"Ich kann den Müttern nicht genug empfehlen, die neugebornen Kinder zu sich in's Bett zu nehmen. Der Nutzen hievon für die Kleinen ist so ausgezeichnet, daß es gewiß keine Mutter bereuen wird, diesen Rath befolgt zu haben. Neugeborne Kinder, die man in der Bettwärme der Mutter schlafen läßt, sind viel lebhafter und munterer, sie kommen viel schneller zum Gebrauche ihrer Sinneswerkzeuge, sie werden nicht so leicht krank, und unterscheiden sich durch ihre blühende Gesichtsfarbe gar auffallend von jenen Kleinen, die abgesondert von der Mutter schlafen müssen.

Die ersten neun Tage nach der Entbindung sollten Kindbetterinnen, um nicht in gefährliche Krankheiten zu verfallen, ohnehin nicht aus dem Bette gehen, und darum können sie auch den Säugling beständig in ihrer Wärme erhalten. Nach Verlauf der neun Tage haben die Neugebornen schon so viel an Lebenskraft gewonnen, daß sie am Tage ohne Nachtheil die mütterliche Wärme entbehren können. Bei der Nacht jedoch benöthigen sie diese Wärme wenigstens noch zwei bis drei Monate, und dann erst sollte man sie allmälig gewöhnen, abgesondert in einem eigenen Bettchen zu schlafen."

Pflichten gegen Kinder, Dr. Thomas Joseph Lauda, 1855

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