Im Jahr 1866 machten sich drei Brüder aus einem Dorf bei Osnabrück im Königreich Hannover auf den Weg in die USA. Heinrich, Bernhard und Friedrich Bergstermann gingen in Bremen an Bord der S.S. Hansa und erreichten New York am 27 September. Heinrich, der sich nun Henry nannte, und Bernhard zogen weiter nach St.Louis City, Missouri. Friedrich (Fred) zog zunächst nach Chicago, Illinois, und schließlich 1891 nach Janesville, Wisconsin. Es hat Jahre gedauert, ihre ereignisreichen Leben zu rekonstruieren. Dies ist ihre Geschichte.

In 1866 three brothers from a village near Osnabrück in the Kingdom of Hanover emigrated to the U.S.A.. Heinrich, Bernhard, and Friedrich Bergstermann boarded S.S. Hansa in Bremen and arrived in New York on 27 September. Heinrich, who changed his name to Henry, and Bernhard went to live in St. Louis, Missouri. Friedrich (now Fred) first moved to Chicago, Illinois, and in 1891 to Janesville, Wisconsin. It took years to reconstruct their tumultous lives. This is their story.

Im Geburtsregister für uneheliche Kinder aus den Jahren 1802-1880 der Gemeinde Münchham findet sich folgender Eintrag eines Findelkindes:

"Nothburga ein gelegtes Kind bey der Obern Mühler gefunden den 7ten Oktober 1816" Als Taufpatin fungierte die Müllerin der Obermühle, Theresia Braun.

Nachträglich wurden als Eltern eingetragen: Josef Reiter, Mühlzurichter von Münchham, und Margaretha Schaund oder Schauner aus dem Landgericht Vilshofen. Als Geburtstag wurde der 30. September 1816 angegeben. Nothburga war in Ulbering geboren worden.(Quelle)

Am 2. März 1848 heiratete Nothburga Reiter den Bauerssohn Joseph Unterbichler vom Klezlgut, Gemeinde Münchham. (Quelle) Das Paar übernahm dann das Klezlgut von Josephs Eltern und hatte mindestens einen Sohn. (Quelle)

Anlässlich seines Todestages erinnere ich heute an Josef Roiter, den zweiten Ehemann meiner Ururgroßmutter Amalia Wild geb. Schleindlsperger. Beide sind auf obigem Foto zu sehen.

Am 12.3.1945 wurde Josef Roiter im Alter von 55 Jahren von den Nazis ermordet, weil er sich gegen seinen Einberufungsbefehl gewehrt hat. Josef Roiter war Bauer auf dem Huberhof zu Winklham, Simbach am Inn.

Amalia hatte bereits zwei ihrer Söhne im Krieg verloren. Laut Familienanekdote soll Josef nach Erhalt des Einberufungsbefehls wutentbrannt nach Simbach zum Ortsgericht gefahren sein. Dort habe er das Portrait H*tlers von der Wand genommen und dem Richter über den Kopf gehauen mit den Worten "mich kriegt ihr nicht!"

Fest steht, dass er bald darauf zuhause abgeholt und verschleppt wurde. Vermutlich nach Dachau. Einige Tage später wurde seine zertrümmerte Leiche nackt in einem Sack des Nachts auf den Hof geworfen. Ein schrecklicher Tod für einen aufrechten Mann und ein Trauma für seine Familie.

Requiescat In Pace.

Edit 11.8.2022: Im alten Blog gab es eine Kommentarfunktion. Dort wurde am 19.4.2018 folgendes gepostet:

"Sg Frau Bergstermann;,
ich wohne in D-84375 Kirchdorf a.Inn bei Simbach a.Inn und bin ein Grossneffe des Josef Roiter, der tragisch ums Leben kam. Die von Ihnen geschilderte Geschichte kannte ich aber bisher nicht. Den Huberhof in Winklham kenne ich. Josef Roiter stammte aus dem nahen Dattenbach, Sohn des Bauern und Buergermeisters Franz Roiter, durch einen Betriebsunfall etwas behindert und wurde daher mit der viel aelteren Bauernwitwe Wild in Winklham "verheiratet", um versorgt zu sein.  In spaeterem Alter wurde er wahnsinnig und soll in der Nervenheilanstalt Gabersee in Oberbay. verstorben sein. Wahrscheinlich im Rahmen der Euthanasie im Dritten Reich umgebracht. So habe ich es von meinen Vorfahren her gehoert. Ich selbst bin 1943 geboren, also 2 Jahre vor seinem Tod.
Viele Gruesse nach England von Otto Dorfner."

