Mutter und Kind - Ein Lexikon der Kinderstube

J. von Wedell, 1898

J. von Wedel ist ein Pseudonym von Helene Freifrau von Schroetter.

Inhalt:

Vorwort

Abführmittel - Abhärtung - Abreibungen - Amme - Angst - Anlegen des Kindes, erstes - Anstand - Appetitlosigkeit - Arbeit - Arzneien - Atmen - Aufstoßen - Auge - Augenentzündung, ägyptische - Augenentzündung Neugeborener - Ausleerungen - Auswurf

Babyausstattung - Babytruhe - Bäder - Begehrlichkeit - Bekleidung des Neugeborenen - Beleuchtung - Belohnungen - Beschäftigungen - Bescheidenheit - Bett - Bettlage - Bettnässen - Bewegungen - Blähungen - Blutarmut - Blutungen - Brechmittel - Breiumschläge - Brust der Frau - Brustdrüsenschwellung

Dankbarkeit - Darmkatarrh - Diät - Drüsenanschwellung

Ehrgeiz und Ehrgefühl - Ehrlichkeit - Eigensinn - Einfachheit - Einpackungen - Einpinselungen - Einreibungen - Einspritzungen - Eis - Eisen - Eitelkeit - Empfindlichkeit - Entwicklung, zu frühe geistige - Entwöhnung - Ernährung - Erstickungsgefahr - Erzählen - Erziehung

Fahren - Fallen - Familienleben - Feigheit - Fieber - Fremdkörper - Frieseln - Frostbeulen - Frottieren - Fußpflege

Gebet - Gedächtnis - Gedeihen des Kindes - Gehenlernen - Gehorsam - Gelbsucht - Geselligkeitstrieb - Getränke, geistige - Gewissen - Gewohnheiten, schlechte - Grausamkeit - Gurgeln - Gymnastik

Haarpflege - Handpflege - Hasenscharte - Haß - Hausapotheke - Hausaufgaben - Hausmittel - Hautpflege - Hilfsbereitschaft des Kindes - Hinken

Impfung - Inhalieren - Insektenstiche

Kinderstube - Kinderstundenplan - Kindertagebuch - Kinderwärterin - Kinnbackenkrampf - Kleidung - Krämpfe - Krankenstube - Krankheiten, ansteckende - Krankheitssymptome - Krupp

Launen - Leibbinde - Leibschmerz - Lektüre - Lob - Luft, frische - Lüge 

Mandeln

Nachtlampen - Nasenpflege - Nesselfieber

Ohren, abstehende - Ohrpflege - Onanie - Ordnungsliebe

Pepton

Quetschungen

Reinlichkeit - Rekonvalescenz 

Schlaf - Schreien - Sitzen des Kindes, aufrechtes - Spazierengehen - Speien - Sprache - Stehen - Stimmritzenkrampf

Temperament - Tragen auf dem Arm

Ungeziefer - Unterkleidung - Unterlagen - Urin

Verbände - Verbrennung - Vergiftungen - Verkrümmungen - Verrenkung - Verstauchung - Verstopfung - Verträglichkeit - Vertrauen - Verwöhnung

Wachstum - Wäschewechsel - Waschungen - Waschungen zu Heilzwecken - Wasser- oder Windpocken - Wiederbelebungsversuche - Wohnung - Wundpflege - Würmer

Zahnpflege - Zartgefühl - Zerstörungstrieb

Wo ist der Rest des Buches?

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Mutter und Kind.

Goldnes Frauenglück: Mit Lachen
Schlummerloser Nacht sich fügen,
Liebe Bettlein segnen, wachen
Ueber lieben Atemzügen.
Frida Schanz.

Mutter und Kind
Ein Lexikon der Kinderstube
Rathschläge
zur
Behandlung des Kindes
in körperlicher und geistiger Beziehung
von
J. von Wedell,
Verfasserin von "Mein Haus, mein Stolz",
"Im Haus und am Herd"


Frau Gräfin Thesy von Hennin
geborene Freiin von Bettendorf
in Erinnerung
an gemeinsam verlebte Jahre
in Treue gewidmet
von
der Verfasserin.


Vorwort

Meine liebe junge Freundin!
Du hast in der Schule und in der Pension gar vieles Schöne und Wissenswerte gelernt, hast vielleicht die besten Aufsätze von allen geschrieben, und deine Lehrer haben deine Kenntnisse in Chemie und Physik, in Literatur und fremden Sprachen vor allen anderen gelobt.

Und doch - jetzt, wo dir die heiligste Aufgabe gestellt ist, die es giebt: ein herziges Kind zu hegen und zu pflegen, da fühlst du dich kenntnisarm und gäbest mit Freuden eine besondere Auszeichnung aus der Schulzeit hin, wenn du wüßtest, mit was du Baby helfen, wie du es kräftigen und zu einem gesunden und guten Menschen heranziehen könntest. Leider ist der weibliche Bildungsgang so eingerichtet, daß er alles andere eher in Betracht zieht als die Berufspflichten, die der Frau als Hausfrau und Mutter erwachsen.

Du mußt jetzt von neuem lernen, bei mir, deiner Freundin, in die Schule gehen. um dir nun diese neue Weisheit, die du lernbegierig durchforschest, zugänglicher zu machen, übergebe ich dir hier ein Nachschlagebuch, das dir Rat verspricht in allen Stadien der körperlichen Pflege deines Kindes vom ersten Daseinsmoment an und in allen wichtigen Fragen der Erziehung.

Möchtest du es gern und oft zur Hand nehmen! Möchte dein lieber, kleiner Sonnenstrahl rechten Nutzen aus dem Lerntrieb seiner treuen Mutter haben!

J. von Wedell

 

A

Abführmittel dürfen in der Kinderstube nicht fehlen. So manche ernstere Magen- und Darmerkrankung kann durch einen Löffel Rizinusöl zur rechten Zeit verhindert werden.

Jede Mutter soll sich von der täglichen Verdauung ihrer Kleinen überzeugen. Dadurch allein ist sie imstande, im geeigneten Moment den Stuhlgang zu beeinflussen. Beim Säugling wendet man gegen Verstopfung nur ein laues Klystier an; auch im zweiten und dritten Lebensjahre beschränke man sich auf Klystiere event. mit Zusatz eines Kaffelöffels voll Glycerin oder Einführung eines Seifenzäpfchens in den Darm, wie sie der Arzt dir auf Wunsch verschreiben wird. Bei Durchfall, verbunden mit Leibschmerz, darfst du auch dem Dreijährigen bereits einen Kaffeelöffel Rizinusöl in erwärmter süßer Milch oder in Kaffee reichen. Im vierten und fünften Lebensjahr giebt man einen Kinderlöffel voll. Es ist eine noch immer weitverbreitete Ansicht, daß Rizinusöl den Durchfall an sich beeinflusse und vermehre. Ganz im Gegenteil, es entfernt die krankheitserregenden Substanzen aus dem Darm und beendet dadurch den Durchfall und die Krankheitssymptome. Es wirkt nach drei bis vier Stunden. In Fällen, wo die Verstopfung nur begleitende Krankheitserscheinung ist, also z.B. bei längerer Bettruhe, wo der Stuhlgang ein schwererer ist, wähle man leichtere Mittel als Rizinusöl. Da ist zunächst eine Abkochung von Sennesblättern (in der Apotheke erhältlich) zu empfehlen. Für ein sechsjähriges Kind legt man zehn Stunden vor Gebrauch sechs Sennesblätter in eine Tasse kaltes Wasser und läßt die braune Flüssigkeit vor dem Schlafengehen trinken. Durch Kochen dieses Wassers mit den Blättern wird die Wirkung eine stärkere. Auch das Trinken von warmem Zuckerwasser vor dem Schlafengehen oder warmem Salzwasser vor dem Frühstück übt einen gelinden Einfluß auf den Stuhlgang aus.

Man hüte sich vor allen durch laute Reklame angepriesenen Abführmitteln. Durchschnittlich sind alle für Erwachsene unschädlichen Mittel für den kindlichen Verdauungsapparat schädlich. Rizinusöl ist das beste, einfachste und wirksamste für die Kleinen.

Abhärtung. "Das Kind ist ja ewig krank, der Doktor kommt nicht aus dem Hause! Das muß anders werden! Du mußt den Jungen eben abhärten!" So spricht der Herr Papa. Er ist selbst wind- und wetterfest, kennt keine Krankheit, und man kann es ihm von seinem Standpunkte aus nicht verargen, wenn er murrt, daß der Stammhalter bis jetzt - d.h. er ist drei Jahre - so gar viel an Erkältung leidet.

Die arme kleine Mama, die beständig der "Verweichlichungstheorie" angeklagt wird, hat rotgeweinte Augen. Sie möchte so gern beide Parteien zufrieden stellen; Bubi sein Recht nicht versagen und Papa recht geben. Nach einer solchen Scene häuslichen Leids, die - sollte ich fehlgehen mit meiner Annahme? - in allerlei Varianten sich in gar mancher Familien abspielt, vielleicht gar sich in der deinen bereits abgespielt hat, gab mir der Zufall das Buch von Dr. Ernst Brücke: "Wie behütet man Leben und Gesundheit seiner Kinder?" in die Hände. Dieses vortreffliche Buch, dessen Verfasser ich hier meinen Dank abstatte, kann ich dir nur empfehlen, und ehe ich dir meine Erfahrungen mitteile, laß dir einige Kernaussprüche dieses Gelehrten gefallen, die dir gewiß Anlaß zum Nachdenken geben werden. Wir Mütter können und dürfen ja nie einfach das Gelesene oder Gehörte ausführen, wir müssen individualisieren können und unterscheiden, ob dieser oder jener Rat gerade in unserem Fall nachahmenswert ist. "Geht man in der Frage der Abhärtung zu weit, so vermindert man die Lebenswahrscheinlichkeit der Kinder; geht man nicht weit genug, so erzieht man ein verweichlichtes nervöses Geschlecht, ja, es giebt einen Grad der Verzärtelung, durch den geradezu die Lebenswahrscheinlichkeit wieder verringert wird."

"Die Möglichkeit der Abhärtung wächst mit dem Lebensalter. Kleine Kinder kann man überhaupt nicht abhärten."

"Das wichtigste Abhärtungsmittel ist die frische Luft." - Laß uns nun gemeinsam überlegen, wie wir deinen Jungen abhärten können. Im Sommer ist die beste Zeit dazu. Winter und Frühling eignen sich nicht zum Beginn solcher Maßregeln, da erfahrungsgemäß Winter und Frühling am meisten Gefahr für Erkrankungen bringen. Warum? Der Körper geht gestärkt durch den Sommer und widerstandsfähig in den Winter hinein. Im Winter, wo wir den Genuß der Luft so außerordentlich beschränlen müssen, steigert sich die Empfindlichkeit des Körpers so, daß sie zu Beginn des Frühlings am größten ist. Ein Beleg hierfür ist der statistische Nachweis über Erkrankung der Atmungswege und die damit in Verbindung stehenden Sterbefälle in den Monaten März und April.

1. Gönne ihm den Genuß der frischen Luft so lange und so ausgiebig wie möglich. Neugeborene Kinder gewöhnt man ganz allmählich an den Genuß der Luft. Später läßt man sie wohlverpackt im Wagen, geschützt gegen Zug und Sonnenlicht, stundenlang im Freien stehen. Sobald die Kinder zu laufen beginnen, stelle man ihr Spielplätzlichen ins Freie oder bereite ihnen an warmer, geschützter Stelle im Garten oder auf der Veranda einen Sandhaufen, auf dem sie, auf einer Decke sitzend, sich nach Belieben vergnügen können. Hier gebe ich dir zu bedenken, daß der Boden trocken sein muß, auf den du das Baby setzt.

Größere Kinder laß möglichst den ganzen Tag im Freien. Laß sie auch ihre Mahlzeiten dort einnehmen. Du sollst sehen, wie es ihnen doppelt gut mundet. Wir nehmen im Sommer regelmäßig, natürlich wenn uns der Regen keinen Strich durch die Rechnung macht, alle Mahlzeiten im Gartenpavillon ein. Die ganze Tafelrunde ist fröhlicher wie sonst, es schmeckt im Freien nach aller Ansicht unvergleichlich besser, und das Aussehen und Gedeihen der Kinder ist die Probe auf das Exempel. Auch Schularbeiten werden im Freien gemacht. Regnet es, so wird spazieren gegangen, und die Kinder (mit Regenschirm und Galoschen) erproben es, daß die Feuchtigkeit an sich weniger Erkältungsgefahr birgt als z.B. der Wind.

2. Laß deinem Jungen vom zweiten Jahr an nachts bei geöffnetem Fenster schlafen. Wohlverstanden bei geöffnetem, nicht bei offenem. Im Anfang genügt es, wenn du den Fenstergriff überhakst. Durch diese Spalte strömt schon eine ganze Menge Luft über Nacht herein. Kommst du des Mprgens in ein solcherart gelüftetes Schlafzimmer, so wirst du stets gute Luft finden. Wie anders in einem Zimmer, das nicht gelüftet wurde! Da schauderst du ordentlich vor dem muffigen Duft. Und in diesem hat dein Liebstes zwölf Stunden geatmet! Natürlich muß das Kinderbett so stehen, daß es sich fernab vom Fenster und nicht in der Nähe einer Thür befindet, damit keinerlei Zug den Schläfer trifft. Du magst auch der Vorsicht halber einen Bettschirm um das Bettchen stellen. Die Abhärtung durch das Schlafen bei geöffnetem Fenster ist eine sehr bedeutende. Ich gebrauche sie bei meinem Knaben, der viel an nächtlichem Husten litt. Nachdem alle möglichen Mittel angewandt waren, erklärte mir der Arzt, daß nur eine rationelle Abhärtung der Atmungswerkzeuge, wie solche durch Schlafen bei geöffnetem Fenster erzielt würde, helfen könne. Und der Erfolg gab ihm recht. Man kann diese Abhärtung bis spät in den Herbst fortsetzen. Im Winter halte ich die im nördlichen Deutschland nicht für geeignet. Ich lasse im Winter abends die Nebenstube gründlich durch Zugwind lüften und öffne dieselbe, ehe ich zu Bette gehe, wodurch dem Schlafzimmer frische Luft für die Nacht zugeführt wird. Ich möchte dich hierbei darauf aufmerksam machen, daß du im Ofen einen guten Ventilator hast. Wenn dein Gatte raucht und du öffnest die Ofenthür - selbstverständlich des nicht im Betriebe befindlichen Ofens - so wirst du alsbald den Rauch abziehen fühlen, nicht wahr? Mache dir diese Erfahrung zu nutze und laß nachts eine Ofenthür im Schlaf- oder Nebenzimmer geöffnet; die schlechte Luft und der üble Geruch verschwinden.

3. Ziehe deinen Jungen im Sommer nicht zu warm an. Es ist gänzlich falsch, wenn manche Eltern keinen Unterschied in der Kleidung nach den Jahreszeiten machen wollen.

4. Stärke ihn durch tägliche Waschungen. Dr. Brücke ist der Ansicht, daß das Bad im zarten Alter nur zu Reinlichkeitszwecken verwendet werden soll. Kalte Bäder erlaubt er erst nach ärztlicher Untersuchung nach dem siebenten Lebensjahr und will dieselben nicht unter 16° Reaumur genommen sehen.Auch ist er dagegen, daß die Abreibungen und Abwaschungen im Winter fortgesetzt werden. "Es ist einmal nicht abzuleugnen: wir vertragen das kühle Wasser im Winter schlechter wie im Sommer. Nun wenden wir es an, um anzuhärten, um Erkältungskrankheiten zu verhüten; es muß aber die Möglichkeit zugegeben werden, daß nicht allein trotzdem, sondern eben durch die kalten Waschungen eine Erkältung herbeigeführt wird. Dann müssen nicht allein die kalten Waschungen sofort eingestellt werden, sondern das Kind darf vielleicht wochenlang nicht ins Freie gebracht werden, und darunter
leidet es viel mehr als ihm meiner Ansicht nach die ganzen kalten Waschungen während des Winters nützen können. Will man die kühlen Waschungen während des Winters fortsetzen, so nehme man sie wenigstens in der Nähe des Ofens vor und lasse das Kind während derselben bis an die Knöchel in einer hölzernen Wanne mit warmem Wasser stehen. Dabei suche man vor allem rasch fertig zu werden und rasch und vollständig abzutrocknen."

Unbedingt mußt du, wenn auch alles andere nicht vertragen werden sollte, folgende Waschung ausführen lassen. Entblöße das Kind bis zum Gürtel, wasche mit einem großen Schwamm rasch Brust, Rücken und Arme (auch unter den Armen), und lasse das Kind sich so über ein Waschbecken beugen, daß du imstande bist, den Schwamm mehrfach im Nacken auszudrücken. Du mußt hierauf tüchtig frottieren. Diese tägliche Halsdusche hat mich selbst seit dreißig Jahren vor Halsleiden bewahrt, und ich habe sie daraufhin auch bei meinen Kindern mit Erfolg angewandt. Haben wir nun gesehen, was wir im Sommer zur Abhärtung alles thun können, so laß uns jetzt auch des Winters gedenken.

Viele Mütter glauben den Kindern etwas Gutes zu thun, wenn sie sie in recht warme Zimmer stecken. Man findet Kinderstuben mit 18 und 19°R. Dies ist die reine Sünde gegen die zarten Atmungsorgane der Kinder. Ist es nicht natürlich, daß dieselben, wenn sie aus einer derartig überheizten Atmosphäre in die frostige Winterluft kommen, sich leicht erkälten?

Die größte und beste Abhärtung besteht
1. darin, daß die Kinder im Winter höchstens 14°R im Zimmer haben- Säuglinge bedürfen etwa 17°R, Kinder bis zum zweiten Lebensjahr 16°R. Aber sobald ein Kind sich tüchtig bewegt und beim Spiel tummelt, soll die Temperatur 14° betragen. Bei uns, liebe Leserin, ist z.B. das ganze Haus durch amerikanische Oefen so temperiert, daß alle Wohnräume sowie der Korridor durchschnittlich 13° haben. Wir befinden uns dabei sehr wohl und kennen kein Frostgefühl, wenn es in Kalte geht; niemand von uns leidet z.B. an Kopfschmerz, Augenschmerzen, Blutandrang nach dem Kopf, und was alles diejenigen befällt, die sich in überheizten Räumen aufhalten. Allerdings bedingt die kühlere Lufttemperatur,

2. eine vernunftgemäße und warme Kleidung. Wer die Kleinen in ausgeschnittenen Sommerkleidchen herumlaufen lassen will, der kann allerdings keine Luftabhärtung beginnen. Du nennst das auch Abhärtung, wenn die Kinder im Winter sommermäßig gekleidet gehen? Nein, liebe Leserin, das ist nur eine Eitelkeit der Mutter, die dem kleinen Geschöpfchen sehr Schaden bringen kann. Niemand kann gedeihen, wenn er mehr ausgiebt, als er hat. Ein solches armes Geschöpfchen aber muß alle Kräfte verwenden, um die Wärme zu ersetzen, die der Körper abgiebt. Wie kann es alsdann Kräfte zur Weiterentwicklung verwenden?

