Die Erhöhung des Stillens zu einer heiligen Pflicht und zum Zeichen wahrer Mutterliebe war nicht wirklich förderlich für die Stillquoten. Warum wohl?

„Wer nicht stillt, ist keine ganze Mutter. Das Stillen, durch die Natur geadelt, geheiligt, bei der die Mutter von ihrem eignen Saft in innigster Berührung von Körper zu Körper ihrem Kinde zu trinken gibt, entfacht es nicht erst recht eigenentlich das Gefühl der tiefen Mutterliebe, die der Mutter die Kraft verleiht, sich für ihr eigen Fleisch und Blut aufzuopfern, jetzt und ihr ganzes Leben, was auch kommen mag?“

"Pflege und Ernährung des Säuglings - Ein Leitfaden für Pflegerinnen", Dr. M. Pescatore, 1906

"Als wirklich gesundes Kind kann nur das Brustkind gelten! Alle anderen sind, wenn sie noch so gut auf künstliche Weise ernährt werden, zwar nicht gerade krank, aber doch nicht normal."

"Der Säugling", Walter Kaupe, 1907

„Zorn überkommt mich, wenn ich immer wieder höre: 'die Mutter wollte, aber konnte beim besten Willen nicht stillen.' Kann sie es nicht, dann /lerne/ sie es, lerne es mit Hilfe des Arztes, mit Hilfe der Hebamme. Aber Unwissenheit und Faulheit - wer kämpft mit Erfolg gegen sie? Vielleicht gelingt es dir, mein kleines Büchlein, hierin etwas zu bessern. Jedenfalls erlahme nicht immer und immer wieder die Urweisheit, den Ursatz aller Säuglingshygiene zu predigen: Mütter, stillt Eure Kinder!“

Aus "A-B-C für junge Mütter", Dr. Ziegelroth, 1914

Wie fühlt man sich da?

Eine Mutter, die -aus welchen Gründen auch immer- nicht stillen will, wird sich wohl kaum überzeugen lassen, wenn man ihr Vorwürfe macht. Und für Mütter, bei denen das Stillen nicht geklappt hat, sind solche Aussagen nur Salz in die Wunde.

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