Wie eine Gesellschaft sich sieht, und was sie sich für ihre Mitglieder wünscht, lässt sich wunderbar daran nachverfolgen, was sie ihren Kindern beibringt. In der Grundschule sollen die Kinder neben Lesen, Schreiben und Rechnen auch Grundlegendes über das (Zusammen-)leben lernen. Im folgenden sehen wir den Lernstoff für eine erste Klasse aus dem Jahr 1853. Die erste Klasse umfasst dabei zwei Schuljahre.

Der Lehrplan geht vom direkten Leben und Erleben der Kinder aus und erklärt ihnen erst mal ihr näheres Umfeld, um sich dann der weiteren Gesellschaft zu widmen. Natürlich spielt die Religion dabei eine starke Rolle. Sie wird als Wissen und als Basis für das geordnete Zusammenleben gelehrt.

Das Tragen von Kindern mit und ohne Hilfsmitteln war auch in deutschsprachigen Gegenden sehr verbreitet. Es wurde nur vom Kinderwagen verdrängt, weil es meist wesentlich weniger praktisch war als dieser.

Der folgende Text stammt aus Pflichten gegen Kinder von Dr. Thomas Joseph Lauda, 1855. Er zeigt uns, wie und warum getragen wurde. Die Nachteile werden so deutlich sichtbar.

Viele der heute als falsch oder gar schädlich erkannte Verhaltensarten gegenüber Babys sind begründet in der Fehlinterpretation der Signale und der Fähigkeiten der Babys. Die Fehlinterpretationen kommen zustande, da aus einem bestimmten Blickwinkel auf das Baby geschaut wird. Dieser Blickwinkel ist abhängig vom (wissenschaftlichen) Wissensstand, dem Zeitgeist und persönlichen Erfahrungen.

Heute stelle ich Euch vier Bücher vor, die Ihr online lesen könnt und die sich mit Kinderspielen beschäftigen.

Das Spiel und Spielen des Kindes ist von jeher als sein eigentliches Lebenselement, als seine erste und alleinige Lebensarbeit angesehen worden. Man sagt, das Kind spielt das ganze kommende Leben, aber es weiß noch nichts und soll noch nichts wissen von der eigentlichen Bedeutung, von dem oft so finsteren Ernst desselben. Näher angesehen stellt das Kind gern alle Verhältnisse, alle Lebensbeschäftigungen dar, die irgend wie in den Kreis seiner Erfahrung getreten sind, oder ein Anderer in seine Anschauung zu bringen versteht.

- Ueber den Geist der Fröbel'schen Kinderspiele und die Bedeutsamkeit der Kindergärten. Dr. Ravoth, Berlin, 1859

Derzeit brennt eine Diskussion darüber, ob Kinderrechte ins Grundgesetz aufgenommen werden sollten. Manche Gegner'innen sind der Meinung, dies würde die Rechte der Eltern beschneiden und der Staat könne einer Familie die Kinder wegen "zu langem Stillen" oder "zu enger Bindung" wegnehmen. Andere Gegner'innen argumentieren, dass das Grundgesetz ja bereits Menschenrechte enthalte, und da Kinder Menschen sind, seien keine weiteren Rechte notwendig.

Vor kurzem habe ich einen Artikel einer rechtsgelagerten Webseite auf Facebook geteilt, der den Titel trug „Gebt den Kindern ihre Mutter zurück“: Die ersten Lebensjahre sind prägend für die ganze Nation. Im begleitenden Kommentar habe ich einen Absatz des Artikels zitiert und geschrieben, dass sich dies lese wie aus den 1930ern. Womit ich nicht gerechnet habe, war, dass anscheinend viele die Problematik der verwendeten Sprache nicht erkennen konnten. Ich habe dann zwei Tage lang versucht, die Problematik zu verdeutlichen. Obwohl einige - auch prominente - Leser'innen meines Blogs mir beiseite standen, ist es uns nicht gelungen, die wichtigsten Punkte zu transportieren.

Wir haben schon mehrfach festgestellt, dass die Säuglingspflege und die Kindererziehung in dem Zeitraum von ca 1830 bis ca 1930 immer strenger und rigoroser wurden. Wir haben das vor allem auf preußische Werte und die Fortschritte in der Medizin zurück geführt. (Nachzulesen z.B. hier, hier und hier.) Was wir aber weitgehend außer Acht gelassen haben, sind die Väter.

"Neugeborene und ganz junge Säuglinge weinen bekanntlich nicht. Sie sondern nach aussen keine Thränen ab, mögen sie noch so stark schreien. Später schreien und weinen die Kinder zugleich und können schreien ohne zu weinen, aber noch viel später sind sie erst im Stande, zu weinen ohne zu schreien."
Die Seele des Kindes - Beobachtungen über die geistige Entwicklung des Menschen in den ersten Lebensjahren, William Preyer, 4. Auflage, 1895

Hier sehen wir mal eine Erklärung dafür, warum in sämtlichen Säuglingspflegebüchern des 19. Jahrhunderts immer vom Schreien der Säuglinge gesprochen wurde, aber nie vom Weinen. Als Weinen galt ausschließlich der Tränenfluss.

Das Bild von der Amme ist geprägt von Missverständnissen und romantischer Verklärung. Heute wollen wir mal ein bisschen damit aufräumen. Da sich der Säuglingspflege-Blog mit der Zeit ab Ende des 18. Jhdt beschäftigt, wollen wir uns auch in dieser Frage auf diese Zeit konzentieren.

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