Nein, warm soll man die Kinder im Winter kleiden, das Wünschenswerteste wäre eine leichte wollene Unterkleidung, die den Körper bei Temperaturwechseln so günstig schützt.

In Amerika zieht man dem Baby schon nach der Geburt Wolle an, Hier in Deutschland tragen nicht allein alle Männer, die sich durch ihren Beruf dem Wetter aussetzen, nein, fast 9/10 aller männlichen Individuen warme Unterkleidung. Und die Kinder, die sich eben durch ihre Jugend, ihre oft der Vernunft entgegengesetzte Spiele weit größerer Erkältungsgefahr aussetzen wie unsere Männer, die sollen diesen Schutz entbehren?

Bei der Wahl der Kleidung berücksichtige auch, daß die niedrigsten Luftschichten am kühlsten sind. Die Beinchen und Füßchen der Kleinen müssen warm gekleidet sein. Eine höchst gefährliche Unsitte ist das Bloßtragen der Beine. Angeblich soll es eine Abhärtung darstellen. Aber wie viele Leiden - Versauungsstörungen nicht zum wenigsten - haben ihre Ursache in diesem Brauch! Gar viele Mütter sind kurzsichtig. Sie sehen die hübsche Mode, die A. und B. und C. trägt, und die sie daher auch mitmachen müssen, freuen sich wohl auch, daß es keine Strümpfe zu stopfen giebt, und lassen die Kleinen im Sommer wie im Winter mit bloßen Beinchen herumlaufen. gewiß giebt es Kinder, die gesund genug sind, um diese Mode auszuhalten. Nun und nimmermehr werden aber Kinder durch diese Sitte gesund und abgehärtet werden. Ein Prüfstein sei dir jedenfalls die Wärme der Füßchen. Ist dieselbe fortdauernd sehr rege, so wird das Kind, besonders im Sommer, freie Kniee tragen können. Kalte Füßchen verlangen warme Bekleidung. Vergiß nie, daß besonders im zarten Alter die Wirkung der Fußtemperatur auf den Körper sehr bedeutend ist. Darmkatarrh und Verdauungsstörungen sind sehr oft die Folge von kalten Füßen. "Kalte Füße schlagen sich auf den Leib", heißt es im Volksmunde.

3. Der tägliche Genuß der frischen Luft auch im Winter ist zu einer Abhärtung durchaus nötig. Daß regelmäßige Gehen ist planlosem Herumspielen, das mit Stehen, vielleicht auch mit Sitzen verbunden zu sein pflegt, vorzuziehen. Die aufmerksame Mutter muß das Kindermädchen beim Ausgehen überwachen, denn es ist schon oft vorgekommen, daß dieselben ihre Pflegebefohlenen vor Schaufenstern oder in ihrem Elternhaus amüsierten, statt mit ihnen wirklich spazieren zu gehen.

Kinder bis zum zweiten Lebensjahr sollten nur in die Luft, wenn es frostfreies Wetter ist, drei- und vierjährige nur, wenn die Kälte unter 3°R bleibt.

Länger wie anderthalb Stunden sollte ein Kind vom dritten bis zum sechsten Jahre im Winter nicht ununterbrochen im Freien sein. Dr. Brücke sagt hierzu: "Kinder, welche schon umherlaufen, kann man auch bei gelindem Frostwetter, bei 2-3° unter Null schon hinausschicken, aber nur auf kurze Zeit; weitere Wege dürfen sie nicht zu Fuß, sondern nur im Wagen machen. Wenn der Frost stärker wird, so daß man die Kinder nicht hinauszuschicken wagt, so kann man sie, wie sie für die Straße angezogen sind, in einem gut gelüfteten, kühlen Zimmer oder auf einem gut gelüfteten Korridor spazieren gehen lassen. Es ist dies von mehreren Kinderärzten angeraten und gewiß am Platze, wenn die Kälte derartig anhält, daß man die Kinder wochen- oder gar monatelang nicht hinausschicken kann. Bei einer Temperatur von 8°R (=10°C) und mehr unter dem Gefrierpunkte sollte man Kinder unter zehn Jahren nie hinausschicken; bei Kindern über sechs Jahren ist dies freilich der Schulpflicht wegen nicht immer zu vermeiden.

Ich muß hier darauf zurückkommen, daß es gerade die Kälte ist, welche jüngeren Kindern Gefahr bringt, und daß die Feuchtigkeit viel unbedenklicher ist. Ein Schneegestöber bei Null Grad braucht ein Kind, wenn es gut verwahrt ist, viel weniger zu scheuen als trockenen Wind bei hellem Wetter und 4-5 Grad Kälte.

Vom siebenten Lebensjahre an wächst die Widerstandsfähigkeit gegen niedere Temperaturen bis in die Blütejahre stetig, und Kinder von zehn Jahren und darüber ertragen, wenn sie sonst gesund und gut mit Kleidungsstücken verwahrt sind, schon alle bei uns gewöhnlichen Wintertemperaturen, aber die Zeit, während welcher man sie im Freien läßt, muß nach denselben abgestuft werden, schon wegen der Gefahr der Erfrierung einzelner Teile, welche etwa durch die Kleidung weniger geschützt sind." Laß dir zum Schluß dieser Bemerkungen über Abhärtung noch eines sagen: Wohl dir, wenn du dein Kind nicht nur körperlich abhärtest! Es giebt noch eine Art von Abhärtung: die Abhärtung des Charakters. Gewöhne es bescheiden, ziehe keinerlei Ansprüche in ihm groß, übe es im Ertragen von Schmerz, lehre es sich Genüsse versagen, zeige ihm, wie man schweigend etwas opfern kann zum Wohle seiner Nächsten. Eine solche Erziehung stählt den Charakter und macht ihn zum Lebenskampf bereit, wie die körperliche Abhärtung den Körper kräftigt zu dem Wettstreite des Lebens, der heute auf allen Gebieten ein anderer ist wie in früheren Zeiten, und der darum nur starke Naturen oder doch solche, die streben, eine solche zu werden, brauchen kann.

Abreibungen. Ich glaube, ich irre nicht, wenn ich dich, liebe junge Mutter, von dem ernsten Bestreben erfüllt sehe, dein Kleinod zu einem gesunden, widerstandsfähigen Menschen zu erziehen, ich meine sowohl in körperlicher wie in geistiger Beziehung. Es ist unsere schönste Mutterpflicht, die wir auch in bescheidenen Verhältnissen ausüben können, das Kind in diesem Sinne zu stählen. Laß uns nun hier ein Mittel betrachten, das, regelmäßig angewandt, wie kein anderes den Körper deines Lieblings abhärtet: es ist die alltägliche Abreibung. Am besten nimmst du sie des Mprgens vor. Der kleine Körper muß recht warm aus dem Bettchen kommen. Alle Kaltwasserapplikationen sollen bekanntlich nie auf kühler, fröstelnder Haut vorgenommen werden. Ein rauhes Gerstenkorntuch wird in stubenwarmes Wasser getaucht, ausgewrungen und um den Körper geschlagen. Du reibstnun so schnell und flott, wie du nur kannst, jeden Körperteil ab und trocknest alsdann mit einem warmen rauhen Handtuch aus Kräuselstoff, das den kleinen Mann ebenfalls von Kopf bis zu den Füßen einhüllt, nach. Der ganze Vorgang muß sich blitzschnell abspielen, dann allein ist er wirksam. Das nasse Tuch soll einen Hautreiz hervorbringen, aber nicht abkühlen oder gar kälten. Wenn du mich in deiner peinlichen Genauigkeit nach Zahlen fragst, so würde ich sagen: 1 1/2 Minuten nasses Tuch, 4 Minuten Nachfrottieren. Das Kind soll sofort bekleidet werden und alsbald sich etwas bewegen, laufen, turnen, sowie bald frühstücken. Ein langes Herumstehen am Waschtisch, wie es unsere Vierjährigen lieben, die allerhand Wasserspielzeug erfinden und in Bewegung setzen, darf Mama auf keinen Fall erlauben.

Die Temperatur des Zimmers, in dem du die Abreibung vornimmst, soll nicht unter 12°R betragen. Bei kleineren Kindern muß sie sogar 14° erreichen. Schläft das Kind im Kalten, so nimm die Abreibung im gewärmten Nebenzimmer vor.

Wann du mit dieser Abhärtung beginnen darfst? Wenn Baby zwei und ein halb oder drei Jahre alt ist und du es bereits vorher an alltägliche kalte Waschungen gewöhnt hast. Allzufrühes Beginnen mit Abreibungen und Abhärtung überhaupt, wie es in den sechziger und siebziger Jahren Mode war, ist nach heutigen Ansichten der Aerzte nicht günstig. Auch mußt du die Beschaffenheit des Kindes in Betracht ziehen. Bleiche, blutarme Kinder haben wenig Körperwärme, können also nicht in dem Maße auf Kälte reagieren wie gesunde. Da nun eine kräftige Reaktion das ist, was wir mit unserer Abreibung bezwecken, so darf man sie eben nicht von ihnen verlangen. Da hat der Arzt spezielle Vorschriften zu machen. Sehr bewährt hat sich bei meinem schwächlichen Vierjährigen folgendes Verfahren bei der Abreibung. Nach dem Erwachen rieb ich ihm im Bett, möglichst unter der Decke, nach und nach jeden Körperteil mit einem nassen Tuch ab und frottierte tüchtig nach. Er blieb alsdann noch zehn Minuten im Bett liegen. Nachdem ich einige Monate streng diese Kur durchgeführt hatte, vertrug er das kalte Wasser auch als Ganzabreibung vortrefflicch, und jetzt wird er täglich, in weiter Gummibadewanne stehend, mit der Brause der Gießkanne abgeduscht. Es ist dies eine mildere Form der Baddusche, die ich allen Müttern aus das wärmste empfehle. Sie ist in meiner Kinderstube sehr beliebt - der Kopf wird nicht geduscht -, geht schnell von statten und härtet (man nimmt zunächst Wasser von 23°, um alsdann auf Stubentemperatur herunterzugehen) ganz bedeutend ab.

Nasse Abreibungen in Krankheitsfällen werden gliedweise, wie oben geschildert, ausgeführt. Sie werden angewandt, um das Blut von den edlen inneren Teilen anzulenken. Man ersetzt sie meistens durch nasse Einpackungen.

Der richtige Zeitpunkt, um mit Abreibungen zu beginnen, ist der Sommer oder Frühherbst. Frühling und Winter eignen sich nicht dazu.

Beim Eintritt einer Erkältung, sei es auch nur geringer Schnupfen, sind die Abreibungen einzustellen, da der Nutzen, wenn in diesem Fall überhaupt davon gesprochen werden kann, minimal ist im Vergleich zu der Gefahr, die Erkältung zu vergrößern.

Amme. Kannst du die schönste und heiligste Mutterpflicht, das Stillen, an deinem Kinde aus irgend einem schwerwiegenden Grunde nicht erfüllen, so wirst du bestrebt sein, für einen möglichst ähnlichen Ersatz zu sorgen. Trotz der heute weit verbreiteten Ansicht, daß die künstliche Ernährung vorzuziehen ist, wirst du dennoch in manchen Fällen unbedingt eine Amme nehmen müssen. Zunächst, sobald dein Kind zart oder schwächlich ist. Da würde das Experimentieren mit künstlichen Nahrungmitteln geradezu ein Unrecht sein. Die Muttermilch thut da oft förmlich Wunder, wo man bereits das Schlimmste befürchtete. Zweitens bist du genötigt, eine Amme zu nehmen, sobald du auf Reisen oder zu reisen gezwungen bist. Brustkinder empfinden den Wechsel von Land und Luft kaum, während ein Wechsel der Kuhmilch gefährlich werden kann.

Nehmen wir also an, liebe junge Mutter, daß du eine Amme nehmen mußt. An wen willst du dich nun wenden, um eine körperlich und geistig gesunde Persönlichkeit zu erlangen? Zunächst wird der Arzt und die Hebamme um Auskunft anzugehen sein; eine Annonce in einer auf dem Lande gelesenen Zeitung hat ebenfalls oft Erfolg. Lebst du in der Nähe einer Univeritätsstadt, so wende dich an den Leiter der Enbindungsanstalt. Derselbe hat Gelegenheit, die Wöchnerinnen kennen zu lernen, hat ihren Gesundheitszustand beobachtet, weiß, wie die Beschaffenheit des Kindes und (hieraus läßt sich auf die Gesundheit der Mutter schließen) ob die Milchabsonderung genügend ist. Diese ärztliche Beobachtung bietet dir die weitgehendste Garantie. Ferner ist es möglich, eine Amme auszusuchen, deren Kind ungefähr so alt ist wie das deine. Auch weiß man genau, wie lange sie vom Kinde entfernt ist, wenn sie bei dir eintrifft. Beides ist aus folgenden Gründen wertvoll. Die weise Mutter Natur steigert mit dem zunehmenden Alter des Kindes auch die Zusammensetzung der Muttermilch. Dieselbe ist in der ersten Zeit für das Neugeborene gerade verdaulich und nimmt allmählich an Konsistenz zu. Nun liegt es auf der Hand, daß ein Kind von drei Tagen geeignetere Nahrung finden wird, wenn der Amme Kind etwa vierzehn Tage alt ist, als wenn es an die Brust gelegt wird, die bereits monatelang stillte. Ist die Amme längere Zeit vom Kinde weg, so muß sie sich regelmäßig die Milch mittelst einer Milchpumpe abziehen. Ist man im Zweifel, seit wie lange die Amme dies zuletzt getan hat, so warte man lieber mit dem Anlegen des eigenen Kindes und lasse die Milch zunächst erst abziehen und lege dann nach zwei Stunden das Kind an. Die Amme soll zwischen 20 und 30 Jahren sein. Aeltere Ammen haben fettärmere Milch. Frauen, die zum zweitenmal bereits den Ammenberuf üben, sind solchen vorzuziehen, die das erstemal stillen. Sie sind erfahren, ruhig, regen sich nicht so leicht auf und sind für die junge Mutter eine wirkliche Stütze. Auch liefert der Zustand des ersten von ihr gestillten Kindes der Mutter gewissermaßen eine Probe für ihre Leistungen.

Die Annahme der Amme geschehe erst nach ärztlicher Untersuchung. Physische Haupterfordernisse sind nach Dr. Fürst gesundes Aussehen, wohlgebildete Brüste von einer gewissen Straffheit, bei Druck leichte Milchentleerung im Strahle, moralische: Sanftmut, Reinlichkeit, Ordnungsliebe. Der Arzt hat sich ferner nach dem Kinde event. nach dessen Todesursache zu erkundigen. Empfohlen wird, das Kind an der Amme trinken zu lassen, um zu sehen, ob die Milch sich rasch wieder ersetzt.

Bei meinem älteren Knaben hatte ich eine niedliche kleine Bauerndirne, hübsch und frisch wie eine Apfelblüte. Wir hatten sie durch den Lehrer einen kleinen Schwarzwalddörfleins bekommen. Wir fanden sie sehr freundlich und bescheiden, aber obgleich sie sich die redliche Mühe gab, diät lebte, und alle Vorsichtsmaßregeln genau und mit Eifer innehielt, das Resultat war ein negatives. Jedesmal, wenn am Sonnabend abend mein lieber Mann, der sich diese stolze Vaterpflicht nicht nehmen ließ, den Kronprinzen auf Kilo und Gramm wog, war die Zunahme an Gewicht, auf die wir Eltern mit Grete gespannt gewartet hatten, nicht die normale. Vater machte ein enttäuschtes Gesicht, die Mutter weinte im stillen, und Grete schluchzte öffentlich zum Erbarmen. Diese Aufregung, etwas leisten zu wollen, verbunden mit ihrer Jugend, dem Wechsel der Umgebung, Kost und Pflichten - denn man verlangte jetzt von ihr peinliche Accuratesse beim Herrichten des Kinderzeugs und dergl., während sie bisher die Weinberge gerodet hatte - wirkte immer ungünstiger. Das Ende war, daß Baby zurückging, mit einem Vierteljahr 9 Pfund wog und wir Eltern nicht ein noch aus wußten. Der Arzt empfahl einen Wechsel der Amme, und obgleich Grete herzerweichend flehte und bettelte, suchten wir nach Ersatz. Wir fanden ein Mädchen, das bereits einmal und merkwürdigerweise auch unter den Augen unseres Hausarztes genährt hatte. "Die nehmen Sie gleich, die ist ausgezeichnet, deren Leistungen kenne ich." Wir sollten es nicht bereuen. Mit Lene zog die Gesundheit für Baby ein. Baby nahm regelmäßig zu. Lene handhabte den ganzen Dienst in der Kinderstube wie ein Kinderspiel. Sie war weder aufgeregt noch ließ sie sich aufregen, wußte was sie essen durfte, was nicht, und war mir in guten und bösen Tagen eine vortreffliche Stütze. Diese kleine persönliche Erinnerung hat dir vielleicht Mut gemacht, liebe junge Frau, es mit einer Amme, die den Ammenberuf bereits kennt, zu versuchen. Am Anfang warst du entsetzt; ich las dir dein Widerstreben an der Stirne ab. Gewiß, es ist nicht leicht für eine junge Frau, der die Eltern und der Gatte bisher jegliche moralische und sittliche Unreinlichkeit aus dem Lebenswege entfernt haben, nun auf einmal eine Gefallene in ihr eigenes Haus, in die enge Gemeinschaft der Familie aufzunehmen, ihr Kind an die Brust eines Mädchens zu legen, an dem die sonst verachtungsvoll vorbeigehen würde. Aber du lernst milder denken, meine junge Freundin; du lernst in der Amme eine beklagenswerte, weil unbehütete, schlechterzogene Schwester sehen, die deine Hand und deine Hilfe wieder dem Guten zurückgewinnen kann. Von dem Augenblick an, wo dir die vielleicht nicht unverschuldete, aber doch erklärliche menschliche Sünde nahe tritt, wirst du mitleidig deine Hilfe und Theilnahme dein Leben lang allen denen zuwenden, die in solcher Lage sind. Sieh, das ist ein Gutes, was die Aufnahme der Amme in dein Haus für dich und deinen Charakter bedeutet. Bemühe dich, einen versittlichenden Einfluß auszuüben. Sei menschlich und denke an das Kind der Amme, das, der Quelle seines Lebens, an der dein Kind sich kräftigt, beraubt, vielleicht elend zu Grunde geht. Lehre die Amme Mutterpflichten üben am eigenen Kind, hilf ihr dasselbe unterhalten. Dein eigenes Kind wird den Dank davon haben; denn fühlt sich die Amme frei von Sorgen, so erfüllt sie freudiger ihren Beruf. Die Wechselwirkung zwischen Stillender und Säugling ist ja bekannt.

