Das Leben beginnt mit der Geburt. So dachten die Gelehrten früher. Doch Babys bewegen sich im Bauch. Muss den Menschen nicht klar gewesen sein, dass das Kind im Bauch lebt?

Doch, aber die Vorstellung, wie dieses Leben aussah, war von unserer sehr verschieden.

Oktober ist Babyloss Awareness Month. Ungefähr jede vierte Schwangerschaft endet mit dem Verlust des Babys.

Den meisten Menschen ist dies nicht bewusst, denn bis heute ist Fehlgeburt ein Tabuthema. Betroffene schweigen oft aus Trauer, Selbstschutz oder Scham. Die Mitmenschen reagieren oft verständnislos oder spielen den Verlust herunter. Wie sind Familien früher mit dem Verlust umgegangen? Wir betrachten den Zeitraum vom 18. und 19. Jahrhundert.

Neugeborene Babys tun ihren ersten Atemzug normalerweise von allein. Sie brauchen keine Hilfe und schreien erst, wenn ihnen etwas nicht passt. Das Atmen an sich ist nicht ans Schreien gebunden. Dennoch kennen wir alle Bilder von Neugeborenen, die an den Füßen hochgehalten, einen Klaps auf den Po bekommen, damit sie Schreien. Was steckt dahinter?

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wollte man den Frauen die Tortur der Geburt ersparen und erfand den "Twighlight Sleep". Die Gebärenden wurden mittels Medikamenten in einen Dämmerzustand versetzt.

Triggerwarnung. Der folgende Bericht enthält Beschreibungen von kindlichen und mütterlichen Todesfällen.

Im ersten Band von Dr. Lukas Johann Boers Werk über "natürliche Geburtshülfe, und Behandlung der Schwangern, Wöchnerinnen, und neugebornen Kinder. Nach Beobachtungen an der öffentlichen Entbindungsschule in Wien." von 1817 (dritte Auflage) findet sich als letztes Kapitel ein Bericht über die Ereignisse in besagter Entbindungsschule. Er beginnt mit der Schilderung und Aufzählung der Geburten und Todesfälle.

Zu einer Zeit, als Hausgeburten noch die Norm waren und Hebammen ohne Prüfung praktizierendurften, waren Geburtserlebnisse ganz anders als heute in technisierten und von Routine und Hebammenmangel geprägten Krankenhäusern ohne 1:1-Betreuung.

Eine 1:1-Betreuung - wenn nicht durch eine Hebamme, dann wenigstens durch eine Doula- kann das Geburtergebnis und -erlebnis signifikant verbessern. Das wusste man auch schon 1883.

"Früher waren Geburten aus Beckenendlage normal. Da wurde kein Bohei drum gemacht wie heute." Sätze wie diesen habe ich schon häufiger gelesen. Das ist zum Teil richtig, zum Teil auch nicht. Zum einen gibt es verschiedene Varianten des Beckenendlage, zum anderen wurde früher auch um den Tod von Mutter oder Kind "kein Bohei" gemacht. Alles rund um die Geburt war halt gottgewolltes Schicksal.

Im frühen 19. Jahrhundert wurden in den Kirchenbüchern im Bistum Passau interessanterweise der Geburtsmodus und die betreuende Hebamme notiert. Diese Bücher sind online einsehbar und ich habe folgende kleine Statistik erstellt.
In den Jahren 1810-1814 gab es in der Gemeinde Kirn (heute zu Ering am Inn) insgesamt 100 Geburten, darunter eine Zwillingsgeburt. Die Geburten waren:

Es begann Anfang der 1970er, dass Väter in den Kreißsaal drängten, und es dauerte bis Mitte der 1980er, dass  sich ihre Anwesenheit etablierte.

Und davor? Erst als die Geburt von Zuhause in den Kreißsaal verlegt wurde, wurden die Väter vom Ort des Geschehens fern gehalten. Davor gab es vielleicht keine feste Tradition, die den Vater einschloss, doch selten scheint die Anwesenheit der Väter bei der Geburt nicht gewesen zu sein.

Dieser Artikel erschien zuerst in der Deutschen Hebammen Zeitschrift (DHZ) 3/2010

Heute sind sich ExpertInnen einig, was für ein gelungenes Bonding wichtig ist: die erste Zeit unmittelbar nach der Geburt. Und wenn ein Kontakt zwischen Mutter und Kind dann nicht möglich ist, sei es durch Kaiserschnitt, Frühgeburt, Klinikroutine oder sonstiges, so ist es umso notwendiger, dass Mutter und Kind ein inniges gemeinsames Wochenbett verbringen.

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