Familienleben einst & heute

"Wohlmeynender Rath für Aeltern" aus 300 Jahren Erziehungsratgebern und wie dieser sich bis heute auswirkt.

"Die Ernährung des Kindes in der ersten Lebenszeit ist für den Staat keine gleichgiltige Sache; denn sie hat auf den allgemeinen Gesundheitszustand und auf das Sterblichkeits-Verhältniß der Bevölkerung einen sehr bedeutenden Einfluß, und viele Menschen werden durch Mißgriffe in der Ernährung während der ersten Lebensperiode für immer schwächlich und kränklich. 

Heute wird's blutig. Wir reden über die Monatsreinigung, das Unwohlsein, das Geblüt, das Monatliche, den Monatsfluß, die Regel, die Periode, die Menstruation. Oder anders ausgedrückt: über das blutgetränkte Gewebe, das Gebärmütter während der fruchtbaren Jahre häufiger mal ausstoßen.

Wenn Dir diese Beschreibung schon zu viel war, lies lieber nicht weiter! Und wenn Du meinst, dieses Thema hätte nichts mit Säuglingspflege zu tun, dann geh nochmal in Dich und überlege Dir, wo die kleinen Kinder her kommen.

Triggerwarnung: Beschreibung von Komplikationen unter der Geburt, Kindstod.

Jahrzehntelang wurde Schwangeren nicht erlaubt, ihre Kinder aus Beckenendlage zu gebären. Der Kaiserschnitt galt als sicherer. Das führte dazu, dass Geburtshelfer'innen unzureichend in vaginalen BEL-Geburten ausgebildet wurden, wodurch diese noch unsicherer wurden. Heute ist es sehr oft möglich, ein Kind aus BEL zu gebähren, aber nicht immer ist das das Beste für Mutter und Kind. Eine BEL-Geburt ist schwieriger als eine Geburt aus Schädellage.

Vor kurzem habe ich einen Artikel einer rechtsgelagerten Webseite auf Facebook geteilt, der den Titel trug „Gebt den Kindern ihre Mutter zurück“: Die ersten Lebensjahre sind prägend für die ganze Nation. Im begleitenden Kommentar habe ich einen Absatz des Artikels zitiert und geschrieben, dass sich dies lese wie aus den 1930ern. Womit ich nicht gerechnet habe, war, dass anscheinend viele die Problematik der verwendeten Sprache nicht erkennen konnten. Ich habe dann zwei Tage lang versucht, die Problematik zu verdeutlichen. Obwohl einige - auch prominente - Leser'innen meines Blogs mir beiseite standen, ist es uns nicht gelungen, die wichtigsten Punkte zu transportieren.

(irgendwie ist das, was jetzt folgt, Werbung, weil ich Namen und Marken nenne, aber eigentlich geb ich nur damit an, was für großartige Menschen ich kenne)

Wie Ihr ja sicher mitbekommen habt, war ich am Wochenende auf der Familienkonferenz für Elternschaft, Bindung und Beziehung (kurz FEBuB). Ich hatte im Vorfeld lange überlegt, ob ich kommen sollte, weil das Ticket nicht gerade billig war und mich nur wenige der Vorträge genug reizten, um extra aus Großbritannien anzureisen. Was mich enorm reizte war, dass ich dort so viele großartige Menschen wieder oder zum ersten Mal treffen würde, dass es Gelegenheit zum Netzwerken geben würde, und der Workshop von Nina Jaros und Ravna Marin Siever. Also hab ich mir einen Schubs gegeben, mit meinem Mann abgesprochen, dass er an dem Reise-Freitag von zuhause arbeiten kann, und, wow, hat sich das gelohnt!

"Strafe muss sein", so dachten Eltern lange Zeit. Aber das Leben ist nicht schwarz und weiß. Nicht alle Eltern gingen diesen Weg. Es gab auch Eltern, die von Strafen nichts hielten. Es gab auch Versuche von "logischen Konsequenzen" und "Aufbauen statt Herunterziehen". Das ist alles nicht neu. Werfen wir einen Blick auf eine Auswahl verschiedener Ansätze.

Das Leben beginnt mit der Geburt. So dachten die Gelehrten früher. Doch Babys bewegen sich im Bauch. Muss den Menschen nicht klar gewesen sein, dass das Kind im Bauch lebt?

Doch, aber die Vorstellung, wie dieses Leben aussah, war von unserer sehr verschieden.

Wir haben schon mehrfach festgestellt, dass die Säuglingspflege und die Kindererziehung in dem Zeitraum von ca 1830 bis ca 1930 immer strenger und rigoroser wurden. Wir haben das vor allem auf preußische Werte und die Fortschritte in der Medizin zurück geführt. (Nachzulesen z.B. hier, hier und hier.) Was wir aber weitgehend außer Acht gelassen haben, sind die Väter.

"Neugeborene und ganz junge Säuglinge weinen bekanntlich nicht. Sie sondern nach aussen keine Thränen ab, mögen sie noch so stark schreien. Später schreien und weinen die Kinder zugleich und können schreien ohne zu weinen, aber noch viel später sind sie erst im Stande, zu weinen ohne zu schreien."
Die Seele des Kindes - Beobachtungen über die geistige Entwicklung des Menschen in den ersten Lebensjahren, William Preyer, 4. Auflage, 1895

Hier sehen wir mal eine Erklärung dafür, warum in sämtlichen Säuglingspflegebüchern des 19. Jahrhunderts immer vom Schreien der Säuglinge gesprochen wurde, aber nie vom Weinen. Als Weinen galt ausschließlich der Tränenfluss.

Oktober ist Babyloss Awareness Month. Ungefähr jede vierte Schwangerschaft endet mit dem Verlust des Babys.

Den meisten Menschen ist dies nicht bewusst, denn bis heute ist Fehlgeburt ein Tabuthema. Betroffene schweigen oft aus Trauer, Selbstschutz oder Scham. Die Mitmenschen reagieren oft verständnislos oder spielen den Verlust herunter. Wie sind Familien früher mit dem Verlust umgegangen? Wir betrachten den Zeitraum vom 18. und 19. Jahrhundert.

Oh doch, Allergien gab es schon immer. Sie hatten nur andere Namen. Mitunter wurden auch die Auslöser erkannt, insbesondere wenn es sich um Lebensmittel handelte, aber die Mechanismen dahinter sind bis heute noch nicht vollständig erforscht.

Jetzt buchen!

Die Anmeldung für folgende Webinare läuft:

Brusternährung und Säugegeschäft

Termin: 12. Jan 2023
Frühbuchungspreis: 40 €
Normalpreis: 50 € 

Generationenkonflikte einst & heute

Termin: 26. Jan 2023
Frühbuchungspreis: 35 €
Normalpreis: 45 € 

weitere Termine und Kurse hier.

»Bei meinem Kind mache ich das anders«

Unterstützen

Dieser Blog lebt durch Crowdfunding. Jedes bisschen hilft.

Steady: Hier kannst Du den Newsletter abonnieren und den Blog durch monatliche oder jährliche Beiträge unterstützen.
Patreon: Alternative zu Steady. Hier sind nur monatliche Beiträge möglich.

Steady und Patreon bieten verschiedene Förderstufen mit diversen Vorteilen für Dich. Schau doch mal rein!

Ko-Fi: Spendiere mir einen Kaffee! (Crowdfunding durch Einmalzahlung über PayPal.)

Herzlichen Dank für Deine Unterstützung!

Familienforschung