Aber du wirst noch anderes in dieser Zeit lernen, nämlich Selbstbeherrschung. Zunächst mußt du die Eifersucht bezwingen, die dich beherrscht, wenn du siehst, daß eine andere deinem Kleinod zum Wohlbefinden unentbehrlicher ist wie du. Denke fortgesetzt, daß alle Unnannehmlichkeiten, die du trägst, ein Opfer sind, das du deinem Kinde schuldig bist. Die Gesundheit des Kindes geht allem vor, deshalb mäßige deinen Aerger über unangenehme Charaktereigenschaften der Amme, über die Art, wie sie mit dem Kinde verkehrt, die der deinen nicht entspricht. rege sie nicht auf, versuche den Frieden aufrecht zu halten, denn dein Kind büßt für dich. Sei aber selbst doppelt gewissenhaft in der Ueberwachung der Amme und ihrer Pflichten. Sei bestimmt und ruhig in deinen Anordnungen, gleichmäßig gütig, aber nicht zu rücksichtsvoll und verlange unbedingten Gehorsam. Die Amme muß wissen, dass d u, nicht s i e die höchste Autorität in der Kinderstube ist. Ist es dir nicht möglich, dies in Frieden zu erreichen, so rufe dir den Arzt als Helfer. Dessen Machtgebot pflegt sich auch eine störrische Amme meist zu fügen.

Du hast dafür zu sorgen, daß die Amme ein warmes Bett in einem gut gelüfteten Raum hat und eine ausgiebige Waschgelegenheit. Willst du sie nicht bei dir schlafen lassen, so stelle ihr Bett im Nebenzimmer auf, wo du sie kontrollieren kannst, ob sie das Kind ins eigene Bett nimmt, nachlässig im Trockenlegen ist oder gar Schlafmittel eingiebt. Sie muß regelmäßig ihre Nahrung bekommen. Regelmäßigkeit sei überhaupt das Losungswort für deine Kinderstube. Sorge auch für regelmäßige Bewegung, sei es durch Verrichtung von häuslichen Arbeiten, wie Reinigen der Kinderstube, Waschen der Wäsche, oder durch Spazierengehen, Gartenarbeit &c. Die Amme ist meist von früherher Anstrengung gewöhnt. Ihre Lebensweise darf nicht allzu verändert sein, sonst leidet die Gesundheit und dadurch die Milchbeschaffenheit darunter. Zur regelmäßigen Milchabsonderung gehört tüchtige Bewegung. Daher wird auch jeder stillenden Mutter Beweung empfohlen.

Auf das genaueste hast du die Besuche der Amme zu beaufsichtigen. Im Interesse deines Kindes sind dieselben in der ersten Zeit überhaupt zu verbieten, später sehr einzuschränken. Besuche des Mannes der Amme sind nur unter deiner Aufsicht zu gestatten. Ueberwache ferner das, was die Amme genießt. Nicht selten trinken schlechte Ammen Schnaps, um dadurch für sich und den Säugling ruhige Nächte zu erzielen. Von welch verderblichem Einfluß Alkoholgenuß für Kinder - und nun gar erst in diesem zarten Alter! - ist, weißt du. Aber selbst, wenn es anscheinend gut verläuft, so lassen sich Hautausschläge, Krämpfe u. A., die im vierten und sechsten Jahre auftreten, auf diese Versündigung im Säuglingsalter zurückführen.

Die Diät sei vom Arzte vorgeschrieben, Du vermeidest so jede Verantwortlichkeit für Gerichte, welche die Amme nicht mag, und wogegen sie aufbegehren könnte. Im allgemeinen dürfte sich folgender Speisezettel eignen: Früh 3/4 l Milch, Semmel mit Butter, um 10 Uhr 2 Eier, Butterbrot, leichtes Bier, um 1 Uhr Mittagessen, bestehend aus Milch- oder Mehlsuppe oder Hafer- oder Gerstenschleim, Fleisch, Kartoffeln, nicht blähendem Gemüse, oder gekochtem Obst, um 4 Uhr 3/4 l Milch, Butterbrot, abends Eier und Bier. Kaffee und Thee sind zu vermeiden.

Ungewohnt kräftige Kost verbessert durchaus nicht die Milchbeschaffenheit, wie so manche schwache Mütter glauben. Jede Ueberfüllung des Magens der Amme büßt der Säugling. Auch ein Uebermaß an Getränken - ein alter Ammenglaube besagt, daß dadurch mehr Milch abgesondert wird - ist nicht erlaubt. Die Milch wird in diesem Fall dünner, weniger wertvoll.

Du mußt die Amme gewöhnen, dir hinsichtlich ihres eigenen Gesundheitszustandes alles mitzuteilen. Ein verheimlichtes Leiden der Amme ist oft Ursache von unerklärlichen Veränderungen des Kindes. Auf der andern Seite ist unnötiges Doktern mit Hausmitteln streng zu vermeiden. Lieber sofort den Arzt fragen, als erst die Sache verpfuschen lassen.

Der Arzt muß dir auch zur Seite stehen in der Beobachtung der Amme, ob sie genügend Nahrung hat oder nicht. In der Angst, um die einträgliche Stelle zu kommen, versucht die Amme den Mangel so lange wie möglich zu verdecken. Sie beruhigt das Kind auf andere, vielleicht verwerfliche Weise, oder das Kind, wemattet vom vergeblichen Saugen, schläft von selbst erschöpft ein. Die Mutter glaubt es gesättigt und ahnt nicht, daß bitterer Hunger es erschlafft. Die genaueste Kontrolle ist das regelmäßige Wägen des Kindes. Bleibt die Gewichtszunahme gering, so hat der Arzt die Amme zu untersuchen. Er wird entweder Ammenwechsel oder eine Ersatzmahlzeit von Kuhmilch verordnen. Ist das Kind aus dem ersten Halbjahr heraus, so mag man es wohl auch allmählich entwöhnen. Ueber alle diejenigen Kräftigungs und Ernährungsmittel, welche die Muttermilch ersetzen sollen, sprechen wir an anderer Stelle.

Angst. "Geh in das Schlafzimmer und hole dir dein Taschentuch selbst!" sagt der Papa zu Lilli. Die Kleine bleibt mit weinerliche verzogenem Gesichtchen stehen, um die Lippen zuckt es, die blauen Augen sehen mich mit herzerweichendem Blick an, das Füßchen haftet zögernd am Boden. "Nun, auf was wartest du?" fragt der Vater hinter der Zeitung hervor, Lilli mit einem strafenden Blick ansehend. "Ich habe solche Angst!" stammeln die kleinen Lippen unter Schluchzen, und die Kleine flüchtet sich zittermd am Mamas Brust.

Giebt es ein Mittel, dem Kinde diese Angst auszutreiben? fragen Mamas Augen. Das Beste ist, diese Angst gar nicht aufkommen zu lassen; ihre Heilung verlangt eine ganze Portion Geduld, Klugheit und Selbstbeherrschung.

Schon im zartesten Alter wird dem Kinde von unvernünftigen Wärterinnen und unerzogenen Kindermädchen gedroht: "Wenn du nicht gleich artig bist, kommt der schwarze Mann und holt dich." - "Wart' nur, du mußt im dunklen Zimmer schlafen." - "Hinter dem Ofen sitzt die schwarze Hexe." - "Siehst du die glühenden Augen der Katze dort in der Ecke?" - Die Schatten, die die Lampe wirft, malt die geängstigte Phantasie des Kindes nun zu Gespenstern aus, und die Kinderfrau, froh, den wilden Jungen wenigstens mit einem Mittel bändigen zu können, begünstigt diese Schreckhaftigkeit, um ihre Macht über das Kind zu befestigen.

Hier liegt die Wurzel des Uebels, liebe Mutter, hier setze den Hebel zur Besserung ein. Verbiete den Dienstboten auf das Ernsteste, das Kind mit Drohbildern einzuschüchtern, und wache darüber, daß ihm keine Gespenstergeschichten erzählt werden. Vermeide alle aufregenden Eindrücke abends vor dem Schlafengehen, gewöhne es, die Finsternis als etwas Natürliches anzusehen, indem du es im Dunkeln schlafen läßt.

Ein Kind ist von Natur nicht ängstlich, nein, gerade die Sorglosigkeit ist sein liebenswerter Schmuck. Nur das künstlich eingeimpfte Fürchten macht es dazu. So wird z.B. ein Kind, das allein von der klugen Mutter erzogen und behütet wird, kaum je eine Regung der Angst vor dem Alleinsein und der Dunkelheit kennen. Beobachtest du nun aber, liebe Leserin, daß dein Liebling sich vor Dingen zu fürchten beginnt, die er früher anstandslos that, wie es z.B. eben die kleine Lilli, von der ich dir erzählte, machte, so darfst du das Kind nicht rauh anfassen. Mit Schelten und körperlichen Züchtigungen hat noch keiner die Furcht kuriert. Nein, mit ruhiger Freundlichkeint sage zu der armen bedrückten kleinen Seele: "Du fürchtest dich vor dem dunklen Zimmer? Komm, wir wollen mal nachsehen, was denn so Schreckliches darin ist. Sieh, wir zünden uns ein Licht an und untersuchen nun genau alle Ecken und Winkel. Du wirst schon sehen, daß gar nichts zum Fürchten im Zimmer ist." Und nun nimmst du die Kleine bei der Hand un zeigst ihr, indem du die Möbel und Winkel beleuchtest, daß nichts Außergewöhnliches im Raum vorhanden ist. Am andern Tage gehst du, wenn es dunkel gewordn, wieder mit ihr in das gleiche Zimmer, diesmal ohne Licht, lehrst sie unter freundlichem Scherz die Möbel durch Betasten erkennen und sich den richtigen Weg bahnen, machst dann Licht, um ihr zu zeigen, daß sich auch diesmal nichts im Zimmer verbirgt. So wird allmählich die Furcht aus der kleinen Seele verschwinden. Nach und nach lernt das Kind sich in der ganzen Wohnung auch im Dunkeln zurechtfinden. Sehr rührend ist es, wie die Kleinen, einmal aufdiesem Punkte angelangt, sich selbst Mut zu diesen Exkursionen zu machen. So beginnt mein Fünfjähriger jedesmal laut zu singen: "Lieb Vaterland magst ruhig sein", oder sich eine Geschichte zu erzählen, um sich über das Gefühl des Alleinseins bei der Expedition nach Papas Pantoffeln, die am Bett stehen, oder Mamas Schlüsselkorb, der zufällig verstellt ist, hinwegzutäuschen.

Angst vor fremden Menschen findet sich meist bei solchen Kindern, deren Eltern wenig Umgang haben. Sie verliert sich durch freundliches Zureden, nie aber durch Auslachen oder heftige Worte. Die Angst vor Fremden ist die einzige Furcht, die ich bei meinen Kindern dulde, ja sogar künstlich in einem gewissen Grade hervorrufe. Es ist dies für alle Kinder, die in einer Großstadt aufwachsen, leider dringend geboten. So reizend das harmlose Zutrauen des Kindes ist, so muß die Mutter, welche genötigt ist, es in einer größeren Stadt allein zur Schule zu schicken oder es auf der Straße spielen zu lassen (dies letztere läßt sich bei Knaben selten vermeiden), dem Kinde unbedingt Furcht und Abneigung gegen Fremde einflößen. Sie muß dem Kinde einschärfen, unter keinen Umständen mit Fremden zu gehen oder gar mit in ihre Wohnung zu kommen. Streng muß sie verbieten, etwas von Fremden anzunehmen. Sofort soll das Kind zu ihr kommen und ihr sagen, wenn ein Unbekannter ihm Süßigkeiten anbietet. Allerdings muß sie verstanden haben, die Naschsucht des Kindes von Anfang an zu unterdrücken. Alljährlich werden in großen Städten unzählige Verbrechen an Kindern verübt, die verhindert worden wären, wenn man die Kinder weniger begehrlich und naschsüchtig erzogen und angeleitet hätte, sofort bei der Annäherung eines Unbekannten davon- und heimzulaufen.

Die Angst vor körperlichem Schmerz versuche mit einem Appell an das Ehrgefühl zu heilen. "Du willst ein Mann werden und fürchtest dich vor dem bißchen Zahnausziehen? Dann kannst du ja nicht Soldat werden!" - "Mutters große Tochter ist so tapfer wie Muttchen selbst, nicht wahr?" In einer befreundeten Familie, die zur Erinnerung daran, daß einst ein Urahne Franz den Ersten in der Schlacht bei Pavis bewachte, die bourbonischen Lilien im Wappen führt, spielt dieser Großvater eine gewaltige Rolle in der Kinderstube. "Wie, du weinst bei der Dusche, du, dessen Großvater den Franzosenkönig gefangen nahm?" Sofort legt sich das Geschrei. "Nein, da würde Großpapa mich ja auslachen!" und tapfer hält der Kleine dem verhaßten Wasserregen stand. Besonders in solchen Fällen empfiehlt sich die Kräftigung des Ehrgefühls, wo die beginnende Angst und Furchtsamkeit auf Feigheit schließen lassen. Hier muß die Mutter den fehlenden natürlichen Mut allmählich durch moralischen zu ersetzen wissen. Sie muß Standhaftigkeit belohnen, das Selbstbewußtsein heben, die Verantwortlichkeit lehren.

Bei deinem Kriegszug gegen die Angst versäume nicht, der jungen Seele die Allgegenwart und Allwissenheit des gütigen Gottes zu lehren, der uns schützt und behütet. Die Liebe, eine innige Liebe zu Gott in die Kinderseele zu pflanzen, ist die schönste Aufgabe der Mutter. Die Furcht vor Gott zu lehren, ist Sache des späteren Unterrichts, Hauptsache ist, daß das Kind den Schöpfer alles Guten zunächst lieben, an ihn glauben, zu ihm vertrauensvoll beten lernt. Du wirst aber, wie bei der Erziehung über- haupt, so auch auf diesem einzelnen Gebiet nur Erfolg haben, wenn dein Beispiel in allen Fällen plötzlich auftretender Gefahr, z.B. beim Gewitter, beim Anblick widerlicher Tiere u. s. w. einwandfrei ist. Deine Ruhe überträgt sich auf das Kind, dein furchtloses Auftreten ermutigt es zu gleichem. Du erklärst ihm die Vorgänge der Natur und verwandelst die Furcht vor Donner und Blitz in Ehrfurcht vor göttlichem Walten. Du zeigst ihm durch die That, daß auch Tiere, die im allgemeinen zu Gegenständen des Abscheus im Volksmunde geworden, nichts Angsterregendes haben, sondern Geschöpfe Gottes sind. Du brauchst ja nicht so weit zu gehen, daß es Spinnen auf dem Butterbrot verzehrt, wie es Gleim in seiner Jugend zur Abtötung des Widerwillens gethan, wohl aber lehre es die Tiere anfassen, indem du ihm zeigst, wie und wo es gefahrlos gethan werden kann.

Anlegen des Kindes, erstes. Die ersten vierundzwanzig Stunden nach der Geburt bedarf das Kind keiner Nahrung. Die weise Mutter Natur hat dies so eingerichtet, damit unterdes in der Brust der Mutter die Nahrung für das Neugeborene sich vorbereiten kann. Länger wie einen Tag sollte man keinesfalls mit dem ersten Anlegen warten. Ist die Mutter kräftig genug, so kann man bereits nach zwölf Stunden einen Versuch machen. Ich sage mit Absicht Versuch, denn das erste Anlegen führt selten bereits zu der richtigen Verständigung zwischen Mutter und Kind. Es gehört sehr viel Geduld dazu, denn Mutter wie Kind sind zunächst Lernende. Erhält der Säugling auch noch keine Nahrung, so wird durch die Wiederholung des Saugens eine stärkere Milchabsonderung bewirkt.

Bereits vor der Geburt hat die Stillende durch regelmäßige Waschungen mit Rum und kaltem Wasser die Brustwarzen abgehärtet und dieselben durch Hervorziehen zum Saugen tauglich gemacht. Diese Vorsorge erleichtert das erste Anlegen sehr. Geben wir hier noch einer ärztlichen Autorität das Wort. Dr. H. Klencke rät: "Das erste Anlegen des Kindes geschehe in liegender Lage der Mutter, die um diese Zeit noch nicht sich aufrichtensoll und gewöhnlich auch noch zu schwach dazu ist. Es geschehe ohne Anstrengung und Unbequemlichkeit für beide Teile, ohne Gefahr der Erkältung am zweckmäßigsten, wenn die Mutter in der Rückenlage sich halb auf diejenige Seite legt, wo sie die Brust darbieten will, sich auf diesen Arm stützt und durch eine andere Person das Kind halten läßt. Will das Kind nicht ansaugen, so untersuche man zunächst die Beschaffenheit der Brustwarze, die nicht gehörig entwickelt und dann während der Schwangerschaft nicht richtig behandelt, vielmehr vernachlässigt ist. Hier muß man nachzuholen suchen und durch andauernde, immer neue Versuche das Kind zum Ansaugen bringen. Ist die Warze noch hart und will sich nicht gehörig aufrichten, so reibe die Mutter sie sanft zwischen zwei mit Speichel befeuchteten Fingern; ist sie mit lockern feinen Häutchen bedeckt, so legt man ein mir lauwarmem Wasser befeuchtetes Leinwandläppchen darauf und entfernt die Häutchen später durch sanftes Abreiben. Bestreichen der Warze mit etwas warmer Kuhmilch vermag das Ansaugen des Kindes zu begünstigen. Ueberhaupt hat dieses auch oft seine Launen der körperlichen Stimmung; bald will es die gut beschaffene Brustwarze dennoch nicht annehmen, und man muß untersuchen, ob etwa eine unbequeme Lage, ein Druck der Kleidung oder sonst ein äußerer Umstand die Veranlassung ist. Es kommt vor, daß es nur an einer Seite die Brust annehmen will und die andere zurückweisst, was wenn beide Warzen gleich gut entwickelt sind, immer eine äußerliche Ursache in der Unbequemlichkeit der Lage an der abgewiesenen Brust ist, dem abgeholfen werden muß. Verweigert das Kind jedwedes Saugen an beiden Brüsten, so versteht es in der Regel noch nicht zu schlucken oder fühlt noch keinen Instinkt dazu, erscheint dann schläfrig und gleichgültig, und es ist ein Zeichen, daß es des Schlafes mehr als der Milch bedarf, um sich erst in das neue Leben hineinzufinden. Man lege es, ohne länger Aufmunterungsversuche zu machen, in sein Bettchen, es wird bald in einen tiefen, andauernden Schlaf sinken und nach dem Erwachen ohne Weigerungsäußerungendie Brust annehmen.

