prophylaxe wegzulassen. (S. 152)

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Demnächst

Teil 10 - Entwicklung des Kindes  
Teil 11 - Erziehung des Kindes  
Teil 12 - Fazit

Bereits erschienen

Teil 1 - Erster Eindruck
Teil 2 - Schwangerschaft
Teil 3 - Vorbereitung auf das Baby
Teil 4 - Die Geburt
Teil 5 - Wochenbett
Teil 6 - Stillen
Teil 7 - Ernährung mit der Flasche
Teil 8 - Beikost, Krankheiten, Impfungen

»Bei meinem Kind mache ich das anders«