Ich habe zwei neue Lieblingsbücher. Die werden euch auch gefallen. Der evangelische Pfarrer und Pädagoge Christian Gotthilf Salzmann (1744-1811) schrieb 1780 ein Buch mit dem Titel "Anweisung zu einer, zwar nicht vernünftigen, aber doch modischen Erziehung der Kinder". Salzmann störte sich daran, dass seine Mitmenschen sich so häufig darrüber beschwerten, dass ihre Kinder so ungezogen, zänkerisch und ohne Benimm seien. Seiner Meinung nach waren die Eltern selber Schuld daran, dass ihre Kinder so schlecht geraten seien.

Dies ist ein Kapitel aus dem Buch Lebensführung - Eine Anleitung zur Selbsterziehung für die weibliche Jugend von Anton Heinen, 1918. 

Alte Jungfer

"Ich will keine alte Jungfer werden."

Was hast du denn dagegen einzuwenden?

Gibt es Kinderbücher, die Euch Eure Verwandtschaft vererben wollte und die Ihr ganz schrecklich fandet?

Bei mir ist das Fränzi geht schlafen. Im Original erschien das Buch 1960 unter dem Titel Bedtime for Frances. Geschrieben wurde es von dem US-amerikanischen Schriftsteller Russell Hoban und illustriert von Garth Williams. Die letzte Ausgabe erschien 1998.

Das Buch schildert, wie das Dachs-Mädchen Fränzi am Abend um Punkt sieben Uhr von den Eltern ins Bett geschickt wird, obwohl es noch nicht müde ist.

Heute stelle ich euch einen ganz besonderen Erziehungsratgeber vor. Geschrieben wurde er 1877 von dem ehemaligen Lehrer Dr Karl Oppel. Zunächst einmal ist die Form des Buches bemerkenswert. Karl schreibt darin Briefe an seinen Freund Wilhelm und seine Frau, die vor kurzem zum ersten Mal Eltern geworden sind. Zudem reprodiziert er Gespräche mit Wilhelm und anderen Leuten. Natürlich nutzt er diese Gespräche, um sich selber als Gewinner aus den Diskussionen hervorkommen zu lassen. Aber er zeigt uns dadurch auch, mit welchen anderen Sichtweisen die Menschen sich zu seiner Zeit auseinandergesetzt haben. Und darum fesselt das Buch von der ersten Seite an.

Kinder gehorchen nicht gern. Das ist nichts neues. Gehorsam wurde allerdings lange Zeit als unbedingt notwendig für eine gelungene Erziehung angesehen. Doch was dachten die Erwachsenen, würde passieren, wenn Kinder nicht gehorchen müssten? Johann Andreas Christian Löhr (1764-1823) war Theologe und Jugendschriftsteller. Er schrieb ein Buch zur "Bildung des sittlichen Gefühls und Urtheils sowohl zum Gebrauch beim öffentlichen als häuslichen Unterricht" mit dem Titel Kleine Geschichten und Erzählungen für Kinder. In einer dieser Lehrgeschichten lässt Löhr einen Vater das Experiment wagen. Die Kinder dürfen über sich selbst bestimmen. 

Teil 4 - "Die Mutter und ihr erstes Kind" und andere Nachkriegsratgeber

Stell dir vor, es ist 1987, Du suchst nach einem Buch über Säuglingspflege und hältst in der Buchhandlung einen Ratgeber in der Hand, der modern aufgemacht ist und auf dem Titel wirbt mit "Über 1 Million verkaufte Exemplare". Würdest Du auf den Gedanken kommen, dass knapp 3/4 dieser Auflagenhöhe vor 1945 erschienen ist?

Teil 3 - Der NS-Staat und seine Erziehungspropaganda

Als ich 2007 anfing, mich konkret damit zu beschäftigen, wo die ganzen abstrusen Säuglingspflege-Regeln her kommen, die mir als Stillberaterin begegneten, las ich natürlich auch das Buch von Sigrid Chamberlain über Johanna Haarer. "Prima," dachte ich, "da steht ja alles drin, was ich über Johanna Haarer wissen muss. Dann kann ich mich ja auf andere Zeiten und andere Werke konzentrieren."

Alle Säuglingspflegebücher aus der NS-Zeit, die mir in die Finger gerieten, schienen im Vergleich mit Chamberlains Beschreibung genauso schlimm zu sein, wie das von Johanna Haarer. Mir wurde schnell klar, dass ihr Buch nur eines von vielen war. Eines, das die Eltern kaufen mussten, wohingegen andere Bücher in ähnlich großer Auflage vom NS-Staat kostenlos an die Eltern oder Frischvermählten verteilt wurden.

Teil 2 - Vorläufer der Schwarzen Pädagogik

Die Schwarze Pädagogik war nicht einfach plötzlich da. Genauso wenig, wie Nazis einfach plötzlich da waren. Der Weg zur Schwarzen Pädagogik begann gute 100 Jahre vor dem Dritten Reich. Anhand von Erziehungsratgebern lässt sich ein ziemlich gradliniger Verlauf von bedürfnisorientierter zu bindungsschädigender Säuglingspflege nachverfolgen. Vor allem sehen wir, dass die Ursprünge der destruktiven Erziehungsmethoden in (vermeintlich) gesundheitsfördernden Pflegeanweisungen lagen.

Teil 1 - Wie Johanna Haarer heute wahrgenommen wird

Johanna Haarer (1900-1988) war Autorin der NS-Erziehungsratgeber "Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind" und "Unsere kleinen Kinder". Insbesondere das erstgenannte Werk ist berühmt-berüchtigt. Es gibt einige wissenschaftliche Arbeiten zu Haarer und ihren Büchern, die darstellen, wie weitreichend ihr Einfluss war. "Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind" erschien erstmals 1934. Bis Kriegsende sollen nahezu 700.000 Exemplare verkauft worden sein. Die letzte Auflage von 1987 warb mit über 1 Million verkauften Exemplaren. Zudem diente es als Lehrbuch für Mütterschulungskurse und in Berufs- und Fachschulen für Kinderpflegerinnen, Kindergärtnerinnen und Jugendleiterinnen [Quelle]. Es ist also unbestritten, dass diese Bücher nachhaltig auf die Erziehung in deutschen Kinderstuben einwirkten.

Ja, heute ist Blogtag. Nein, ich habe heute nicht gebloggt. Also nicht so, wie ich wollte. Drei Mal hab ich alles über den Haufen geschmissen. Nicht, weil ich nicht voran kam, sondern weil ich mich bei der Recherche in den Untiefen der Online-Bibliotheken verloren habe.

Die Säuglingspflegefibel von Ordens- und Krankenschwester Antonie Zerwer (1873-1956) ist ein Lehrbuch für die oberen Klassen der Volks- und höheren Mädchenschulen, also für Mädchen im Alter von ca. 10 bis 16 Jahren. Die erste Auflage erschien 1912 während die Autorin im berühmten Kaiserin-Auguste-Viktoria-Säuglingsheim in Berlin arbeitete, dessen Leitung sie 1924 übernahm. Sie war auf Wunsch des Arztes Arthur Keller 1908 von Magdeburg nach Berlin gekommen.

»Bei meinem Kind mache ich das anders«