Es ist auch häufig der Fall, daß das Kind saugen will, sich anstrengt, der Warze die Milch zu entziehen, diese aber nich keine hergiebt, und es die Warze schmerzhaft zerrt und reizt. Die Mutter warte dann den Eintritt der Milch ab (ohne irgend etwas an sich selber durch Nährmittel zur beschleunigten oder vermehrten Milchabsonderung zu unternehmen, was ihrem Zustand in dieser ersten Zeit des Wochenbettes gar nicht entsprechen und Fieber bewirken würde) und flöße dem Kinde bis dahin, wenn es schreit oder irgendwie das Bedürfnis zu saugen kundgiebt, etwas lauwarmes Zuckerwasser oder versüßten, schwachen Fenschelthee ein. Auch lege sie das Kind nicht öfter hintereinander an die Brust, um ihrer Meinung und mancher ärztlichen Empfehlung nach den Milcheintritt durch den Reiz des Saugens zu beschleunigen; es wird dies nur sie selbst und das Kind ohne Erfolg abmatten und die Warzen leucht wund reiben; es genügt völlig, wenn alle drei Stunden, oder sobald das Kind gerade in einem derartigen Zeitraum erwacht, der Säugeversuch wiederholt wird. Die Milch wird dann, wenn keine besonderen Störungen des normalen Ganges stattfinden, eintreten und reichlich zufließen." (H.Klencke, Die Mutter als Erzieherin.)

Anstand. Von einem ungebärdigen Menschen, dessen Auftreten uns abstößt, dessen Tischmanieren unser Auge beleidigen, dessen Mangel an sozialer Bildung ihn aus der Gesellschaft verbannt, sagen wir: "Er hat keine Kinderstube."

Daran kannst du ermessen, liebe junge Mama, welchen unschätzbaren Wert deine erste Erziehung zu Anstand und guter Sitte im Leben deines Kindes spielen wird. Laß dich nicht die Mühe verdrießen, immer wider den wilden Jungen zu ermahnen, das trotzige kleine Mädchen zur Artigkeit zu zwingen, gehe unentwegt mit gutem Beispiel voran, an dem du die härteste Kritik üben darfst. Deine Kinder werden dir später dafür einen Dank wissen, der tiefgefühlt ist.

Was du nun vor allem den Kleinen einprägen sollst, fragst du mich?

Bedenke, daß du sie nicht nur Schicklichkeitsformen lehren sollst, die sie automatisch verrichten, nein du sollst ihnen eine Herzensbildung geben, deren Ausfluß gute Manieren und wahrer Anstand sind. Das ist ungleich schwerer, als dem Kinde Verbeugungen und Handkuß einzuexerzieren. Du sollst das Gefühl des Sinnes für Schicklichkeit wecken, pflegen, beeinflussen, damit das Kind jenen Takt erhält, der der richtige Wegweiser für das ganze Leben bleibt, und der eine Mitgift ist, um den gar viele es beneiden werden. Lange Ermahnungen fruchten hier wenig; ein Blick, eine kurze Rüge, ein Wink, vor allem aber das Beispiel, das sind die Helfer bei diesem Erziehungswerk. - Pflege die Schamhaftigkeit beim Kinde und halte darauf, daß dieselbe weder beim Spiele noch durch Gemeinsamkeit beim Waschen &c. verletzt werde.

Lehre das Kind Bescheidenheit. Es darf sich nie erlauben, Dienstboten zu befehlen, es hat zu bitten. Es tritt mit seinen Wünschen hinter die der Eltern zurück. Naseweise Reden, vorlautes Sprechen sind streng zu bestrafen. Das Kind bleibt Kind und darf sich in keiner Weise vordrängen.

Weiter lehre es die Ehrfurcht vor den Eltern und dem Alter. Das Kind darf nie über die Eltern lächeln, keinen älteren Menschen, sei es ein armer, alter Greis oder eine alte Dame, mit Unachtsamkeit oder gar Spott behandeln. Im Verkehr mit Aermeren und Armen soll das Kind freundlich und artig sein. Es hat die Bettelfrau weder mit rauher Rede anzufahren, noch ein armes Kind deshalb mit Geringschätzung zu behandeln, weil es weniger schöne Kleider trägt als es selbst. An dieser Rücksicht auf Alter und Armut erkennt man die gute Erziehung. 

Gewöhne dein Kind aber auch an äußeren Anstand. Die Haltung soll gerade und aufrecht sein, der Kopf soll frei getragen werden. Beim Spazierengehen mir den Eltern sind die Hände und Arme ruhig zu halten. Das Kind muß zu Reinlichkeit und Ordnung im Anzug angehalten werden und muß auf die Schonung seiner Sachen achten lernen.

Hier möchte ich einfließen lassen, liebe Leserin, daß diese Ordnungsliebe nicht verwechselt werden darf mit jener ängstlichen Pedanterie, die dem Kinde den Frohsinn raubt und es zum Sklaven seiner Garderobe macht. Zum Spielen ziehe dem Kinde Sachen an, die es beschmutzen darf. Seine Aufmerksamkeit und Achtsamkeit gebühre nur den guten Kleidern, in denen es mit dir ausgeht.

Die Hände gehören auf dem Spaziergang nicht in die Hosentaschen. Das Kind hat höflich zu grüßen, wenn du grüßt. Von einem sechsjährigen Kinde kann die Umgebung verlangen, daß es Bekannte, Hausbewohner von allein zuerst grüßt. Giebt ein Erwachsener dem Knaben die Hand, so hat dieser die Mütze sofort abzuziehen. Das kleine Mädchen darf seinen Knicks nicht vergessen. Auf eine Anrede Bekannter hat das Kind artig und laut zu antworten. 

Gewöhne dein Kind daran, dir beizeiten kleine Dienste zu leisten, die es an die im Leben so nötige Zuvorkommenheit unbemerkt derart gewöhnen, daß sie ihn zur zweiten Natur wird. Es öffne dir die Thür, wenn du das Zimmer oder das Haus verlassen willst, hebe auf, was dir entfällt, klingle für dich, trage dir kleine Pakete, helfe beim Ablegen der Galoschen, beim Weghängen von Paletot und Hut. Auch die Geschwister unter einander sollen dienstbereit sein. Der Knabe leiste dem Schwesterchen die gleichen Ritterdienste wie dir, hole ihr den Stuhl herbei, helfe ihr die Sachen wegpacken, führe sie auf der Straße an der Hand.

Lächle nicht und verachte solche kleine Aeußerlichkeiten nicht, liebe Mutter. Das Leben schleift gar manche gute Gewöhnung (leider!) ab. Gieb deinem Kinde lieber so viel an warmer Herzenshöflichkeit und Wohlerzogenheit mit, daß es auch ein Minus noch als gut erzogenen Menschen erscheinen läßt.

Ich kann dir hier nicht alle Fälle aufzählen, bei denen deine erziehende Thätigkeit einsetzen muß, nur anregen wollte ich dich. Dein aufmerksam gemachter Blick wird hundert Fälle sehen, wo ein Wort, ein Beispiel am Platze ist. Unsere Aufsicht, das ist ja gerade das charakteristische am Mutterberuf, muß eine unausgesetzte sein; wir sind weder Tag noch Nacht dienst- oder verantwortungsfrei, unser eigenes Thun und Lassen muß einwandfrei vor dem Kinderauge dastehen. Eine schwere, aber auch herrliche Aufgabe! Welcher andere Beruf böte auch eine ähnliche Aufgabe, der Welt einen guten Menschen zu schenken! Die Art zu essen kennzeichnet den Menschen. Ich will dir sagen, welchem Stand jemand angehört, wenn ich ihn essen sehe, und ich glaube, du wirst mir unter hundert Fällen neunundneunzig mal recht geben. Gute Tischmanieren sind ein Empfehlungsbrief in die gute Gesellschaft. Darum gewöhne dein Kind, sobald es selbständig zu essen beginnt, still bei Tisch zu sitzen, Messer, Gabel und Löffel richtig zu halten, den Tellerrand zu respektieren, die Finger von jeder Berührung der Speisen fern zu halten, kurz alles das, was du selbst seit deiner Jungend täglich übst *). Das Kind soll nicht hastig die Nahrung herabschlingen und nicht langsam im Essen herumstochern, es soll ordentlich kauen und nichts, ein Kern oder Knöchelchen ausgenommen, wieder aus dem Munde nehmen. Es trinke nicht aus der Tasse, wenn der Löffel darin steht, es fahre weder mit den Fingern noch mit dem eigenen Löffel ins Salzfaß. Lehre es, den Kompotteller mit der linken Hand halten und dem Munde nähern. Nichts sieht unmanierlicher aus, als wenn der Löffel mit der Speise zwischen dem Abgangs- und Bestimmungsort einen langen Bogen beschreibt. Jedes Geräusch der Lippen beim Essen ist unstatthaft, ebenso das Spielen mit Brot oder den Eßgeräten. Die Händchen sind während der Pause ruhig auf die Tischkante zu legen. Nach dem Essen wünscht - das Kind die mit Handgeben und Verbeugung "gesegnete Mahlzeit", ebenso wie es dich bei jedesmaligem Sehen nach einer Zwischenpause freundlich mit "guten Tag" begrüßen und dir morgens einen "guten Morgen" und abends eine "gute Nacht" bieten muß.

*) Wer sich des Näheren hierüber orientieren will, der ziehe das Buch: "Wie soll ich mich benehmen?" von J.v. Wedell, 4. Aufl. (Verlag von Mevy & Müller in Stuttgart), zu Rate

In vielen Familien ist die Sitte des Handkusses eingeführt. Ich möchte dieser Sitte nur im engsten Familienkreise das Wort reden in dem Falle, wo die Reinlichkeit der Hand der Eltern nichts zu wünschen übrig läßt. Ich habe dagegen nie gestattet, daß meine Kleinen die blühenden Lippen auf Handschuhe und die Hände von fremden oder kranken Menschen drücken, da die Gefahr einer Einführung von Krankheitskeimen oder auch nur von Schmutzatomen zu groß ist.

Appetitlosigkeit muß der sorgsamen Mutter ernstes Interesse erregen. Stellt sie sich nach Diätfehlern ein, so vermeide man jegliches Zureden und zwinge das Kind zu keinerlei Nahrung, bis es sich von selbst hungrig meldet. Der überladene Magen muß sich erst erholen, muß Ruhe haben. Mache dir keine Sorgen, daß unter einer Kasteiung von ein bis zwei Tagen der kindliche Organismus leide, liebe Mutter. Mangel an Nahrungszufuhr ist besser als das Hineinquälen von allerhand Kräftigem in den wiederstrebenden Magen. Stellt sich nach dieser Fastkur kein Hunger ein, so sitzt das Leiden tiefer, und du mußt ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen.

Anders verhält es sich mit der aus Blutarmut resultierenden Appetitlosigkeit, die zarte Kinder in dem Alter von vier bis acht Jahren leicht befällt. Hier ist freundliches Zureden, Abwechslung in der Wahl der Speisen unter Berücksichtigung solcher Gerichte, die neben dem Ruf der Bekömmlichkeit auch die Vorliebe des Kindes genießen, am Platze. Gieb dem Kinde alle drei Stunden etwas zu essen, laß es viel im Freien sein und reiche ihm gleichzeitig ein blutbildendes Mittel wie Hämoglobin. Nach kurzer Zeit pflegt sich nach Gebrauch dieses Mittels Appetit einzustellen. Selbstverständlich ist ein ganzes Hämoglobinzeltchen zur Zeit viel zu viel. Für Kinder von drei bis vier Jahren teilt man ein solches in drei Teile und giebt morgens, mittags und abends ein Teilchen. Nach einiger Zeit oder im reiferen Alter kann man die Portion in zwei oder noch später drei Teilchen zur Zeit verwandeln. Sehr empfehlen kann ich auch die Darreichung von 5-6 Rhabarbertropfen eine Viertelstunde vor jeder Mahlzeit. Die Eßlust steigerte sich hierauf bei meinen Kindern ganz bedeutend.

Ein Grund, warum die Kleinen nicht gern essen, liegt auch oft darin, daß sie ihre Mahlzeit allein einnehmen sollen, oder daß sie zu sehr von ihrem Spielzeug eingenommen sind und sich davon nicht trennen wollen. Man lasse die Kinder möglichst in einem andern als dem Spielzimmer essen und so bald als möglich am Tisch der Erwachsenen. Dies ist nicht nur aus erzieherischen Gründen sehr notwendig, unsere lieben Knaben und Mägdlein sind auch recht sehr dem Nachahmungstrieb unterworfen. Mama und Papa essen mit so vergnügtem Gesicht von dem Gemüse, da muß Baby doch auch einmal kosten. Und der kleine Gernegroß, der Hellmut, ißt mir Todesverachtung die Reissuppe herunter, nur damit man ihm nicht anmerken soll, daß er sie im Grunde nicht mag, er, der angehende Soldat und Mann.

Können die Kinder nicht am Tisch der Eltern speisen, so sollte doch die Mama sich mit an die Kindertafel setzen. Oft ist der Mangel an Eßlust auch dadurch hervorgerufen, daß das Kind die erkalteten Speisen nicht mehr mag. Hast Du, liebe Leserin, schon einmal kaltes Gemüse oder kalte Bouillon mit Vergnügen verzehrt? Fleisch ist bekanntlich das einzige - Mehlspeisen ausgenommen - unserer täglichen Gerichte, das kalt ebenso gut mundet wie warm. Das Kind ißt langsam, soll auch, sind seine Zähnchen noch nicht vollzählig, langsam und gut kauen, damit er Speichel des Mundes die Nahrung völlig durchsetzt und sie leichter verdaulich macht.

Da muß die aufmerksame Mutter einen praktischen Wärmeteller anschaffen, wie ihn größere Haushaltungsgeschäfte in verschiedenen Systemen führen. Der Anschaffungspreis von etwa 4 Mark macht sich rasch bezahlt. Gleich ist bei allen Tellern die Vorrichtung, daß sie durch heißes Wasser erwärmt werden.

Noch einer Art von Appetitlosigkeit müssen wir gedenken. Sie ist nervöser Art und tritt meistens bei Schulkindern auf. Um keinen Preis will der Junge morgens das Ei verzehren, das ihm Mama auf den Frühstückstisch stellt. Er hat Angst zu spät zu kommen, Furcht vor dem Lehrer und der Lektion. Hier, liebe Mutter, erschließt sich dir ein dankbares Arbeitsgebiet. Hier kann deine zarte Hand, dein Einfluß allein helfen. Voll Anteilnahme und doch ruhig, ernst, durch die eigene Ruhe dem verzagten Gemüt Ruhe einflößend, mußt du hier versuchen, dem armen Peterlein Eßlust einzuflößen.

Arbeit. Dem Baby ist das Spiel Vergnügen und Arbeit zugleich. Im fortschreitenden Alter bildet sich der Unterschied heraus zwischen Arbeit, d. h. Beschäftigung mit Nützlichem, und Spiel, der Beschäftigung mit Angenehmem.

Hat die Mutter bis jetzt das Kind nur zum Spiel angeleitet und es sich, war es beschäftigt, selbst überlassen, und nur zwischen ruhendem und bewegendem Spiel abgewechselt, so erwachsen ihr nun neue Pflichten. Sie muß es arbeiten lehren und für einen steten Wechsel zwischen Arbeit und Erholung sorgen. Ein jedes Kind ist in der Lust zu arbeiten verschieden: das eine muß mit Ernst dazu angehalten werden, das zweite bedarf der stützenden Liebe, die ihm das Lernen verständlich macht, der endlosen Geduld, die nicht murrt, wenn das kleine Gehirn die scheinbar so einfache Weisheit nicht begreifen will. Gar manche Mütter versündigen sich an ihrem Kinde dadurch, daß sie nicht verstehen, zu seinem geistigen Niveau hinabzusteigen, sondern unwillig verlangen, daß sich Verstandeskräfte des Kindes in dem Versuche, sie zu verstehen, über Gebühr anstrengen.

Geht das Kind zur Schule, so hat die Mutter noch größeren Wert auf den Wechsel zwischen Arbeit und Spiel zu legen. Stundenlang hat das Kind eine überheizte Luft einatmen müssen, sich auf Schulbänken gedrückt, die dem kindlichen Körper nichts weniger als zuträglich sind. Kommt es nun nach Hause, so lasse man es sofort kräftig essen und gönne ihm stundenlanges Herumspielen mit frohen Kameraden im Freien. Im Laufe des Nachmittags, etwa um 5 Uhr, wird es zum Anfertigen der häuslichen Aufgaben ins Haus gerufen. Nach Beendigung derselben bleibt ihm Zeit zu nochmaliger Bewegung, im Sommer im Freien, im Winter im Zimmer oder Korridor. Nie soll die häusliche Arbeit sofort nach Rückkehr aus der Schule, nach einer Mahlzeit oder gar abends zwischen Abendbrot und Schlafengehen vorgenommen werden. Im ersten Fall ist das Kind zu müde zu erneuter geistiger Anstrengung, im zweiten würde Arbeit während der Verdauung die Gesundheit schädigen (die Augen dürfen nie während der Verdauung angestrengt werden). In der Zeit vor dem Zubettgehen aber darf der Geist im Interesse eines gesunden, stärkenden Schlummers nicht belastet werden.

Lege großen Wert auf die Körperhaltung während des Arbeitens, liebe Mutter. Der Tisch, an dem das Kind schreibt, soll so stehen, daß ein geügendes, nicht blendendes Licht von der linken Seite auf die Arbeit fällt. Die Höhe des Sitzes zu bemessen, hilft dir folgende Anweisung Dr. Klenckes: "Das richtige Höhenmaß und Verhältnis zwischen Tisch und Stuhlhöhe wird dadurch leicht bezeichnet, daß das sitzende Kind den im Elbogen rechtwinklig gebogenen Unterarm, ohne die Schulter zu heben oder zu senken, quer und horizontal vor den Oberleib legt; die durch den unteren Rand des Unterarms dargebotene Längslinie bezeichnet die Höhe des Tischrandes für ein gerade sitzendes Kind."

Die Körperhaltung und das Aussehen des Kindes sind dir stets ein Maßstab dafür, ob ihm zu viel Arbeit zugemutet wird oder nicht. Da sich durch unzweckmäßiges Sitzen beim Arbeiten leicht schiefe Hüften und Schultern entwickeln, so hast du den Körper deines Schulkindes öfters nackt genau zu betrachten und, erscheint dir etwas nicht normal, den Grund deiner Sorge baldigst mit einem Arzte zu beraten. Frische Leiden lassen sich bei der großen Entwicklung, welche die Orthopädie bei uns jetzt erreicht hat, fast ausnahmslos heilen.

