Schon vor der Geburt hat ein Baby Schlaf- und Wachphasen. Schlafen an sich ist daher nichts, was gelernt werden müsste. Und dennoch gibt es sogenannte Schlaflernprogramme. Warum?

Was Babys mit den Schlaflernprogrammen beigebracht werden soll, sind das Einschlafen ohne Hilfe anderer Menschen und das Durchschlafen in der Nacht. Das entspricht zwar weder dem sozialen Bedürfnis noch den physiologischen Anlagen von Babys. Dennoch wird von vielen Menschen bis heute sehr viel Wert auf beides gelegt. Dieser Wert beruht auf einer kruden Vorstellung von Selbständigkeit und der vermeindlichen Notwendigkeit geregelter Tagesabläufe. 

In diesem Blog wurden bereits verschiedene Formen des Co-Sleepings vorgestellt. Lange war es üblich, dass Stillende und Stillkind sich ein Bett teilten, auch wenn es viele Vorurteile gab, die aber auch widerlegt wurden. In Skandinavien schliefen ganze Familien samt Besuch in einem Bett. Auch in vielen Häusern in deutschsprachigen Gebieten teilten sich ganze Familien, wenn nicht das Bett, dann doch zumindest das Schlafzimmer. Das war durchaus Tradition und nicht nur eine Folge von Platzmangel. 

In deutschen Gefilden war es bis weit ins 19. Jahrhundert üblich, dass zumindest das kleinste Kind bei der Mutter schlief. In weniger bemittelten Familien schliefen noch mehr Familienmitglieder in einem Bett, oder zumindest in demselben Zimmer. Und das nicht nur aus finanziellen, sondern auch aus rein praktikablen Gründen, denn die Kinderbetreuung ist des nachts nunmal einfacher, wenn man nicht durch die Gegend latschen muss. Der dänische Historiker Troels Frederik Lund (1840-1921) zeigt uns in einem Buch von 1882, dass das Familienbett im Skandinavien des 16.-17. Jahrhunderts noch weiter ging. Und er benutzt sogar den Begriff "Familienbett"!

Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da. Die Idee, der Mensch müsse nachts durchschlafen, ist noch gar nicht so alt. Es war bis ins späte 19. Jahrhundert durchaus üblich, die Nacht in zwei Schlafphasen einzuteilen - den ersten und den zweiten Schlaf. Letzterer wurde auch "Morgenschlaf" genannt. Der erste Schlaf dauerte meist 5-6 Stunden und der zweite 2-3, wobei im Winter eine Stunde länger geschlafen wurde als im Sommer. Wir wissen davon aber nur durch beiläufige Erwähnungen.

Dr. Thomas Joseph Lauda erklärt uns, unter welchen Umständen das Baby sicher im Bett der Mutter schlafen kann. Seine Ausführungen sind erstaunlich ähnlich zu heutigen Empfehlungen. Darum vorweg erst mal die aktuellen Empfehlungen zum Co-Sleeping und Bed-Sharing des Schlaflabors der Universität Durham. Dieses wird geleitet von Professor Helen Ball.

Der Arzt Thomas Joseph Lauda war ein Verfechter des Co-Sleepings für Babys in den ersten Monaten. Nachdem Lauda in seiner Buch "Pflichten gegen Kinder" von 1855 über die Vorteile des Co-Sleepings referiert  und festgestellt hat, dass Babys ohne Co-Sleeping schlechter schlafen, widmet er sich den Gründen, warum es dennoch oft nicht statt findet. Er sieht die Hauptursache in unverständigen Hebammen und Ärzten und macht sich daran, deren Argumente zu widerlegen.

"Nicht selten tritt der Fall ein, daß die kleinen Geschöpfe uns nicht zu Willen leben und durchaus nicht einschlafen wollen, wenn wir es gern hätten." So schrieb Marie Susanne Kübler 1891. Aber das heißt ja nicht, dass nicht versucht wurde (und wird), das Kind trotzdem zum Schlafen zu bewegen.