Für alleinstehende Frauen mit Kindern gab es früher nicht viele Optionen. Fabrikarbeiterinnengaben ihre Kinder oft in Obhut oder ließen sie allein zuhause. Dienstmägde und Ammen gaben ihre Kinder in Pflege. Eine Frau, deren Ehemann starb, konnte sich erneut verheiraten, um ihren und der Kinder Unterhalt zu sichern. Doch was geschah, wenn der Mann im Gefängnis sass?

Vor ein paar Wochen habe ich versucht, die Identität von J. von Wedell aufzudecken. Dabei bin ich auf Buch gestoßen, das ich unbedingt haben musste. Es handelt sich um ein Buch, das von Eltern für ihr Kind ausgefüllt werden kann. Es trägt den Titel "Des Kindes Chronik" und ist weit mehr als nur ein Babytagebuch. Es hat Platz für Einträge bis zum Erwachsenenalter.

Das zum Verkauf stehende Exemplar war in Teilen ausgefüllt und enthielt einige Beilagen. Es gab also nicht nur ein Buch, sondern ein Leben zu entdecken. Das konnte ich mir nicht entgehen lassen.

Eines der ersten Bücher, die ich meiner Sammlung historischer Ratgeber hinzufügte, war "Mutter und Kind. Ein Lexikon der Kinderstube". Geschrieben wurde es von J. von Wedell, die auf dem Titelblatt als Verfasserin weiterer Werke wie "Mein Haus, mein Stolz" und "Im Haus und am Herd" angepriesen wird. Das einzige Datum im Buch ist eine lateinische Zahl auf derselben Seite; sie bedeutet 1871. Laut Antiquariat war das Buch jedoch 1898 erschienen und hinter dem Pseudonym verbarg sich eine Helene Freifrau von Schroetter.

Menschen müssen nicht berühmt sein, um interessant zu sein. In Kirchen- und Staatsarchiven schlummern unentdeckt die Biographien von Held'innen des Alltags. 

Anna Goder (1817-1892) war die uneheliche Tochter von Magdalena Aigner (1774-1825), einer Bauerstochter vom Jetzlbauern-Gut in Münchham (heute zu Ering am Inn gehörend) und dem Bauersknecht Michael Gatterer oder Gatter aus Braunau am Inn. Über den Vater ist nichts weiteres bekannt, insbesondere nicht, ob es einen Kontakt zwischen ihm und seiner Tochter gab. Dennoch erhielt Anna seinen Nachnamen. Es gab noch keine Regeln für das Schreiben von Nachnamen, so wurde Annas Name durch den Dialekt zunächst zu Gader und später zu Goder. 

Die Monacensia der Münchener Stadtbibliothek hat zur Blogparade Frauen und Erinnerungskultur #femaleheritage aufgerufen. Dieses Thema passt perfekt zum Säuglingspflege-Blog in der Kategorie Lebenslinien. Sofort war mir klar, dass ich da mitmachen muss. Doch über wen schreibe ich? Zunächst wollte ich über eine der Frauen schreiben, deren Lebensläufe ich im Rahmen meiner Familienforschung entdeckt habe. Besonders mein diesjähriges Sommerprojekt, das Ortsfamilienbuch von Münchham, bietet da so einige interessante Personen, über die ich definitiv noch berichten werde. Doch für diese Blogparade habe ich mich letztlich entschieden, über eine der ersten promovierten Gynäkologinnen Deutschlands, Charlotte Heidenreich von Siebold, zu schreiben. Denn auch wenn Charlotte von Siebold keine Unbekannte ist, so ist sie doch viel zu wenig bekannt.

Kreszens Bräu war die Nachfolgerin der Ortshebamme Katharina Mayrhofer in Münchham (heute zu Ering am Inn, Niederbayern). Ihr Lebenslauf war jedoch ganz anders.

Kreszens Bräu wurde als Crescentia Desser am 21. Juli 1814 in Münchham geboren. Sie war das dritte von acht Kindern (sieben Töchter und ein Sohn) des Baders (Arztes) Johann Desser und seiner Frau Maria geb. Werndl, einer Müllertochter. Auch ihr Großvater war schon Bader in Münchham gewesen. Maria Desser ließ alle ihre Geburten von Katharina Mayrhofer begleiten.

In den Kirchenbüchern des Bistums Passau wurden im 19. Jahrhundert die betreuenden Hebammen bei den Geburten notiert. Ich habe diese Daten schon einmal für eine kleine Geburtenstatistik für das Örtchen Kirn für die Jahre 1810-1814 genutzt. Die Daten bieten eine Fülle an Möglichkeiten der Auswertung. Heute habe ich mir eine der Hebammen aus der genannten Statistik vorgenommen und versucht, ihren Lebensweg nachzuverfolgen.

Heute, am 10.2.2020 wäre meine Oma 95 Jahre alt geworden.

Ich habe als Kind häufig die Ferien bei meinen Großeltern verbracht. Ich habe es geliebt, wenn Oma mir von früher erzählt hat.

Als ich vor einiger Zeit meine Leser'innen bat, mir für die Themenwoche "Kinder im Krankenhaus" ihre Erfahrungen zu schildern, schrieb mir auch Johanna. Sie habe die ersten zehn Jahre ihres Lebens im Krankenhaus verbracht, aber das sei in Südafrika gewesen;  ob mich das denn auch interessieren würde? Natürlich!

So durfte ich Johannas Geschichte lesen und war tief bewegt. Ich konnte ihren Bericht nicht einfach zu den anderen reihen. Diese Powerfrau hat ihren eigenen Beitrag verdient. Ihr werdet mir zustimmen. Lest selbst.

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»Bei meinem Kind mache ich das anders«

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