Ein sehr gutes Gegengewicht gegen die Schäden der Arbeit bilden die Sportsübungen, Turn- und Bewegungsspiele, welche sich jetzt gottlob auch bei uns einbürgern. Vor dem siebenten Jahre soll mit Turnen nicht begonnen werden, wohl aber kann ein gesundes Kind schon mit sechs Jahren Fußball (in beschränktem Raum und Maß wie Erwachsene) und Tennis spielen oder auf einem Kinderdreirad sich üben. Im Winter lasse man fleißig Schlittschuh laufen. Alle diese Sportsübungen haben doppelten Nutzen, welchen die kluge Mutter nicht unterschätzen wird: zunächst den augenblicklichen, die Gesundheit fördernden, und dann einen andern, den man erst im reiferen Alter dankbar empfinden wird: sie verleihen eine körperliche Gewandtheit, Sicherheit und Unbefangenheit, die das Auftreten des Jünglings, wenn er ins Leben kommt, auf das vorteilhafteste auszeichnet und ihm den Lebensweg ebnet. Ich möchte dich noch auf eines aufmerksam machen, liebe Leserin: laß das Kind auch für andere arbeiten. Lehre es die Freude, andere zu beglücken und zu erfreuen. Aber eines sage ich dir: d u mußt dich auch zu freuen verstehen über die Gabe seiner Hände, so herzlich unbedeutend, ja vielleicht nicht ganz sauber sie dir erscheinen will. Ein wenig Anerkennung verlangt die junge Seele; sie kann die Arbeit noch nicht um ihrer selbst willen lieben.

Arzneien. Der Arzt rät und verordnet. Die peinliche Ausführung seiner Verordnungen jedoch liegt in den Händen der Mutter. Um nun im Krankheitsfall orientiert zu sein - ein Mißgriff kann von den weittragendsten Folgen begleitet sein - präge sich die junge Mama Folgendes beizeiten ein.

Jede Arznei, die ins Haus kommt, prüfe man auf ihren Geschmack, um zu wissen, in wieweit man sie dem Kinde zumuten oder durch ein Nachreichen von Zuckerwasser &c. erträglich machen kann. Nach Verlauf von zwei Tagen ist die Arznei wiederum zu prüfen, da viele Medikamente rasch in Gährung übergehen und unbrauchbar werden. Erscheint der Inhalt einer Flasche, wenn man sie gegen das Licht hält, trübe, schwimmen gar kleine Schmutzteilchen darin umher, so darf die Medizin unter keinen Umständen gegeben werden. Die Arzneiflasche stelle man, um den Inhalt länger frisch zu erhalten, in ein Gefäß mit Wasser. Löst sich die Etiquette, so klebe man diese auf ein Stück Papier und befestige es am Hals der Flasche.

Sind mehrere Medizinen im Gebrauch, so ist die
soeben erwähnte Maßregel unumgänglich notwendig.
Zum Einnehmen von flüssigen Mitteln bediene man
sich eines silbernen, porzellanenen oder Hornlöffels, welcher
sofort nach Gebrauch zu reinigen und in einem Glas mit
frischem abgekochten Wasser, das täglich erneut wird, auf-
zubewahren ist. Will der kleine Patient die Medizin nicht
gutwillig nehmen, so hält man ihm, während man die
Arznei eingiebt, die Nase zu. Die Schluckbewegung tritt
dann instinktiv ein, und die Heldenthat ist vollbracht, ehe
es der Kleine weiß. Natürlich muß sofort die Nase los-
gelassen werden.
O e l i g e Arzneien, z. B. Rizinusöl, gebe man in er-
wärmten Zustande. Sie schlucken sich leichter. Ein Schluck
schwarzen Kaffees sofort hinterher genommen, nimmt den
Geschmack weg und verhindert das Uebelwerden. Manche
verrühren das Rizinusöl mit Bier und gießen Bierschaum
darauf. Für Erwachsene empfehlen sich Kapseln mit Ri-
zinusöl.
P i l l e n lege man ganz weit hinten auf die Zunge
und spüle sie mit einem Schluck Wasser hinunter. Ge-
lingt dies nicht mit Wasser, so schlucke man statt dessen
etwas Gelee oder schleimiges Getränk nach.
P u l v e r verrührt man in einem Eßlöffel so lange mit
Wasser, bis sie sich völlig gelöst haben. Gerade in den
schwer löslichen, als Salz zurückgebliebenen Teilchen liegt
bisweilen die wirksame Kraft. Man vergesse also nicht,
bleiben solche Reste im Löffel, denselben nochmals mit
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Wasser zu füllen und den Inhalt hinunterzuspülen. Um
den schlechten Geschmack des Pulvers weniger zu empfinden,
kann man dasselbe auch in einer Oblate nehmen. Das
Zurichten derselben verlangt eine gewisse Uebung. Man
taucht die Oblate rasch in Wasser, legt sie auf die flache
Hand, schüttet das Pulver darauf, schlägt die Oblaten-
enden über demselben zusammen und schluckt alsbald, wie
es bei Pillen angegeben ist. Für Kinder sind die Oblaten
wenig geeignet, da sie zu große Schwierigkeit beim Schluk-
ken bieten. Für kleine Dosen Pulver genügt eine halbe
Oblate.
T r o p f e n nehme man nie ohne Verdünnung, auch
nicht auf Zucker geträufelt. Am besten giebt man sie in
ein Likörglas abgekochten Wassers. Die Bedingung, a b-
g e k o ch t e s Wasser an Stelle von rohem zu nehmen, ist
überall dort besonders genau zu erfüllen, wo es sich um
Magen- und Darmkrankheiten handelt, und wo das Trink-
wasser, z. B. im Sommer, nicht einwandfrei ist.
Das Zählen der Tropfen muß peinlich genau vor-
genommen werden. Aus diesem Grunde lasse man sich
die betreffende Medizin stets in einem sog. Tropffläschchen
verordnen. Dasselbe hat Rinnen im Stöpsel und im
Flaschenhals und eine Zeite (Schnauze) wie eine Milch-
kanne zum Auströpfeln der Flüssigkeit. Durch eine ein-
fache Drehung des Stöpsels wird die Rinne frei, und die
Flüssigkeit fließt, hält man die Flasche wagerecht, tropfen-
weise aus. Steckt der Stöpsel so fest im Flaschenhals,
daß er keinem Drehen und Schieben weichen will, so lege
man einen in kochendes Wasser getauchten Leinwandstreifen
um den Flaschenhals oder drehe den oberen Teil des
Fläschchens schnell durch die Flamme einer Kerze. Oft
genügt auch ein Befeuchten des Stöpsels mit dem Inhalt,
indem man das Fläschchen einige Zeit verkehrt hinstellt resp.
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lagert. Ist man im geringsten unsicher, ob man sich beim
Zählen der Tropfen etwa geirrt hat, so schütte man den
Inhalt fort und beginne das Zählen von neuem.
Für Medizinen, die man in gewöhnlichem Glase er-
halten hat, und die man tropfenweise verabreichen soll,
schaffe man sich einen sog. Tropfenzähler an. Das ist
ein Glasröhrchen, unten spitz zulaufend, oben weiter, das
mit einem Gummiballon oder Gummicylinder geschlossen
ist. Durch einen Druck auf das Gummiende saugt sich
die Röhre, sobald man sie in die Arzneiflasche hält, voll.
Es tritt nun auf jeden Fingerdruck ein tropfen heraus.
Man reinigt den Tropfenzähler sorgfältig nach jedem Ge-
brauch. Wird er nur zu ein und derselben Arznei ver-
wandt, so kann man ihn, vorausgesetzt daß sein Umfang
den Flaschenhals genau ausfüllt, auch an Stelle eines
Korken verwenden.
Zum Einnehmen von solchen Medikamenten, die un-
tilgbare Flecke verursachen, wie es z. B. bei der eisen-
haltigen Medizin der Fall ist, welche bei Mandelentzün-
dungen so wundervolle Dienste thut, kaufe man ein sog.
Maßgläschen, in das man sich zunächst zur Probe mit
Wasser die verordnete Menge der Flüssigkeit löffelweise
einfüllt, um ein Maß zu erhalten. Später füllt man
bis zu der bestimmten Stelle ohne vorherige Benutzung
des Löffels ein.
Wir lassen hier nach Dr. Fürst eine Tabell der durch-
schnittlichen, für Flüssigkeiten gebräuchlichen Maße folgen,
um im Notfall auch ohne Wage oder richtigen Maßlöffel
sich helfen zu können.
T r o p f e n. 1 Gramm enthält ungafähr 20 Tropfen.
(Von spezifisch schweren Arzneien gehen weniger, von
leichten mehr Tropfen auf 1 Gramm.) Ein Thee- oder
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Kaffeelöffel faßt durchschnittlich (vollgefüllt) ungefähr
4 Gramm. Ein Kinderlöffel wird für zwei Kaffeelöffel
gerechnet. Ein Eßlöffel enthält, knapp gefüllt, etwa
15 Gramm. (Ein größerer Eßlöffel, ganz voll, faßt
20-25 Gramm.) Ein Weinglas oder Tassenkopf wird
meist zu 100-150 Gramm berechnet.
Von trockenen T h e e s o r t e n faßt ein Eßlöffel etwa
10 Gramm.
Von P u l v e r n ist das gebräuchlichste, aber leider sehr
ungenaue Maß 1 Messerspitze (etwa 1/4 Kaffeelöffel).
Ich bin überzeugt, liebe Leserin, du bist mir der
Ansicht, daß die Aufbewahrung unserer Arzneien von weit-
tragendster Wichtigkeit und Verantwortlichkeit ist. Es ist
unglaublich, wie viel hierin noch gesündigt wird. Da
garnieren den mütterlichen Waschtisch eine ganze Batterie
halbgeleerter Arzneiflaschen, darunter die Morphiumtropfen
gegen den Husten, wohl gar eine Karbollösung, und da-
neben liegt eine Düte mit dem so feuergefährlichen Chlor-
kali. Wie leicht kann bei diesem Leichtsinn ein Unglück
vorfallen! In der Schlaftrunkenheit irrt man sich in einer
Flasche, ergreift statt des Mundwassers eine Arznei, und
ein schwer gut zu machendes Unheil ist da. Von der
Verwechslung durch Dienstbotenhand oder von der Neugier
der Kinderhände will ich gar nicht reden.
Nein, eine Hausapotheke gehört in jede Familie. Ein
gut verschließbares und auch verschlossen gehaltenes Schränk-
chen, das im Schlaf- oder Herrenzimmer seinen Platz findet,
muß es sein, dem der Nimbus des "Rühre mich nicht
an!" verliehen wird und verbleiben muß.

Atmen. Die erste Lebensäußerung deines Baby
war ein tiefer Atemzug. Damit erwachte es zum Leben.
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Der Kreislauf des Blutes, der bisher vom mütterlichen
Organismus aus besorgt wurde, wird nun von der eigenen
Lungenthätigkeit hergestellt.
Die Atmung des Neugeborenen nennt Dr. Fürst "un-
geschickt, unregelmäßig". "Die Atmung ist unergiebig,
wird durch die geringsten Ursachen leicht verändert und
geschieht vorwiegend durch das Zwerchfell. Das Kind
atmet nach der Geburt etwa 50 mal in der Minute, im
Schlafe seltener; am Ende des ersten Lebensjahres atmet
das Kind langsamer, etwa 30-45 mal in der Minute."
Die erste Lebensstunde erfordert peinliche Ueberwachung
des Neugeborenen. Ergiebt es sich, daß die Atmung un-
genügend ist, liebe junge Mutter, so ist sofortiges ärzt-
liches Eingreifen, welches in dieser Frist noch erfolgreich
ist, notwendig. Es ist gut, wenn du bereits vor der
Entbindung deine Pflegerin an diese Beobachtung erinnerst,
denn es ist ja möglich, daß dir keine sofortige ärztliche
Begutachtung zur Seite steht.
Während des ersten Lebensjahres nimmt die Häufig-
keit der Atemzüge ab und fällt bis auf 24 in der Minute.
Wir haben dir bereits an verschiedenen Stellen davon
gesprochen, wie der Genuß der frischen Luft förderlich für
das Gedeihen des kindlichen Körpers ist. Laß dich hier
speziell erinnern, daß die Werkstätte des At-
mens nur arbeiten kann, wenn sie reichliche Zufuhr von
frischer Luft erhält. Täglicher Aufenthalt im Freien, im
Sommer so viel als möglich, im Winter beschränkt nach
Wind und Wetter, ist die beste Stärkung der Lungen.
Eine vorzügliche Lungengymnastik ist das Singen. Ich
habe in meiner Kinderstube die Anordnung getroffen, daß
täglich morgens nach dem Aufstehen und abends vor dem
Schlafengehen in frisch gelüftetem Zimmer, im Sommer
am offenen Fenster sechs tiefe Atemzüge gemacht werden.
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Ich habe dieses Tiefatmen von meinem Vater gelernt und
übernommen. Bekanntlich bringt bei oberflächlichem Atmen,
wie es z. B. im Sitzen der Fall ist, weniger Sauerstoff in
die Lunge, als dieselbe aufnehmen kann. Mein Vater
hielt daher ein Ausdehnen der Lunge durch Tiefatmen für
einen notwendigen Ausgleich. Seine vorzügliche Gesund-
heit bis ins hohe Alter nach einer durch mannigfache
Lungenentzündungen getrübten Jugend ist gewiß mit dieser
täglichen Lungengymastik zu verdanken. Ich gebe dir,
liebe Leserin, diese Erfahrung und Anregung zu einem
Versuche weiter.
K r a n k h a f t e s Atmen muß uns hier noch besonders
interessieren; ist doch die Kenntnis des Anomalen die beste
Handhabe zur richtigen Beurteilung unseres Kleinodes.
Dr. Fürst läßt dich darüber folgendermaßen aus: "Man
beurteilt das Atmen durch leichtes Auflegen der Hand auf
den Unterleib und durch Zählen der Atemzüge mittels
des Pulszählers. Ist das Atmen langsamer als normal,
was der Mutter nicht entgehen kann, so darf dies, be-
sonders bei Neugeborenen, als eine Verringerung der Er-
regbarkeit wichtiger Teile des Nervensystems durch Kohlen-
säureüberschuß im Blut gelten, und zwar solcher Teile,
von denen aus der Trieb zum Atmen erfolgt. Man findet
solches langsameres, seltener werdenes Atmen bei Verfall,
bei Scheintod, bei Hindernissen in den obersten Luftschichten.
Verlangsamtes und zugleich unregelmäßiges Atmen, das
zuweilen von einem tiefen Seufzer unterbrochen wird,
deutet auf Gehirnleiden oder sonstige schwere Erkrankung.
Ist das Atmen beschleunigt, so rührt dies meist von einer
Verkleinerung der Atmungsoberfläche der Lunge her und
macht den Verdacht auf Lungen- oder Rippenfellerkran-
kung rege. Ueberhaupt können Entzündungen, Fieber,
Zustände von Nervenerregung &c. die Häufigkeit der Atem-
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züge steigern, manchmal bis zu 50, ja bis zu 80 in der
Minute. Unregelmäßiges, noch nicht im gleichen Takt
erfolgendes Atmen kommt bei Säuglingen vor, ohne daß
Krankheit vorliegt. Bei größeren Kindern beobachtet, muß
es dem Arzte gemeldet werden.
Das normale Atmen erfolgt größtenteils mit dem
Zwerchfell und den Rippenmuskeln, weniger mit den Hals-
muskeln. Der Brustkasten soll sich heben und senken, das
Zwerchfell auf- und abwärts steigen, der Unterleib dem-
entsprechend flacher und gewölbter werden, die Halsmuskeln
sollen nicht besonders dabei in angestrengtere Thätigkeit
kommen. Diese Bewegungen haben im gesunden Zustande
etwas Gleichmäßiges, nichts Gewaltsames.. Die Gruben
zwischen Schlüsselbein und zwischen den Rippen,
sowie die Zwerchfellgegend ziehen sich, wenn das Atmen
ungestört ist, nur wenig ein, und kein Geräusch begleitet
die Ein- und Ausatmungen. Man muß deshalb, wenn
man dieses Bild verändert findet, an irgend eine krank-
hafte Störung der betreffenden Organe denken. Rasches,
heftiges Einatmen deutet auf irgend ein Hindernis, das
Atemnot verursacht; ist gleichzeitig ein Pfeifen oder Keuchen
bei der Einatmung hörbar, so darf man die Störung im
Kehlkopf vermuten. Hört man beim Ein- und Ausatmen
Rasseln oder Röcheln, so ist meist eine stärkere Schleiman-
sonderung in den Luftröhren die Ursache. Eine starke
Beteiligung der Nasenflügel deutet auf Störungen in der
Lunge, tiefe Einziehung der Gruben über den Schlüssel-
beinen und dem Brustbein, zwischen den Rippen oder in
der Zwerchfellgegend zeigen im allgemeinen an, daß das
Kind wegen eines Hindernisses im Kehlkopf nur mit An-
strengung atmen kann. Oberflächliches, ängstliches Atmen
findet man, wenn innere schmerzhafte Entzündungen vor-
handen sind."
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Das Atmen m i t g e s ch l o s s e n e m M u n d e ist bei
kaltem Wetter ein gutes Vorbeugemittel gegen Erkältung.
Die kalte Luft wird in der Nase vorgewärmt und kommt
warm in die Lunge. Das Schlafen mit geschlossenem
Munde ist gesünder als das Atmen durch den offen-
stehenden Mund.

Aufstoßen ist bei kleinen Kindern ein Beweis dafür,
daß die Kost zu schwer ist. Man verdünne dieselbe mit
ein wenig Fenchelthee und vermindere die Quantität. Bei
größeren Kindern vermeide man alle blähenden Speisen.

