Familienleben einst & heute

"Wohlmeynender Rath für Aeltern" aus 300 Jahren Erziehungsratgebern und wie dieser sich bis heute auswirkt.

Die "Liebig'sche Suppe" gilt als erster moderner Muttermilchersatz. Als Justus von Liebig seine "Suppe" 1865 erfand, lebte er in München und war Professor an der dortigen Universität. Seine eigenen Kinder waren längst erwachsen.

Ein früher Konkurrent der Liebig'schen Suppe war das Nestlé'sche Kindermehl. Henri Nestlé erfand es 1867 in Vevey, in der Schweiz. Er war 53 Jahre alt und kinderlos. Geboren wurde er in Frankfurt am Main und seine Familie stammte aus Schwaben.

Neugeborene Babys tun ihren ersten Atemzug normalerweise von allein. Sie brauchen keine Hilfe und schreien erst, wenn ihnen etwas nicht passt. Das Atmen an sich ist nicht ans Schreien gebunden. Dennoch kennen wir alle Bilder von Neugeborenen, die an den Füßen hochgehalten, einen Klaps auf den Po bekommen, damit sie Schreien. Was steckt dahinter?

Ich bin wieder aus der Sommerpause zurück und habe in der Zwischenzeit Fanpost bekommen. Zwei Leserinnen haben mir ein Buch, Broschüren und alte Werbe-Flyer zugeschickt. Yay! Zum ersten Mal habe somit jetzt auch Material aus der und speziell für die DDR.

Die folgenden Beikostempfehlungen stammen aus dem Buch "Guter Rath an Mütter" von Christoph Wilhelm Hufeland, 3. Auflage, 1830.

Wie zu seiner Zeit allgemein üblich, empfiehlt Hufeland neun Monate lang zu stillen, bis die ersten Zähne durchgebrochen sind. Er ist allerdings der Meinung, dass das nicht bei vielen Frauen möglich sei.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wollte man den Frauen die Tortur der Geburt ersparen und erfand den "Twighlight Sleep". Die Gebärenden wurden mittels Medikamenten in einen Dämmerzustand versetzt.

Die folgenden Beikostempfehlungen stammen aus dem Buch "Die ersten Mutterpflichten und die erste Kinderpflege", Friedrich August von Ammon, 6. verbesserte Auflage, Leipzig, 1854

Wie so viele andere Autoren empfiehlt auch von Ammon, neun Monate lang zu stillen. Allerdings fängt bei ihm die Beikosteinführung ebenfalls erst ungefähr zu diesem Zeitpunkt statt, und nicht schon deutlich früher wie bei anderen Autoren. Nachdem die ersten Zähne vollständig da sind, wird die Mittagsmahlzeit ersetzt. Von Ammon betont sehr, wie wichtig es für die Gesundheit von Mutter und Kind ist, langsam abzustillen. Darunter versteht er, eine Mahlzeit pro Woche zu ersetzen, so dass nach vier bis fünf Wochen nur noch eine Stillmahzeit übrig ist, die dann auch bald entfallen kann.

Wenn frau nicht stillt, wie findet sie dann eine Amme für ihr Kind? Sie muss eine Frau finden, die selber vor nicht allzulanger Zeit ein Kind bekommen hat. Da es sich um ein Angestelltenverhältnis handelt, wird die Amme aus der Arbeiterschicht kommen, also gesellschaftlich geringer gestellt sein, als die suchende Mutter. Außerdem wird von der Amme erwartet, dass sie im Hause der Arbeitgeber lebt und ihr eigenes Kind nicht mitbringt. Man sucht also eine Frau, die das Geld wirklich dringend braucht, denn ohne Not trennt sich keine Mutter von ihrem Säugling.

"Höchst merkwürdig und beachtenswerth ist der Einfluß, den Krankheiten auf das Gemüth des Kindes haben; dasselbe entwickelt sich etwa im fünften oder sechsten Jahre oft wunderbar während des Verlaufs derselben."

So schreibt Friedrich August von Ammon in den "Mutterpflichten" 1892. Er behauptet also, Krankheiten seien gut für die Entwicklung des Kindes in einem gewissen Alter. Wie kann das sein? Einen ersten Hinweis gibt der nächste Satz:

"Wie Kinder fast immer vom Krankenlager physisch gewachsen erstehen, so erstehen sie auch in ihrem Gemüthe reifer und innerlicher, als sie sich legten."

Die folgenden Beikostempfehlungen stammen aus dem Buch "Anleitung für Landleute zu einer vernünftigen Gesundheitspflege", 3. Auflage, Heinrich Felix Paulitzky, 1798

Ende des 18. Jahrhunderts empfahl Heinrich Felix Paulitzky, nicht vor dem vierten oder fünften Monat Beikost zu geben. Mit sechs Monaten bekommt das Kind höchstens eine Breimahlzeit und ansonsten die Brust. Erste Beikost ist ein Getreidebrei aus alten Brötchen mit Milch oder Wasser. Die Breie werden zwar speziell für die Kinder zubereitet, generell sind Breie aber auch fester Bestandteil des Essens der Erwachsenen, so dass man die Breigabe als Heranführung an den Familientisch auffassen kann.

Im 18. Jahrhundert hielt man Fieber mitunter noch für eine eigenständige Krankheit. Man unterschied unter anderem zwischen hitzigem Fieber, Faulfieber, Wechselfieber, schleichendem Fieber und anhaltendem Fieber. Da man noch nicht viel über die Vorgänge im menschlichen Körper wusste und Aberglaube weit verbreitet war, gab es viele Quacksalber, die allerlei Mittel gegen Fieber verkauften. Die Medizin selbst steckte noch in den Kinderschuhen und vieles war Trial and Error.

Die folgenden Beikostempfehlungen stammen aus dem Buch "Mutter und Säugling in gesunden und kranken Tagen", Helene Howad, Franz Deuticke Verlag, Wien, 1954

Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts war die Beikosteinführung schon sehr weit nach vorne verlegt worden und so beschreibt es auch Helene Howad.

Triggerwarnung. Der folgende Bericht enthält Beschreibungen von kindlichen und mütterlichen Todesfällen.

Im ersten Band von Dr. Lukas Johann Boers Werk über "natürliche Geburtshülfe, und Behandlung der Schwangern, Wöchnerinnen, und neugebornen Kinder. Nach Beobachtungen an der öffentlichen Entbindungsschule in Wien." von 1817 (dritte Auflage) findet sich als letztes Kapitel ein Bericht über die Ereignisse in besagter Entbindungsschule. Er beginnt mit der Schilderung und Aufzählung der Geburten und Todesfälle.

»Bei meinem Kind mache ich das anders«

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