Wir alle kennen stereotype Darstellungen von Familienmitgliedern - sowohl als Vorurteil als auch in Geschichten. Da ist die Schwiegermutter, die ein Hausdrache ist. Da gibt es den Vater, der unter dem Pantoffel seiner zweiten Frau steht, welche natürlich eine böse Stiefmutter ist. Die leibliche Mutter ist geradezu eine Heilige - ein unerreichbares Ideal - und in Märchen meistens tot. Die Kinder sind entweder arm dran oder unausstehliche Rotzlöffel. Aber was ist eigentlich mit der Tante?

Kinderzimmer gibt es noch gar nicht so lange. Klar, Adlige und die Super-Reichen hatten schon immer viele Zimmer zur Verfügung. Und da sich in diesen Kreisen die Eltern selber kaum um die Kinder kümmerten, hatten diese auch von den Eltern getrennte Räumlichkeiten. Oftmals schlief dann aber das Kindermädchen bei den Kleinen. Doch die breite Bevölkerung kannte Kinderzimmer nicht. Diese kamen erst im Biedermeier auf.

Vor ein paar Wochen habe ich versucht, die Identität von J. von Wedell aufzudecken. Dabei bin ich auf Buch gestoßen, das ich unbedingt haben musste. Es handelt sich um ein Buch, das von Eltern für ihr Kind ausgefüllt werden kann. Es trägt den Titel "Des Kindes Chronik" und ist weit mehr als nur ein Babytagebuch. Es hat Platz für Einträge bis zum Erwachsenenalter.

Das zum Verkauf stehende Exemplar war in Teilen ausgefüllt und enthielt einige Beilagen. Es gab also nicht nur ein Buch, sondern ein Leben zu entdecken. Das konnte ich mir nicht entgehen lassen.

Besonders beliebte Zitate poste ich in unregelmäßigen Abständen gerne wieder und wieder auf den Social Media. Einige von Euch kennen daher schon das folgende Zitat. Auch im Blog könnt Ihr es finden.

Während der Belagerung von Paris im Jahre 1870/71 waren die Frauen wegen Mangels an Kuhmilch gezwungen, ihre Kinder selbst zu ernähren. Die Folge war, daß trotz der sehr ungünstigen sonstigen Verhältnisse die Säuglingssterblichkeit von 33% auf 17% sank.

Die sozialen Ursachen der Säuglingssterblichkeit, Gustav Temme, 1908

Der Dozent der Kinderheilkunde an der Universität zu Bern Dr. med. Hermann Albrecht, hielt dort im Februar 1879 einen öffentlichen Vortrag über die Ernährung nicht gestillter Säuglinge. Dieser Vortrag wurde die Vorlage für sein Büchlein Wie ernährt man ein Neugebornes Kind?, welches er als "unentbehrlichen Wegweiser für Mütter aller Stände, welche gezwungen sind, ihre Kinder ohne Muttermilch großzuziehen," bezeichnete. Darin beschreibt das Kapitel Was lehrt die Mütter die Statistik? eindrücklich die Folgen des Nichtstillens. 

In den nächsten drei Wochen dreht sich im Blog alles ums Stillen und Nichtstillen. Den Anfang machen einige Statistiken. Wir betrachten die unterschiedlichen Stillquoten von ehelich und unehelich Geborenen, die Nutzung von Ammen als Zeichen von Wohlstand, häufig genannte Gründe für das Nichtstillen, sowie die unterschiedliche Anfälligkeit für Krankheiten bei gestillten und nicht gestillten Kindern.

Eines der ersten Bücher, die ich meiner Sammlung historischer Ratgeber hinzufügte, war "Mutter und Kind. Ein Lexikon der Kinderstube". Geschrieben wurde es von J. von Wedell, die auf dem Titelblatt als Verfasserin weiterer Werke wie "Mein Haus, mein Stolz" und "Im Haus und am Herd" angepriesen wird. Das einzige Datum im Buch ist eine lateinische Zahl auf derselben Seite; sie bedeutet 1871. Laut Antiquariat war das Buch jedoch 1898 erschienen und hinter dem Pseudonym verbarg sich eine Helene Freifrau von Schroetter.

Dies ist ein Kapitel aus dem Buch Lebensführung - Eine Anleitung zur Selbsterziehung für die weibliche Jugend von Anton Heinen, 1918. 

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