Auge, das und seine Pflege. Von den Sinnes-
organen ist das wichtigste das Auge. Es vermittelt unsere
Zugehörigkeit zur Welt, zum Leben. Wer blind ist, ist
ein Ausgestoßener, der Beklagenswerteste unter Beklagens-
werten. Dieses unser kostbarstes Organ verlangt aber
auch sorgfältige Pflege. Schon beim ersten Bade, das
der Neugeborene empfängt, muß diese Pflege einsetzen und
muß das Kind durch die Kindheit und die Schulzeit hin-
durch begleiten. Nicht jeder erhielt von der Natur gute
Augen. Aber das Auge kräftigen, erhalten, das kann jeder.
Das Auge des kleinen Kindes darf zunächst nur wenig
dem Licht ausgesetzt sein. Das Bettchen oder der Wagen
hat so zu stehen, daß das Licht von hinten oder von seit-
wärts auf das Kind fällt. Auch beim Stellen des Wa-
gens im Freien (Garten, Balkon) ist hierauf Rücksicht zu
nehmen. Viele Kinderwärterinnen sündigen darin, daß
sie die Vorhänge oder das Verdeck des Wagens ungenügend
schließen und das Kind hilflos dem blendenden Licht, z. B.
dem Reflex einer grell beleuchteten hellen Wandfläche, über-
lassen. Die Gewöhnung an das Tageslicht soll allmählich
geschehen. Grelle Lichteffekte schädigen das zarte Auge.
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So ist es z. B. unrichtig, wenn man das halbjährige
Baby viel in die hellbrennende Lampe sehen läßt. "Siehst
du das Lichtchen?" fragt die Pflegerin und freut sich, wenn
Baby nach dem funkelnden Ding zappelt und damit be-
weist, daß das Sehvermögen rege ist, bedenkt aber nicht,
daß das lange Hineinstarren dem Auge des Erwachsenen
nicht wohlthut, viel weniger dem zareteren des Kindes.
Brennst du nachts ein Licht im Schlafzimmer, wovon ich
dir sehr abrate, so sorge dafür, daß wenigstens ein Bett-
schirm das Auge des Kindes gegen den Lichtschein schützt,
oder stelle das Licht so, daß eine zu öffnende Schrankthür
als Lichtschirm dient.
Das gefährlichste Attentat auf die Sehkraft macht der-
jenige, welcher bei ungenügender Beleuchtung arbeitet, liest
oder das Auge irgendwie anstrengt. Hier muß deine ernste
Ueberwachung einsetzen, besonders wenn sein Kind größer
wird und auf eigene Hand sich zu unterhalten beginnt.
Während der Schuljahre steigert sich diese Verpflichtung.
Da soll unbedingt noch ein Aufsatz abgeschrieben werden,
während die Dämmerung bereits ihre Schatten auf das
Heft malt, oder das Töchterchen "muß" das Ende der
spannenden Geschichte im "Herzblättchen" oder im "Kränz-
chen" erfahren und beugt sich beim letzten Schein des
verschwindenden Tageslichtes dicht über die Blattseiten.
Verderblich ist auch das Arbeiten in grellem Sonnenlicht.
Schonung kräftigt das gesunde Auge. Das bereits er-
krankte oder doch anormale verlangt eine baldige Unter-
suchung von seiten des Arztes. Ein Selbstkurieren kann
hier sehr schädigen.
Bei schwachen Augen ist das Tragen einer Brille
beim Lesen und den Schularbeiten empfehlenswert. Die
Brille greift nicht etwa die Sehkraft an, wie so manche
glauben, sondern unterstützt dieselbe. Nie sollten Mütter
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aus Eitelkeitsgründen gegen das Brillentragen stimmen.
Wohl aber muß jede Brille vom Arzt verordnet und aus-
gesucht sein.
Regelmäßiges Waschen des Auges mit reinem, kalten
Wasser trägt zum Erhalt der Sehkraft bei.
Weitverbreitet sind Katarrhe der Schleimhaut des
Auges, welche an sich nicht gefährlich sind, aber dennoch
die Fähigkeit, das Auge zu gebrauchen, schmälern. Das
entzündete Auge wird lichtscheu, die Reizbarkeit wächst,
und der Patient ist, wenn man nicht bald Abhilfe schafft,
ebenso am Arbeiten behindert, als wenn er ein ernstes
Leiden hätte. Der Arzt pflegt jenachdem eine Zinklösung
einzuträufeln oder mit Höllenstein zu ätzen. Ein ver-
schleppter Katarrh kann recht langwierig und hierdurch
auch kostspielig werden. Also ja nicht die akute Er-
krankung zur chronischen werden lassen, liebe Mutter!
Borkenbildung am Lidrand erfordert ebenfalls ärztliche
Behandlung. Meist wird eine Salbe verordnet, welche
erbsengroß auf dem Lidrand vor dem Zubettgehen ver-
rieben wird. Bei Kindern, die hierzu neigen, wasche
man die Lider täglich mit kaltem, schwarzen Thee, in
dem Borsäure aufgelöst wurde. Dies kräftigt die feine
Haut vorzüglich. Zu diesem Zweck brüht man Thee wie
gewöhnlich auf, läßt ihn sechs bis acht Minuten ziehen,
spült eine Medizinflasche von 200 Gramm Inhalt mit
abgekochtem Wasser aus und giebt einen halben Theelöffel
pulverisierte Borsäure hinein, gießt den Thee auf und
schüttelt den Inhalt so oft, bis das Pulver sich gelöst hat
und die Flüssugkeit ohne Satz erscheint. Mit gebrühtem
Kork gut verschlosen, hält sich diese Theelösung fünf Tage.
Zum Waschen verwende man reine, alte Leinwand und
trockne mit einem alten Batisttuche nach. Das Auge darf
bis eine halbe Stunde nachher nicht der Luft oder dem
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Zuge ausgesetzt werden. Am praktischsten nimmt man
daher die Waschung sofort nach dem Erwachen vor und
kann dann nach beendeter Toilette gleich das Zimmer ver-
lassen.
Bei jungen Mädchen haben Klagen über die Augen
ihren Grund oft in hochgradiger Blutarmut und Bleich-
sucht, und eine Kur gegen diese beiden Uebel bessert auch
das Augenleiden.
Das S ch i e l e n, soweit es nicht angeboren, kann durch
aufmerksame Pflege des Kindes gänzlich vermieden werden.
Es darf nicht zu früh zum Besehen von Bilderbüchern,
vor allem undeutlicher Bilder angehalten werden, und man
muß ihm den Gegenstand seines Interesses stets so rücken,
daß es ihn geradeaus mühelos betrachten kann und nicht
gezwungen ist, seitwärts zu blicken.
Bei Kindern, welche schielen, verordnet der Arzt das
stundenweise Tragen einer schwarzen Binde über dem ge-
sunden, resp. am wenigsten schielenden Auge, um das
andere in die richtige Sehachse zu zwingen und zu ge-
wöhnen.
Angeborenes Schielen, d. h. Schielen, das durch an-
geborene Anormalität im Bau des Auges bedingt ist, kann,
handelt es sich um Verkürzung des Muskels u. dergl.,
heute erfolgreich chirurgisch geheilt werden.
Auch die K u r z s i ch t i g k e i t kann durch genaue Ueber-
wachung verhindert werden. Das Spielen im kleinen
Raum, wo das Kind alle Gegenstände dicht unter den
Augen hat, legt den ersten Grund zu diesem weitver-
breiteten Uebel. Daher ist ein Spielen in der Luft, ein
fleißiges Spazierengehen, wo es auch in die Ferne sehen
lernt, schon aus diesem Grunde eine Verpflichtung gegen
das Kind. - Beim Spielen am Tisch und beim Arbeiten
und Lesen muß sorgfältig auf einen richtigen Abstand
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zwischen Auge und Spielzeug, resp. Buch geachtet werden.
"Kopf in die Höh'!" der Ruf hallt in meiner Kinder-
stube des Tages gar viele Male. Wenn du darauf acht
giebst, liebe Leserin, so merkst du, daß das Kind von
Natur die Neigung hat, sich die Gegenstände beim Lesen
und Spielen nache zu bringen. Da muß die Erziehung
helfend eingreifen. Die Lichtquelle für die Arbeit soll
nach Dr. Fürst nicht über 1 m von der Tischfläsche ent-
fernt, nicht zu spärlich und nicht ohne eine Verdeckung
durch mattes Glas sein.
Das G e g e n t e i l v o n K u r z s i ch t i g k e i t ist dann
vorhanden, wenn das Kind erklärt, daß ihm die Buch-
seiten beim Lesen ineinanderfließen und die Augen leicht
ermüden. Das Auge ist alsdann weitsichtig und braucht
eine Brille.
A n g e g r i f f e n e Augen, die vom Weinen, Arbeiten in
Staub und Zug weh thun, behandelt man mit Bleiwasser-
kompressen. Auch hiernach muß das Auge einhalb bis
dreiviertel Stunden vor Luft geschützt werden. Man macht
vier kleine Kompressen aus alter Leinwand, etwa 3 cm
im Geviert, legt die gut gefeuchteten Läppchen auf die
geschlossenen Lider und wechselt alle drei bis sechs Mi-
nuten. Dauer der Prozedur dreißig bis vierzig Minuten.
Ist ein F r e m d k ö r p e r in das Auge gekommen, so
schlage man das obere Augenlid um und suche ihn mit einem
zusammengerollten, angefeuchteten Stückchen reinen Papiers
zu entfernen. Ich rate dir, liebe junge Mutter, dich im
Umklappen des Lides an dir selbst und an andern zu üben.
Wer diesen kleinen Kunstgriff versteht, verhütet viel
Schmerzen und Angst. Gelingt er jedoch aus Mangel an
Uebung nicht, so fasse man das obere Lid nach der
Schläfengegend zu mit spitzen Fingern und ziehe es stark
seitlich vom Augapfel ab, während der Patient nach unten
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blickt. Der Fremdkörper wird alsdann meist bei der
Thränendrüse sichtbar.
Nun noch ein Wort zur Ausführung ärztlicher Vor-
schriften.
E i n t r ä u f e l u n g e n werden folgendermaßen gemacht:
Man taucht ein Glasstäbchen in die Flüssigkeit und läßt
den daran hängenden Tropfen in den Raum des Auges
fallen, der entsteht, wenn man das untere Augenlid vor-
sichtig durch leichte Fingerhilfe von Augapfel entfernt.
Man halte das Auge, auch wenn es schmerzen sollte,
offen, da sonst das Heilmittel mit der durch den Reiz
hervorgerufenen Thräne wieder fortgeschwemmt würde.
Kinder legt man dabei am besten flach hin. Im Stehen
wird es der Mutter schwerer gelingen. Eine zweite
Person halte das Köpfchen und die Händchen, damit nicht
durch eine unvorhergesehene Bewegung des Kindes das
Glasröhrchen das Auge verletzt.
Das E i n st r e i ch e n v o n A u g e n s a l b e n erfolgt mittelst
eines Pinsels, der stets sorgfältig mit kochendem Wasser
zu reinigen und staubfrei aufzubewahren ist, Man er-
kundige sich genau, w o man die Salbe aufstreichen soll,
denn es ist schon viel Unheil dadurch angerichtet worden,
daß eine Salbe, die für die Haut bestimmt war, auf die
zarten inneren Augenteile angewandt wurde.

Augenentzündung, ägyptische, tritt weniger in
der Familie als in Schulen und Pensionaten auf. Man
separiere den Kranken möglichst, da eine große Ansteckungs-
gefahr vorliegt. Die Hauptträger derselben sind Schwämme
und Handtücher. Der Kranke muß diese Reinigungs-
gegenstände allein benutzen, und zwar müssen sie nach jedem
Gebrauche tüchtig gekocht werden. Da Schwämme hier-
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durch ihren Wert verlieren, ersetze man sie von vornherein
durch Leinwandstücke.

Augenentzündung Neugeborener. Noch immer
verfallen, besonders in ärmeren Klassen, die Augen
der neugeborenen Kinder dem Siechtum durch mangelnde
Reinlichkeit und Sorgfalt in den ersten Lebenstagen, be-
sonders beim ersten Bad. Die Schleimteile, welche den
Körper des Kindes bedecken, müssen auf das sorgfältigste
beim ersten Bad entfernt werden. Kein Tropfen dieses
ersten Badewassers darf in die Augen kommen. Diese,
welche ebenfalls mit Schleim gefüllt sind, weden geson-
dert sofort gereinigt. Wasser, Schwamm und Leinwand-
läppchen für die Augen dürfen n u r für diese verwandt
werden. Sowie eine Schleimabsonderung des Auges ein-
tritt, ist der Arzt zu befragen. In Krankenhäusern beugt
man der Augenentzündung durch Eintröpfeln einer zwei-
prozentigen Höllensteinlösung vor. Dr. Brügge sagt, daß
besondere Aufmerksamkeit da nötig ist, wo die Mutter
vor der Geburt an Schleimausfluß litt.

Ausleerungen. Unter Ausleerungen verstehen wir
die Absonderungen des Darmes. Es ist nicht richtig, in
falscher Prüderie sich nicht um dieselben zu kümmern und
die Beobachtung derselben den Dienstboten zu überlassen.
Ich stehe nicht an zu sagen, daß die tägliche Kenntnis-
nahme derselben eine direkte Pflicht der Mutter ist. Durch
diese peinliche Ueberwachung allein ist sie in stand gesetzt,
jedes beginnende Unwohlsein zu erkennen, durch passende
Diät zu heben, ernsteren Erkrankungen vorzubeugen.
Hier ein erstes Beispiel aus meinem näheren Be-
kanntenkreis, das dir, liebe Leserin, zu denken geben wird.
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Frau M., eine sehr ideal veranlagte Natur, wurde glück-
liche Mutter eines kräftigen Knaben. Sie genoß die
Freude seines Besitzes aus ganzer Seele, nährte ihn selbst,
tändelte mit ihm herum, trug ihn auf ihren Armen im
Garten spazieren, beschäftigte sich viel und lange mit ihn,
überließ aber die Sorge für die Reinigung des kleinen
Körpers, wenn er sich beschmutzt hatte, dem Kindermädchen.
Das zu besorgen, erklärte sie in einem allerliebsten Trotz,
ginge gegen ihr ästhetisches Gefühl. Die Aermste! Wie
gerne würde sie jetzt, wo es zu spät ist, ihre Geruchs-
und Gefühlsnerven überwinden! Ihr Knabe wurde ent-
wöhnt und nahm zusehends ab. Das Kindermädchen
leugnete, daß irgend etwas anderes wie gewöhnlich sei.
Die Nahrung wurde also nicht verändert, sondern dem
Kinde, das immer elender wurde, mit allen Mitteln bei-
gebracht. Als ein Arzt zugezogen wurde, erkannte er,
daß das Kind schon wochenlang an Darmkatarrh gelitten
haben müsse. Es gelang nicht mehr, das fliehende Leben
mit Arzneien zu retten, da der arme Magen und der
der kranke Darm auf nichts mehr reagierten, und ich kann nur
sagen, mit Recht!
Die erste Ausleerung des neugeborenen Kindes, das
sog. Kindspech, ist eine grünlichschwarze breiige Masse.
Nach einigen Tagen nehmen die Ausleerungen des Säug-
lings die normale Beschaffenheit an. Dieselbe besteht
nach Dr. Fürst (Das Kind und seine Pflege) in Fol-
gendem: "Der Säugling entleert zunächst 2-5 mal,
später 1-2 mal am Tage. Beim Säugling muß, sobald
das Kindspech entfernt ist, der Stuhl gelblich, dünnbreiig,
frei von größeren käsigen Massen sein und etwas säuerlich
riechen; beim größeren Kinde ist er durch Gallenbestand-
teile bräunlich gefärbt und fester geformt; er riecht aashaft.
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Dünnflüssige, hellbräunliche bis gelblichblasse Ausleerungen
weisen auf einfachen Darmkatarrh hin. Findet man die
Ausleerungen grün, so rührt diese Beschaffenheit von Um-
wandlungen der Gallenfarbstoffe her. Häufige und ver-
mehrte Darmausscheidungen veranlassen bei Säuglingen
diese Färbung leicht und darf man dieselbe als an sich
nichts Bedeutungsvolles ansehen. Sehr blasse, fast weiß-
liche oder graugelbe, thonige Ausleerung findet sich, wenn,
wie bei Gelbsucht, die sonst notwendige Entleerung der
Galle in den Darm gehindert ist. Auch Arzneien ver-
ändern zuweilen die Farbe.
Abgesehen von der Farbe sind es ungewöhnliche Be-
standteile, die man zu beachten hat. Ist der Stuhl dünn,
hellgelb und von beigemischten kleinen Zellen flockig, ist
er alkalisch, bildet er beim Stehen Schichten, riecht er
faulig und wird er in spritzendem Strahl entleert, so
spricht dies für heftige Darmerkrankung, die beson-
ders bei Säuglingen und im Sommer nicht selten ist.
Man erbitte sich schleunigst ärztliche Hilfe, gebe inzwischen
schleimiges Getränk, Stärkeklytiere, etwas Rotwein und
dergl. Viel unverdaute Speisereste im Stuhl müssen zu
einer Aenderung der Ernährung auffordern. Starker,
glasiger Schleim spricht für Beteiligung der Darmdrüsen
an der Erkrankung. Schleim kann auch, bei gleichzeitigem
Husten, von verschlucktem Auswurf herrühren. Man achte
darauf, oder Schleim mehr gleichmäßg verbreitet oder
in kleine Klümpchen zusammengeballt ist. Blutige oder
blut-eitrige Ausleerungen sind immer bedenklich und
müssen sobald als möglich dem Arzte gemeldet werden.
Inzwischen sind kalte Umschläge über den Leib zu machen
und kühle, milde Getränke (abgekühlter Schleim von Reis,
Salep, Gräupchen und dergl.) mit etwas Rotwein oder
Cognac zu verabreichen. Findet man Würmer (große,
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regenwurmartige Spulwürmer, oder kleine, madenähnliche
Würmer oder längere Bandwurmglieder) im Stuhl, so
unterlasse man alle eigenmächtige Behandlung. Dasselbe
gilt von größeren zusammengeballten Massen, die sich zu-
weilen entleeren. Alles dies zu beurteilen vermag nur
der Sachverständige."
Alle Entleerungen, die uns anormal erscheinen, hebe
man bis zum Eintreffen des Arztes entweder in dem
Kindertuch selbst oder in einem Nachtgeschirr mit Deckel,
wie solche in Geschäften, welche Artikel der Krankenpflege
führen, erhältlich sind, auf, selbstredend nicht im Kranken-
zimmer, sondern in einem Raum, der weder zum Wohnen
noch zum Aufheben von Nahrungsmitteln dient.
Von großem Einfluß auf die Gesundheit des Kindes
ist eine regelmäßige Entleerung des Darmes. Bereits
beim Säugling läßt sich hier eine Gewöhnung einführen,
indem man das vier- bis fünfmonatliche Baby zur be-
stimmten Stunde in l i e g e n d e r Stellung über ein Geschirr
hält. Sobald das Kind läuft, gewöhne man es, täglich
morgens nach dem Aufstehen sich aufs Töpfchen zu setzen.
Zurückgehaltener Stuhl hat nicht nur Kopfschmerz, Un-
freudigkeit und schlechte Laune zur Folge, sondern kann
auch zu chronischer Verstopfung führen. Daher müssen
die größeren Kinder, die im Eifer des Spielens oder aus
Furcht, zu spät in die Schule zu kommen, sich so gern
dieser Pflicht entziehen, mit größter Pünktlichkeit zur be-
stimmten Zeit zur Verrichtung dieses Geschäftes angehalten
werden. Man lasse die Kinder so lange, also etwa bis
zum sechsten Jahre, ein Nachtgeschirr benutzen, bis sie
imstande sind, mit Richtigkeit anzugeben, ob der Stuhl
normal oder nicht war. Auf diese Weise allein sichert
sich die Mutter die tägliche Kontrolle, die, so wenig ver-
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lockend sie auch mancher Mutter erscheinen mag, dringendste
Notwendigkeit ist.