Es gab privat dann noch einen sehr interessanten Austausch mit Herrn Dorfner. Es ist faszinierend, wie unterschiedlich Geschichten in Teilen einer Familie weitergegeben werden. Weitere Nachforschungen sind hier angebracht.

Es war einmal eine junge Bauerstochter namens Amalia Wild. Sie war das dritte von sieben Kindern. Ihr Vater war gestorben als sie acht Jahre alt war und so lebte sie mit ihrer Mutter, ihrem Stiefvater und den Geschwistern auf dem elterlichen Hof, dem Hubergut.

Martin Duschl, Sohn des Bauernpaares Johann Duschl und Magdalena geb. Huber von Berging bei Stubenberg, wurde am 12. November 1806 geboren und starb am 10. Mai 1881 im Alter von 75 Jahren. Er war Atheist.

Mein Opa Heinz hatte den Schalk im Nacken.

Er hatte immer einen Spruch auf den Lippen. Ich weiß, dass manche Eltern einen Teil dieser Sprüche ernsthaft in der Erziehung ihrer Kinder verwendet haben. Aber Opa hat sie immer im Scherz gesagt.

Kommste mit?
Wohin?
Übern Zaun. Äppel klaun.

Gut hören kann se schlecht, aber schlecht sehen kann se gut.

Kinder, die was wolln, kriegen was auf die Bolln.

Kennste Blumento-Pferde?

Das Berühren der Figüren mit den Pfoten ist verboten.

Ich geh kaputt. Gehste mit?

Komm, wir spielen doof. Du bisses.

Mach die Augen zu. Was du dann siehst, gehört dir.

Heute gibt's kalte Küche. Wir machen alle Fenster auf und stellen nen Eimer Wasser auf den Tisch.

Und manchmal war auch ein Gedicht dabei.

Frau von Hagen,
darf ich's wagen,
sie zu fragen,
wieviel Kragen
sie getragen
als sie lagen
krank am Magen
im Spital zu Kopenhagen?

Heute wäre mein Opa 91 Jahre alt geworden.

Schon immer haben mich die Geschichten von früher interessiert, die meine Oma so gern erzählte. Ich konnte sie gar nicht oft genug hören. Dann waren da die vielen "Tanten" und "Onkel", bei denen ich nie so recht durchblickte, wer eigentlich wie mit wem verwandt war. Oft hörte ich auch "Grüß schön. Das ist ein Cousin von deinem Opa." Und ich dachte mir "Wieviele davon hat er eigentlich?". Als mein Opa Heinz dann starb, wurde mir klar, dass mit ihm viel Wissen um die Familiengeschichte gestorben war, und ich machte mich an die Arbeit, diese Geschichte zu erforschen. Dabei interessieren mich nicht nur die bloßen Lebensdaten, sondern auch die Personen, die dahinter steckten. Wie haben sie gelebt? Was haben sie erlebt?

Heute weiß ich, mein Opa hatte 12 Cousins und Cousinen plus dazugehörige Partner, die ebenfalls so bezeichnet wurden. Auch meine Großeltern mütterlicherseits können eine große Verwandtschaft aufweisen. Auch wenn hier scheinbar der Schwerpunkt auf meinem Familiennamen liegt, so bin ich doch an meiner anderen Verwandtschaft genauso interessiert.

Update 31.8.2011: Seit kurzem sind die Pfarrbücher des Bistums Passau online einsehbar! Das heißt für mich, dass ich nun endlich auch meine niederbayerischen Vorfahren erforschen kann. Ich bin absolut begeistert! Ich habe schon jetzt über 80 neue Vorfahren (nebst Geschwistern) hinzufügen können.

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