Im 19. Jahrhundert gewannen Ärzte immer mehr Einfluss auf die Kindererziehung. Um ihre neumodischen Regeln und Methoden zu verbreiten, mussten sie sich vor allem gegen Traditionen durchsetzen. Das wiederum bedeutete, die Erziehung der Großmütter zu diskreditieren. Im folgenden sehen wir einige Beispiele dafür in chronologischer Reihenfolge. Es wird deutlich, dass der Ton immer harscher wird, analog zur steigenden Härte in den Erziehungmethoden.

Wir alle kennen stereotype Darstellungen von Familienmitgliedern - sowohl als Vorurteil als auch in Geschichten. Da ist die Schwiegermutter, die ein Hausdrache ist. Da gibt es den Vater, der unter dem Pantoffel seiner zweiten Frau steht, welche natürlich eine böse Stiefmutter ist. Die leibliche Mutter ist geradezu eine Heilige - ein unerreichbares Ideal - und in Märchen meistens tot. Die Kinder sind entweder arm dran oder unausstehliche Rotzlöffel. Aber was ist eigentlich mit der Tante?

Jean-Jacques Rousseau wird allgemein als der Entdecker der Kindheit gefeiert. 1762 veröffentlichte er mit Émile, ou de l'éducation das erste Buch, das als Erziehungsratgeber angesehen werden könnte. Weit verbreitet ist die Ansicht, dass davor Kinder einfach nur als kleine Erwachsene betrachtet wurden. Das ist jedoch wenig plausibel.

"Erziehung" ist so ein weit verbreiteter Begriff und dennoch herrscht Uneinigkeit darüber, was er eigentlich bedeutet. Hier eine Zusammenstellung verschiedener Definitionen von Dr Friedrich Kirchner, Oberlehrer am königlichen Realgymnasium zu Berlin, aufgeführt in seinem Buch Katechismus der Pädagogik von 1890.

"Affenliebe" war ein weit verbreiteter Begriff für Verhätscheln und Versorgen von Kindern, das als übermäßig angesehen wurde. Eltern, die ihr Kind nach Strich und Faden "verwöhnten", überschütten es mit "Affenliebe". Sie ging über das eh schon verpönte "Verwöhnen" hinaus, indem "verwöhnen" - also das Gewöhnen an etwas falsches oder gar schädliches - in einzelnen Punkten und auch unabsichtlich geschehen konnte. Hinter der "Affenliebe" jedoch steckte eine Absicht der Eltern. 

Prügel, Schläge, Klappse - körperliche Gewalt wird seit Ewigkeiten dazu benutzt, um Kindern ein bestimmtes Verhalten aufzuzwingen oder abzugewöhnen. Wie ein Kind richtig zu strafen sei, wurde in vielen Ratgebern aufgegriffen. Daher ist es besonders erbaulich, wenn wir uns vor Augen führen, dass es zu jeder Zeit Eltern gegeben hat, die von dieser Art zu strafen nichts hielten.

1. Schreien ist für Babys, was Singen und Hüpfen für Kinder ist.

"Das natürliche  Schreien des Kindes - und wie werden noch sagen, woran man dieses erkennen kann - ist ein Bedürfniß für dasselbe und gereicht darum zum Nutzen seiner Lebensentwicklung. In erster Zeit ist das Schreien nichts anderes als das Bestreben, Lebenskraft zu äußern, seinem Kraft- und Daseinsgefühle einen Ausdruck durch Bewegung zu geben, wie ein älteres Kind dies durch Singen, Hüpfen und alle Arten von Muskelactionen ausdrückt. Das kleine Kind hat aber keine anderen willkürlichen Bewegungen als die der Brust-, Kehl- und Bauchmuskeln, also der Bewegungsorgane des Athmens; diese bethätigt es und sein Ausathmen wird zum Schrei."
Die Mutter, Hermann Klencke, 1875

Spielen und Kinder gehören untrennbar zusammen. Heute schauen wir uns einige schöne Beispiele an, was Autor'innen vergangener Zeit darüber zu sagen hatten.

"Strafe muss sein", so dachten Eltern lange Zeit. Aber das Leben ist nicht schwarz und weiß. Nicht alle Eltern gingen diesen Weg. Es gab auch Eltern, die von Strafen nichts hielten. Es gab auch Versuche von "logischen Konsequenzen" und "Aufbauen statt Herunterziehen". Das ist alles nicht neu. Werfen wir einen Blick auf eine Auswahl verschiedener Ansätze.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwarf die Österreicherin Hedwig Reich einen Kurs zur Kinderpflegerin. Dieser Kurs war in erster Linie als berufliche Qualifikation gedacht, aber auch als Lehrstück für zukünftige Mütter. Die Kursinhalte sind uns erhalten geblieben, da Hedwig Reich 1913 ein Lehrbuch dazu geschrieben hat. Das Buch ist eine erweiterte Ausgabe ihres Handbuchs für Mütter von 1912.

Immer wieder tauchen in den Erziehungsratgebern Berichte aus anderen Ländern auf. Der Vergleich dient manchmal als Vorbild, manchmal als Gegenargument. Aus heutiger Sicht ist es interessant zu sehen, welche Abweichungen es gab, und ob diese insgesamt auf eine andere Einstellung gegenüber Kindern hindeuten oder nicht, so wie diese Behandlung einer amerikanischen Familie auf Besuch in Deutschland. Besonders häufig wurde England zum Vergleich herangezogen. Doch auch aus anderen Ländern gab es Berichte. Hier eine kleine Auswahl.

»Bei meinem Kind mache ich das anders«

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