Auswurf. Die schleimige Absonderung, die durch
den Husten in den Luftwegen hervorgerufen wird, läßt
durch ihre Färbung einen Schluß auf die Natur des
Leidens zu und wird daher in allen ernsteren Fällen in
einem Glase fünfprozentiger Karbollösung bis zur Begut-
achtung durch den Arzt aufzuheben sein. Weißlicher Aus-
wurf ist nicht bedenklich. Gelblcih eitriger, rötlicher und
graublauer sowie blutiger deutet auf schwere Erkrankung.
Der Auswurf Lungenkranker ist sehr ansteckend. Man
gestatte daher nicht, daß dieselben ihn in Tücher leeren.
Er trocknet dort, zerstaubt, und diese Staubstoffe tragen
die Ansteckungsgefahr weiter. Kleine Kinder können selten
den Schleim herausbringen, sondern verschlucken ihn. Die
kluge Mutter lehre frühzeitig das Kind den Auswurf
herauszustoßen, erstens um eine Magenverstimmung durch
übermäßige Schleimzufuhr zu verhüten, zweitens um über
die Natur der Krankheit durch Untersuchung des Auswurfs
jederzeit orientiert zu sein.

B

Babyausstattung. Was bedarf ein kleines Wesen
für das erste Jahr an Kleidung?
Die junge Frau kennt in den vielen Stunden der
freiwilligen Zurückgezogenheit, welche dem Erscheinen Babys
vorangehen, keine schönere Beschäftigung, als alles so schön
und zierlich als möglich für das ersehnte Kleinod herzu-
richten. Daß es aber nicht nur für das Auge geschaffen
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sein möge, sondern vor allem für den praktischen Gebrauch,
dafür möchte ich mit folgenden Vorschlägen Sorge tragen.
Meist wird darin gefehlt, daß eine Anzahl eleganter
Dinge angefertigt wird, welche in den seltensten Fällen
getragen werden. Bestellt man eine Babyausstattung in
einem Geschäft, so nimmt man viele Dinge mit in den
Kauf, die eigentlich unnütz sind, und bezahlt außerdem viel
mehr, als wenn man die Kleinigkeiten im Hause arbeiten
ließe. Das Anfertigen im Hause ist auch eine gute Ab-
lenkung für die junge Frau.
Der Hauptgrundsatz für Babywäsche ist: w e i ch, e i n-
f a ch, damit Waschen und Plätten nicht zu viel Zeit in
Anspruch nehmen, und v i e l. Ich habe Ausstattungen
gesehen mit Spitzenkleidchen und hocheleganten Steckkissen
und nur 3 Dutzend Windeln! Wie bald wird die junge
Mutter da über die Unzulänglichkeit geseufzt haben.
Also, was braucht unser Kleinchen?
1. 12 aus ganz feinem alten Leinen (z. B. von alt-
modischen Taschentüchern aus Großmutters Truhe) her-
gestellte Erstlingshemdchen, hinten offen, am Halse mit
nicht zu schmalem Saum mit Zugvorrichtung. Einzige
Verzierung ist ein getragenes Leinenspitzchen am Halse.
Die Hemdchen sind mit der Hand zu nähen, da Ma-
schinennaht zu hart und rauh ist. Halblange Aermel.
Weites Armloch.
2. 9 baumwollene Jäckchen, gestrickt oder gehäkelt,
mit langen Aermeln und hinten offen. Dieselben werden
mit durchgeleitetem Bändchen geschlossen.
3. 12 vierfach gefaltete Kompressen zu Nabelläppchen.
4. 12 Mundläppchen aus altem Leinen, etwa 12 cm
im Geviert, einfach nur umstochen, nicht gesäumt.
5. 6 Nabelbinden aus Leinwand, 6 cm breit und
1 m lang, ebenfalls zur Sicherung der Schnittfläche nur
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umstochen. An einem Ende zwei weiche baumwollene
Bänder von 36-35 cm Länge und 1 cm Breite.
6. 6 g e s t r i ck t e Wickelbänder von 10 cm Breite und
1 1/2 - 1 3/4 m Länge. An einem Ende zwei Bänder
wie oben.
7. 18 Lätzchen aus Pique, um einer Durchnässung
der Brust und somit öfteren Wäschewechsel vorzu-
beugen. Stickereien stören und reizen die feine Haut. Je
einfacher desto besser.
8. 5-6 Dutzend leinene Windeln von 80-85 cm
im Geviert, welche vor dem Gebrauch mehrfach gewaschen
und durchaus weich geworden sein müssen. Am besten
ist es, man gebraucht sie bereits ein Vierteljahr vor ihrer
eigentlichen Bestimmung als Zudecktücher bei Handarbeiten,
zum Abtrocknen von feinem Glas oder derartigem, um
ihnen durch den Gebrauch den Vorzug getragener Wäsche
und Weichheit zu verleihen. Man erstaune nicht über
die Forderung von 6 Dutzend Windeln. Fast überall
wird die Zahl unterschätzt. Ein gesundes Kind durchnäßt
in vierundzwanzig Stunden mindestens 5 Windeln. Aus
Gründen der Reinlichkeit sollen Windeln nie aufgetrocknet,
sondern ausgewaschen werden. Nun bedenke man die Zeit,
die diese Wäsche samt Trocknen, Plätten und Austrocknen-
lassen erfordert. Vielleicht sind die Trockenverhältnisse noch
dazu schwierig, oder die Witterung hindert ein rasches
Trocknen. Auch soll Baby doch nur Wäsche bekommen,
die mindestens einen Tag ausgedünstet hat. Glaube mir,
liebe Leserin, Windeln kannst du nie zu viel haben! Als
mein Aeltester zur Welt kam, hatte ich nur 36 Windeln
zurecht gemacht. ich ertappte die Pflegerin darauf, daß
sie die halbfeuchten Windeln vom Boden holte und unter
die Wärmeflsche legen wollte. Da habe ich eingesehen,
daß mit einer geringen Zahl nicht auszukommen ist.
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9. 18 Flanellwindeln, welche um die Leinenwindeln
geschlagen werden, von 90 cm im Geviert, einfach mit
Wolle umstochen, nicht l a n g u e t t i e r t.
10. 12 Moltondeckchen, 30 cm lang und 20 cm
breit, mit Band eingefaßt. Dieselben werden zwischen
die leinene und Flanellwindel unter den After des Kindes
gelegt und schützen die Flanellwindel bei Entleerungen des
Darmes. Sehr praktisch, weil Wäsche und Hartwerden
der Flanellwindel ersparend.
11. 2 Badetücher aus Kräuselstoff 1 1/2 m im Geviert.
12. 2 Flanelldecken von 1 1/4 m im Geviert, um das
Kind nach dem Bade oder während des Trinkens, beim
Tragen über den Korridor einzuschlagen, oder
13. 2 Bademäntel aus Baumwollflanell zu gleichem
Zweck.
14. 4 Oeltuchstücke als Einlage in Bett und Wagen,
50 cm im Geviert.
15. 8-12 Betttücher für das Bettchen.
16. 12 Kissenbezüge.
17. 8 Bezüge für das Oberbett.
18. 8 Bezüge für die Steppdecke.
19. 6 Steckkissenbezüge mit Einlagen, 1 davon elegant.
Hierzu treten nach den ersten vier Monaten:
20. 12 größere Hemdchen mit längeren Aermeln, die
Baby bis zum Ablauf des ersten Jahres trägt,
21. 6 größere Jäckchen,
22. 6 Flanellwindelhöschen,
23. 3 Tragkleidchen aus hellfarbigem Baumwoll-
flanell, hinten geschlossen, mit wenig Verzierung, und, ist
es Sommer, 3 Tragkleidchen aus hellen Waschstoffen. Im
strengen Winter nehme man Flanell statt Barchent und
verziere durch Ausbogen alle Schnitt Schnittflächen mit feiner
Wolle.
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Knöpfe sollen möglichst vermieden werden, ebenso Haken,
Oesen und Gummiband. Dem Wachsen des Kindes trage
man dadurch Rechnung, daß man breite Säume in die
Kleidchen macht und den hinteren Verschluß mit Längs-
fältchen verziert, welche ein Erweitern gestatten.

Babytruhe. Eine wunderhübsche Sitte, liebe
junge Mutter, muß ich dir zur Nachahmung ans Herz legen.
Es ist die Besorgung oder Herstellung einer Babytruhe.
Dieselbe ist dazu bestimmt, allerhand kleine Andenken aus
dem Kindesalter bis zur Reife des Kindes aufzunehmen
und somit eine Illustration zu den schriftlichen Aufzeich-
nungen, die du als stolze Mutter doch gewiß machst, dar-
zustellen. Da hinein legst du das erste blonde Löckchen,
das der Schere zum Opfer fällt, ein Sträußchen von
dem Blumenschmuck des Tauftisches, ein Verzeichnis der
Taufgäste und dergl., später die ersten Schuhchen, das
erste Zähnchen, die erste Zeichnung Babys mit dem Bunt-
stift, das erste arg zerrissene Bilderbuch. Es folgen kleine
Andenken an bedeutungsvolle Momente, Reisen, später das
erste Heft mit den ungefügen Buchstaben, der erste deutsche
Aufsatz u. s. w. Natürlich dürfen Photographien, die
den Liebling in den verschiedenen Lebensaltern darstellen,
nicht fehlen. Da der Inhalt der Truhe doch dazu be-
stimmt ist, in dem Kinde dereinst liebevolle Erinnerungen
an seine Kindheit zurückzurufen, so habe ich auch Bilder
von mir, von Bubis Papa und Geschwistern hineingelegt,
auch Zeitungsausschnitte über bedeutende Zeitereignisse, An-
zeigen aus dem Familienkreise, Autographien und Andenken
an bekannte Zeitgenossen, wie sie mir das Leben des öfteren
freundlich bot. Ich glaube, Baby wird gar gern in dieser
Truhe kramen, und wenn er dereinst verheiratet ist und
seiner Frau Eheliebsten die Zeichen aus seiner Jugend
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liebevoll vorweist, so wird sie mir, auch wenn ich eine
recht böse Schwiegermutter bin - wozu ich alle Anlage
habe -, wohl doch dankbar gerührt einen Moment des
Gedenkens weihen.
Die eigene Herstellung der Truhe hängt davon ab,
ob du, liebe Leserin, in Liebhaberkünsten bewandert bist
oder nicht. In unserer allen Künsten holden Zeit nehme
ich dies an und mache dir daher folgende Vorschläge.
Brennst du, so bestellst du dir in einem Kunstma-
terialiengeschäft eine Truhe aus Ahorn oder Lindenholz
von 25 cm Tiefe, 50 cm Länge und 30-35 cm Höhe.
Dieselbe kostet etwa 16 Mark. Du kannst auch eine
kleinere Sorte, 30 cm tief, 40 cm lang und 30 cm hoch,
wählen, jedoch ist es nicht ratsam eine allzu kleine Truhe
anzuschaffen, da man sonst die Aufnahme der betreffenden
von uns für wichtig angesehenen Dinge allzu sehr be-
schränken, ja sich fortgesetzt verweigern muß. Die Ver-
zierung in Brandmalerei geschieht am besten derart, daß
man helles Muster zu dunklem Grunde wählt. Stilisierte
Blumen, ornamentale Borten, für geübtere Hände auch
Kinderscenen in Medaillonform sind ein hübscher Schmuck.
Bei ornamentaler Zeichnung läßt sich auch ein Band oder
Schild anbringen, auf dem man Babys Namen und Datum
der Geburt anbringt.
Wer in Oel malt, der überziehe die Truhe zunächst
zweimal mit Aspinals Emailfarbe in einem hellen mo-
dernen Ton, also z. B. lichtgrün, weiß, hellrosa, gelblich-
grau oder ähnl. Alsdann bemalt man die ganze Truhe
mit unregelmäßig verstreuten graziösen Blumenranken, und
zwar sucht man die Blume aus, die dem Monat, in dem
Baby auf der Welt erschien, entspricht; also etwa für Ja-
nuar: Stechpalme, Tanne, Lorbeer, italienische Anemonen,
Rivierarosen; Februar: Schneeglöckchen; März: Veilchen;
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April: Primeln, Himmelsschlüsselchen, Kätzchen, junges
Grün; Mai: Maiblumen; Juni: Flieder Heckenrosen,
Schneeball; Juli: Rosen, Jasmin; August: Feld- und
Wiesenblumen; September: Chrysanthemen; Oktober:
Georginen, Dahlien, Stockrosen; November: rote Eber-
eschen, buntes Laub; Dezember: Christrosen.
Für den Schmuck der Truhe in Kerbschnitt, der als
der gediegenste betrachtet ewrden darf, empfehlen sich nur
ornamentale Muster. Man kann den Kerbschnitt auch
mit Beize in verschiedenen Tönen oder mit Oelfarben
ausmalen. So sieht z. B. russisch Grün und Tiefrot
sehr wirkungsvoll aus.
Weniger Schwierigkeit macht die Ausstattung in Nagel-
arbeit, welche durch die Abwechslung der metallenen Nägel
sehr dekorativ wirkt.
Zuletzt wollen wir noch dem Ueberziehen mit Stoff
das Wort reden. Vielleicht existiert da irgend ein schöner
alter Brokatstoff in der Familie, ein prunkendes Staats-
kleid, in dem Urgroßmutter zu Hofe ging. Das wäre
ein wundervoller Fund für unsern Zweck und beziehungs-
reich dazu. Aber auch durch Stickerei verschönte gediegene
Stoffe lassen sich gut verwenden.
Mühsamer, aber von wunderschöner Wirkung ist die
gesamte Ausstattung der Truhe durch Intarsiaimitation.
Man umrändert zu diesem Zweck die Zeichnung - am
geeignetsten stilisierte Blumen oder Ornamente, eventuell
Borte mir Figürlichem - mit spitzer Feder in schwarzer
Aquarellfarbe, füllt den Grund schwarz aus und firnißt
die ganze Holzoberfläche.
Auch russische Lackarbeit ist von guter Wirkung. Man
füllt hierbei die einzelnen Teile der Zeichnung mit Email-
farben in beliebigem Ton aus, eine feine harmonische
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Gesamtwirkung vorausgesetzt, und hat genau darauf zu
achten, daß nirgends die Kontur überschritten wird.
Ich glaube beinahe, liebe Mama, du bist nicht ab-
geneigt, die Babytruhe in Angriff zu nehmen, wie? Denn
während der langen Jahre, bis der rechtmäßige Besitzer in
seine Rechte eintritt, verspricht sie dir einen recht hübschen
Zimmerschmuck für dein Wohnzimmer. Solltest du in
unserer Zeit, wo auf die Ausschmückung der Wohnung
durch eigenen Hausfleiß so viel Wert gelegt wird, nicht
hierfür empfänglich sein?

Bäder. Das e r st e B a d des Neugeborenen ist ein
Reinigungsbad. Es soll den Körper vom anhaftenden
Schleim befreien. Seife darf nicht angewandt werden,
da die Haut noch zu reizbar ist. Dr. Fürst empfiehlt
ungesalzene Buter, Tafelöl oder Eidotter für den Fall,
daß der Schleim nicht weichen will.
Man benutzt zwei gutgereinigte Schwämme, einen für
das Gesicht und einen für den Körper. Dieselben dürfen
für die Folge nicht verwechselt werden. Man gebrauche
auf keinen Fall dies erste Badwasser zum Wschen des
Gesichtes, da die schleimigen Teilchen, in die Augen ge-
bracht, eine s ch l i m m e A u g e n e n t z ü n d u n g des Neu-
geborenen zur Folge haben können. Die Schwämme sind
nach Gebraucht in frischem warmem Wasser zu reinigen.
Das Baden kleiner Kinder erfordert große Umsicht.
Der kleine Körper muß gestützt so gehalten werden, daß
das Köpfchen auf dem Handgelenk der linken Hand ruht
und die ausgebreitete Handfläche den Hals wie die Schultern
und den Rückenansatz des Kindchens hält. Mit der rechten
Hand wäscht man den Körper sanft ab. Das Badewasser
darf nur bis an den Hals des kleinen Wesens reichen.
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62
Um die Wärme des Badewassers zu prüfen, bediene
man sich stets eines guten Badethermometers. Die Messung
mit der Hand oder dem Ellenbogen, wie sie die Wärter-
innen und Hebammen vorzunehmen lieben, ist stets will-
kürlich und sollte nicht geduldet werden. Das erste Bad
soll 28° R haben und höchstens vier Minuten dauern.
Die Reinlichkeit und die Gesundheit erfordern, daß
Baby während des ersten Jahres täglich gebadeet wird.
Kleine Kinder werden wie die Singvöglein früh wach.
Man reiche ihnen Nahrung, läßt sie wach liegen und badet
sie etwa zwei Stunden nach der Nahrungsaufnahme. Sie
werden nach dem Bade wieder gestillt und zum Schlafen
niedergelegt. Nach dem ersten Jahre mag man das Bad
auch, wenn es im Haushalt morgens zu viel Zeit in
Anspruch nimmt, auf 11 1/2 Uhr verlegen, alsdann Baby
das Mittagessen geben und es nun zwei bis drei Stunden
schlafen lassen. Ich pflegte dies im Sommer zu thun,
um Baby den Morgen im Freien genießen zu lassen und
es über die Mittagsglut hinwegzubringen. Nach achtzehn
Monaten genügt es, wenn man das Kind zweimal die
Woche badet. An Stelle des Bades tritt jedoch die täg-
liche Waschung des ganzen Körpers.
Die Temperatur des Bades verringere man allmählich
so, daß sie nach Ablauf des ersten Vierteljahres 27°,
nach sechs Monaten 26° beträgt. Man geht bis zum
Ende des ersten Jahres auf 25 und 24° hinunter. Kühlere
Temperaturen werden nur ausnahmsweise vertragen. Die
Dauer des Bades sei im Anfang nur so lang, wie es
das Abwaschen der Körperteile erfordert. Später, wenn
das Kind mit sichtbarem Vergnügen im Wasser zu sitzen
beginnt, giebt man ihm ein schwimmendes Spielzeug und
läßt ihm die Freude, zehn Minuten lang im lieben Wasser zu
plätschern. Verlängerte Bäder wirken erschlaffend und
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63
verweichlichend


S.87

Mein Vater lernte lernte bei einem Drechsler, mein Man hatte Stunden bei einem Mechaniker, unser Knabe soll, die bleibende Lust an Papparbeiten vorausgesetzt, Buchbinder lernen.

