Ich weiß nicht, ob mans schon gesagt hat, doch ists wol kaum anders möglich, als daß es schon oft gesagt ist, da es jedem so leicht einleuchten muß - daß ein Viertheil der Kinder wenigstens nicht vest genug gebauet sein dürfte, um nicht durch täglich mehrstündiges Tragen in Kindermänteln unhintertreiblich zu Krüppeln werden zu müssen.

Sie hangen da mehr als sie getragen werden, legen immer den einen Arm auf die Schulter oder gegen die Seite der Wärterin, hangen so an diesem Hauptruhepunkte, und daher muß nothwendig ein sehr starker Arm der Wärterin, oder ein außerordentlich vester Körperbau des Kindes dazu gehören, wenn nicht die eine Schulter in die Höhe gehoben und der Rükgrad verschoben werden sol. Doch dies sei nur im Vorbeigehn denen gesagt, welchen das Uebel, wovon ich hier rede, vielleicht noch viel weniger als der ebengesagte Nachtheil einleuchten möchte. Aber den Gefallen können doch verständige Aeltern mir und ihren Kindern leicht thun, daß sie bei jeder etwannigen Ueberraschung darauf merken, wo die Wärterinnen die ledige Hand haben, wenn sie mit dem andern Arm das Kind, sei es Sohn oder Tochter, in dem Mantel tragen. Und finden sie, was sie bei gehöriger Aufmerksamkeit wol nicht selten finden möchten: so mögen sie, wenn ihre Kinder ihnen lieb sind, entweder die Wärterin, oder wenigstens die Mäntel aus dem Hause schaffen. Wolten sie in solch einem Falle auf die schale Ausrede Rüksicht nehmen, daß es ohne Mantel nicht möglich sei, das Kind lange zu tragen: so würden sie sehr unrecht thun. Denn gerade dies beweist ja, daß dasselbe mehr hängt als getragen wird, und in einer unnatürlichen Lage ist. Und worin begründet sich denn die Nothwendigkeit des vielen und langen Tragens? Alles Tragen gibt dem Kinde Gelegenheit, sich seine schiefe Stellung zu geben und in derselben immer mit derselben Schulter gegen zu liegen, und wird also überhaupt leicht Veranlassung der Verkrüpelung. Man gewöhne doch also das Kind mehr zum Sitzen und Liegen, und früher zum Kriechen!

Ueber Kinderunzucht und Selbstbefleckung. Ein Buch bloß für Aeltern, Erzieher und Jugendfreunde, von einem Schulmanne. Gotthilf Sebastian Rötger, 1787, S.146f

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