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131

Entwöhnung. Die Natur hat dir selbst die Zeit
bestimmt, während der dein Kind an der Mutterbrust
Nahrung finden soll. Neun Monate lang hast du es mit
deinem Herzblut ernährt, und die gleiche Zeit sollst du es
an deiner Brust nähren.
Der Zeitpunkt der Entwöhnung tritt früher ein, wenn
ein Mangel an Nahrung vorliegt. Nimmt das Gedeihen
des Kindes ab und hat der Arzt Grund, dies auf die
bisherige Art der Ernährung zu schieben, so ist man ge-
zwungen, vor der normalen Zeit zu entwöhnen. Krank-
heit der Stillenden oder Eintritt neuer Schwangerschaft ist
ebenfalls ein Grund vorzeitiger Entwöhnung.
Keinesfalls darf die normale Entwöhnung plötzlich
vor sich gehen. Alle schroffen Uebergänge sind gefährlich.
Sie muß lange vorbereitet und allmählich vorgenommen
werden. Nur so wird sie ohne Störung verlaufen. Das
Kind ist nach und nach an breiige Uebergangsmahlzeiten,
an Griessüppchen, Milchsuppe mit Zwieback, Fleischbrühe
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132
mit Ei gewöhnt worden. Die Brust wird ihm spärlicher
gereicht, etwa nur zwei oder drei Mal am Tage. Man
giebt ihm Kuhmilch in der Flasche oder im Schnabel-
täßchen. Wird diese neue Nahrung willig genommen und
gut vertragen, so höre man mit dem Darreichen der Brust
auf. Das Kind macht der Stillenden diese Entsagung
doppelt schwer, da es lächelnd und bittend die Händchen
nach ihr ausstreckt, aber sie muß fest bleiben. Am besten
zeigt sie sich während der nächsten Tage möglichst wenig.
Der Wechsel ist so weniger aufregend für beide Teile.
Die Stillende schützt die Brust durch warmes Bedecken
und Heraufbinden. Auch für sie ist die geschilderte lang-
same Entwöhnung das Beste, der Nahrungsquell versiegt
allmählich und ohne Beschwerden.
Aber nicht alle Kinder sind willig zu anderer Nah-
rung. Mein ältester Junge wollte nicht das geringste
anrühren; die Milchflasche wehrte er mit Händen und
Füßen ab. Als ihn schließlich der Papa in höchst eigener
Person zwischen die Kniee nahm und ihm gewaltsam den
Saugpfropfen in den Mund steckte, zerbiß er den Gummi,
so daß die Milch in weitem Strahl über die Familien-
gruppe spritzte. Da half kein Zureden, keine Gewalt.
Er schrie, strampelte und sah dazwischen immer nach der
Thür der Kinderstube, ob seine Lena nicht käme. Da es
ein sehr kräftiges Kind war, sagte uns der Arzt, wir
sollten ihn ruhig schreien lassen, er werde schon aus
Hunger kapitulieren. Natürlich war es mir schrecklich
schwer, den lieben Kerl so jammern zu lassen, und mein
Mann mußte mir mehr wie einmal sagen, es sei des
Kindes eigenes Beste, wenn man ihm nicht wieder die
Brust gäbe. Sechsunddreißig Stunden dauerte der Kampf.
Der tapfere kleine Bursche gab während dieser Zeit nicht
nach, was ihm ein stilles Lob für Konsequenz des Charakters
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133
von seiten der Eltern eintrug. Schließlich bezwang ihn
der Hunger, und als wir ihm, auf schlimmste Abwehr
gefaßt, die Flasche reichten, sog er zufrieden und gierig an
dem verhaßten Pfropfen.
Natürlich kann man mit zarten Kindern dies Experi-
ment nicht nachmachen. Da muß man diejenige Nahrung
geben, die es bereits gewohnt ist, also z.B. Nestlé's
Kindermehl. Man verdünnt es allmählich immer mehr
mit Milch, bis das Kind fast reine Milch aus der Flasche
oder aus der Tasse trinkt.
Verweigert das Kind die neue Kost, stellt sich Er-
brechen ein, so muß man unbedingt wieder die Brust
reichen, da sonst leicht Kräfteverfall eintritt. Hat man
allmählich entwöhnt, so läßt sich die Milchabsonderung
auch wieder durch entsprechende Kost anregen.
Die ungewohnte Nahrung ruft oft leichte Verstopfung
hervor, und es werden Klystiere nach und während der
Entwöhnung nicht selten notwendig.

Ernährung.

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134


Ist die Mutter außer stande, selbst zu nähren, und ist das Kind kräftig und gesund, so kann ohne Zögern zur künstlichen Ernährung geschritten werden. Sie kommt wohl auch dort in Betracht, wo die Verhältnisse es nicht erlauben, eine Amme zu halten. Der Lohn für dieselbe beträgt durchschnittlich 360 Mark, mit Geschenken &c. rechnet man 430 Mark. Hierzu kommen die Kosten für bessere Nahrung, Kleidung, eventuell Hin- und Rückreise. Daß die Ernährung durch Kuhmilch hiergegen verschwindend billig ist, liegt auf der Hand. Allerdings käme hierzu der Lohn für eine Kinderpflegerin mit etwa durchschnittlich 210 Mark.
Du musst dich nun entscheiden, liebe junge Mutter. Erlauben es deine Verhältnisse, so gönne Baby wie dir eine erfahrene Amme. Du selbst bist ja noch so gar unerfahren in allem, was Kinderpflege betrifft. Du mußt dir allerdings klar machen, daß du damit auf viele Freuden verzichten und mancherlei Verdruß auf dich nehmen mußt. Bist du sehr thatkräftig und selbstthätig, so wirst du besser thun, Baby mit der Flasche aufzuziehen. Da giebt es keine Scenen, Baby büßt nicht für Diätsünden der Amme, der ganze Hausstand bleibt mehr im Geleiste, wenn ich so sagen darf.
Allerdings stellt sie Ernährung durch Kuhmilch an dich selbst die größten Ansprüche. Glaube nicht, daß du einer gemieteten Person die Besorgung des Milchapparates anvertrauen kannst. Du selbst mußt dich im alles kümmern, nur dann wird Baby gedeihen."
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.
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S.150f

Und so läßt man die jungen Mädchen in völliger Unkenntnis der ihnen bevorstehenden Pflichten, vermeidet jede Berührung eines solchen Themas im Gespräch mit ihnen. Man läßt sie alles treiben, Sport, Kunst, Liebhabereien, aber man bildet nicht die in jeglichem weiblichen Wesen schlummernde Sorgfalt für die Wartung der Kinder aus, man lehrt sie nicht, sich in geistiger und sittlicher Hinsicht fortzubilden, um dereinst durch das eigene Beispiel erzieherisch zu wirken.

Und was ist die Folge davon? Das erste Kind ist meist ein Experimentierbaby. Wohl ihm, wenn es die unbehülflichen, zaghaften, aus bester Absicht manchmal entspringenden verkehrten Behandlungsversuche erträgt! Mir thut manches Mal mein großer Junge nachträglich in der Seele leid, wenn ich bedenke, was ich alles in meiner Unkenntnist dem armen Kerlchen zugemutet habe. Die Nahrung, das Spielzeug, die Anforderungen an die geistige Kraft, alles wurde verfrüht. Ich wollte richtig strafen und fand die Freiheitsberaubung damals als die menschenwürdigste Strafe. Baby wurde an den Fuß des großen Salonflügels angebunden. Mein Mann und ich kamen uns damals als edle spartanische Eltern vor. Wie oft haben wir unser Thun belächelt, seitdem uns das Leben gereift und erzogen hat! Nur der kann erziehen, der selbst erzogen ist. Daher darfst du nie erwarten, daß dir ein junges, unerfahrenes Kindermädchen eine Stütze bei der Erziehung sein kann, wie es leider so viele Mütter glauben. Der beste, erfahrenste Charakter, ein gebildetes, wohlerzogenes, junges Mädchen nur ist gut genug, die junge Kinderseele zu beeinflussen.

 

S.152f

Tröste dich nicht damit, daß dein Mann mitverantwortlich für die Erziehung sei, und baue nicht zu viel auf seine Beihilfe. Dein Mann muß schaffen, damit ihr leben könnt, er kommt müde heim, für ihn ist das Haus nur der stille Ausruheplatz von der geschäftigen Thätigkeit draußen. Es ist traurig, daß dem so ist, aber es ist nicht zu ändern. Nur wenigen Vätern gönnt unser modernes Leben ein beständiges Zusammensein mit ihren Kindern. In deiner Hand, liebe Mutter, liegt die ganze Erziehung. Die Autorität des Vaters wird wohl manchmal angerufen und spielt dann in der Kinderstube ihre gewichtige Rolle, aber der ganze Feinbau am Erziehungswerk, das tägliche Meißeln am Charakter, das unermüdliche Abschleifen der Fehler, das liebevolle Herausarbeiten guter Eigenschaften, das bleibt der Mutter überlassen. Da bethätige sie Geduld und Treue!

Das Mädchen bleibt unter deinem Einfluß bis zur Selbständigkeit. Da zeige wahre Mutterliebe, indem du sie Selbstverantwortung lehrst und ihr einen eigenen Pflichtenkreis schaffst, in dem sie sich mehr Erfahrung aneignen kann, als es zu deiner Zeit möglich war. Behüte sie vor der Kenntnislosigkeit, die dir verhängnisvoll wurde! Die meisten Mütter können das Scepter nicht aus der Hand legen. Sie gewähren der heranwachsenden Tochter keine pflichtenreiche Stellung. Ob du, liebe Leserin, wenn du einst in diese Jahre kommst, dich dieses Rates noch erninnern wirst und magst?

Der Knabe kommt früher oder später in die Erziehung durch Männerhand und Männersinn. Da wird Verstandes- und Urteilskraft geübt, positives Wissen verlangt. Da ist keine Zeit mehr zur Ausbildung des Herzens und des Gemütes. Von dir, leibe Mutter, wird verlangt, daß du die moralische Erziehung deines Sohnes schon vollendet hast, ehe er in die Schulung durch Männerhand kommt.

Deine Erziehung legt den Grund zum späteren Glück deines Kindes. Deiner wird es dankbar bis ins späte Alter gedenken, hast du deine Mutterpflicht mit bestem Wollen und Können erfüllt. Entsetzlich aber wäre es, sollte dein Kind einst anklagend murren: "Warum erzog mich meine Mutter nicht anders?"


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Fahren. Das Fahren des Kindes wird dem Tragen vorgezogen, da es dem kindlichen Körper eine gesunde und unschädliche Lage gewährt, während das Tragen ein anstrengendes Aufrechtsitzen des Körperchens (wodurch leicht ein Schiefwerden eintritt) verlangt. Im Kinderwagen fühlt Baby weder Nässe des Bodens, noch die Einwirkung
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des Staubes und der Sonne. Selbstverständlich muß der Wagen aber auch von guter Beschaffenheit sein. Gummireifen sollen die erschütternden Bewegungen des Fahrens auf ein Minimum reduzieren, ein verstellbares Verdeck soll es der Wärterin ermöglichen, jederzeit die Augen des Kindes vor grellem Sonnenlicht zu schützen. Vorhänge in dunkler Farbe, marineblau oder dunkelgrün, sollen, wenn Baby schlafen will, angenehme Dämmerung gewähren.
Der Wagen soll vorn und hinten einen Griff zum Fahren haben, damit das Kind nicht gezwungen ist, in die grelle Sonne zu sehen oder kalten Wind einzuatmen, sondern davor durch Umdrehen des Wagens geschützt werden kann. Im großen Ganzen soll die Wärterin das Kind vor sich haben, um es beobachten und darnach richtig behandeln zu können. Ist ein Weg zurückzulegen, wo es vor Sonne &c. geschützt werden muß, so darf sie ausnahmsweise hinter dem Kinde den Wagen schieben.
Jedes Fahren auf holperigen Wegen, spitzem Straßenpflaster, das Hinauf- und Herabstoßen des Wagens vom und auf das Trottoir ist eine schädliche Erschütterung des kindlichen Gehirns, die die Mutter streng verbieten muß. Noch viel gefährlicher aber ist das Hinauf- und Hinabfahren von Treppen, wie man es leider in hohen Mietskasernen zu sehen bekommt. Da zieht die Wärterin ruckweise den Wagen von Stufe zu Stufe, und das arme, hilflose Würmchen muß es schweigend erdulden. Zu manchem Leiden, zu mancher Unfähigkeit des Geistes wird hier unbedacht der Grund gelegt.
Das Fahren in der Eisenbahn ist unschädlich und wird gut vertragen.
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"Widme dich am Sonntag deinen Kindern und veranlasse deinen Gatten, das Gleiche zu thun. Der Entfremdung, die das Schulleben und die tägliche Abwesenheit des Vaters naturgemäß hervorbringen, wird dadurch wirksam entgegengearbeitet. Der Zusammenhalt der Familie wird erneut. Du gehst auf die Spiele und Wünsche der Kleinen ein, wanderst mit ihnen hinaus oder belehrst sie im Hause, lebst für sie und mit ihnen. Und sind es auch nur Stunden, sie haben weittragende Bedeutung; und wird es euch vielleicht nicht ganz leicht, sich den Kindern hinzugeben, die Liebe und Dankbarkeit, die Anhänglichkeit und Pietät eurer Kinder wird's euch lohnen"

Schreien. Das Schreien Babys hat mancher Mutter schon Stoßseufzer entlockt und Kopfzerbrechen verursacht. "Warum schreit Baby?" "Wenn es doch schon so weit wäre, daß es uns sagen könne, warum es denn so ununterbrochen Töne ausstößt!"

Wenn du dein Kind viel um dich hast, so lernst du allmählich sein Schreien verstehen. Das Mutterohr hört bald Unterschiede heraus. Es empfindet, ob das Schreien kläglich ist, also von Schmerzen herrührt, ob es Hunger ausdrückt, oder ob es nur die Kraftäußerung des Kindes ist, mit dem es sich in der einzigen Sprache, die ihm zur Verfügung steht, bemerkbar machen will.

Wenn ein Kind außer der Zeit, wo es zu trinken gewohnt ist, schreit, sehe man zunächst zu, ob es sich verunreinigt hat. Meistens hört das Schreien auf, wenn das Kind trocken gelegt und die wunden Stellen - die, wenn man es vom ersten Tage an nie naß liegen läßt, gar nicht vorkommen - gepudert sind. Ist dies nicht der Fall, so untersuche man, ob sich etwa eine Nadel oder Haarnadel, Brosche, Schlüssel oder dergl. ins Bettchen oder gar in die Kleidung verirrt hat, was gar nicht selten die Ursache des Schreiens ist. Die Amme meines ältesten Söhnchens hatt lange Haare, und eines derselben war einmal beim Ankleiden des Kindes in das Kindertuch gekommen, hatte sich um die kleinen Zehen gewickelt und verursachte nun einen leisen, aber fortgesetzten Hautreiz. Wir waren schon ratlos und wußten keinen Grund, warum der Kleine sich nicht beruhigen ließ, bis wir zufällig den winzigen Störenfried entdeckten.

Nimm also nur ja die Mühe einer gründlichen Untersuchung auf dich, liebe Leserin. Greife nicht zu Einschläferungsversuchen, sondern suche der Ursache auf den Grund zu kommen.

Manchmal ist eine Blähung die Ursache der lauten Klage. Sobald du das Kind aufnimmst und die Gase sich dadurch aus dem Körper entfernen, hört das Unbehagen auf.

Dr. Fürst sagt über das Schreien als Symptom von Erkrankungen Folgendes:

"Lautes, kräftiges, anhaltendes Schreien schließt meistens eine Erkrankung der Atmungsorgane aus und begleitet am häufigsten Stürungen des Darmes, findet sich aber auch bei schweren Entzündungen im Ohr, bei tief liegenden Verschwärungen, bei Leiden der Knochenhaut, was sich besonders dann bestätigt, wenn das Kind bei Berührung oder leichtem Druck auf eine verdächtige Stelle aufschreit. Mit Darmkolik ist zuweilen ein unregelmäßiges plötzliches Aufschreien und Aechzen verbunden. Einzelnes, schrilles Aufschreien, auch im Schlafe, muß auf Hirnleiden aufmerksam machen, ein leises, dumpfes, wenig anhaltendes, mehr seufzendes und stöhnendes Geschrei deutet auf eine Lungenkrankheit. Ist der Schrei heiser und tonlos, so muß man an ein Kehlkopfleiden denken, besonders wenn noch eine schluchzende, deutlich tönende Einatmung erfolgt. Mühsames, leise stöhnendes Wimmern findet sich oft bei schweren, erschöpfenden Krankheiten, bei zu früh geborenen Kindern; sodann macht ein leises, anhaltendes Wimmern den Verdacht auf eine Entzündung der Unterleibsorgane rege; ein Verschwächtes aber ziemlich anhaltendes Schreien ist eine Begleiterscheinung des Fiebers."

Schreit ein gesundes Kind und du hast dich von seinem Wohlsein überzeugt, so laß es ruhig schreien. Du mußt denken, daß das Schreien seine einzige Muskelübung ist, von ihm instinktiv als Thätigkeit betrieben wird, und mußt es etwa so ansehen, wie wenn ein größeres Kind mit sich spricht oder vor sich hinsingt.

Viele Kinder hören bald auf, wenn sie merken, daß niemand von ihrer Aeußerung Notiz nimmt. Das Kind in der Wiege ist bereits heftig, zornig, launig und kennt den Eigensinn. Es schreit aus diesen Ursachen, und deine Erziehung muß dem Kinde schon vom ersten Monat an zeigen, daß es damit bei dir nichts erreicht. In den ersten Wochen erzieht man sich entweder schreiende Nachtvögel oder ruhige, brave Kinder.

 

Tragen auf dem Arm. Das Tragen auf dem Arm ist für das Kind gefährlicher als das Fahren im Kinderwagen und zwar insofern, als durch das fortgesetzte Tragen auf ein und demselben Arm die Körperhaltung des Kindes beeinflußt wird und dasselbe schief werden kann. Da, wo das Tragen Sitte ist und nicht mit dem Fahren vertauscht werden kann, beachte man wenigstens Folgendes:

Schwächliche Kinder trage man liegend. Man setze das Kind nicht eher auf den Arm aufrecht, bis es sich im Bettchen oder Spielplätzchen aufsetzt und in dieser Stellung verharrt. Die Wärterin wechsle regelmäßig mit dem Tragen von Arm zu Arm.

Klopfen des Rückens mit der Hand ist eine Erschütterung des Rückenmarks, die vermieden werden muß. Man kleide den Unterkörper des Kindes auch unter dem Tragmantel recht warm, da bei dem Tragen die Gefahr einer Erkältung weit größer ist als beim Fahren im Kinderwagen, wo der Unterkörper bedeckt und geschützt ist.

 

»Bei meinem Kind mache ich das anders«

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