Dass ein Krankenhausaufenthalt für ein Kind ein einschneidendes Erlebnis sein kann, ist kein neues Konzept. Wie auf diese Erkenntnis reagiert wurde, war allerdings höchst unterschiedlich. Wir wissen, dass eine strenge Erziehung der Kinder in den 1930ern als positiver Nebeneffekt eines Krankenhausaufenthalts gesehen wurde. Doch was hat sich seitdem verändert?

In den 1980ern gab es noch immer feste Besuchszeiten für die Eltern. Meist waren dies nur wenige Stunden am Tag. Und der Besuch war nicht einmal gern gesehen.

"Elternschule" - Der Diskurs um die Doku zeigt, dass die Vergangenheit die Kindererziehung noch immer fest im Griff hat.

Am Mittwoch, den 3.7.2019, läuft zum ersten Mal die Dokumentation "Elternschule" im deutschen Fernsehen. Der Film war letztes Jahr für den Deutschen Filmpreis nominiert. Der Titel und die Berichterstattung in den Medien suggerieren, hier würden Eltern lernen, ihre Kinder richtig zu erziehen. Das Gegenteil ist der Fall.

In der 9. Auflage der Säuglingspflegefibel sind Aufgaben für die Schülerinnen gelistet. Einige der Aufgaben sind handwerklicher Natur, andere sind klar auf das spätere Hausfrauendasein ausgelegt; Buchführung und Kochen fallen darunter. Hier ein paar Beispiele.

Zwischen der dritten und der neunten Auflage der Säuglingspflegefibel aus den Jahren 1914 und 1933 gibt es nur wenige Unterschiede. In beiden Werken werden gleichermaßen Reinlichkeit, Regelmäßigkeit und Emotionslosigkeit gelehrt. Das Weltbild ist weitgehend dasselbe, bis auf diesen deutlichen Unterschied hier.

Ein Beispiel für die Lehrgeschichten aus der Säuglingspflegefibel von Schwester Antonie Zerwer.

Strampelfreiheit.

Habt ihr schon mal gesehen, wieviel Säuglinge zwar glatt und schön in ihren Bettchen liegen, aber meist verdrießlich sind, und wenn man mit ihnen spricht, gleich weinen? Seht sie euch mal unter der Decke an! Sie sind eingewickelt; müssen still liegen, wie in einem Schraubstock, weil die Mutter denkt, sie könnten sich erkälten oder die schöne Decke schmutzig machen.

Am 24. September war Bundestagswahl. Ich habe von meinem Wahlrecht per Briefwahl Gebrauch gemacht. Nachdem ich den Brief eingeworfen hatte, habe ich auf Facebook meine LeserInnen aufgerufen, sich ebenfalls an der Wahl zu beteiligen. Mir erschien das notwendig in Anbetracht der Tatsache, dass in den Prognosen der AfD 12% der Wählerstimmen zufielen. Je mehr Menschen andere Parteien wählen, desto geringer fällt der Anteil der AfD aus. Logisch! Also rief ich ebenfalls dazu auf, nicht Rechts zu wählen.

In seinem Buch "Die sozialen Ursachen der Säuglingssterblichkeit" widmete Gustav Temme 1908 den Kindern der Fabrikarbeiterinnen ein eigenes Kapitel. Nicht ohne Grund.

In der wachsenden Industrialisierung waren immer mehr Frauen gezwungen, in Fabriken arbeiten zu gehen. Die Armut trieb sie dazu. Es gab kaum genug zu Essen. Die Armut verhinderte auch, dass sie sich angemessene Kinderbetreuung leisten konnten. Die Folgen waren verheerend für die Kinder.

In dieser bemerkenswerten Erzählung von 1897 sehen wir deutsche Arroganz, Kinder- und Fremdenfeindlichkeit in Hochform.

"Es ist nicht lange her, da kam ein reicher Deutsch-Amerikaner mit seiner Familie nach Kissingen. Hier kaprizierte sich seine mit guter europäischer Erziehung und guter europäischer Lebensart nur wenig vertraute Gattin darauf, ihren halbwüchsigen Sohn als Gast und Tänzer in die für die Kurgesellschaft veranstalteten Tanzreunionen einzudrängen.

Den folgenden Abschnitt finde ich einerseits sehr einfühlsam geschrieben, andererseits wirft er viele Fragen auf.

"Die gewaltigen Umwälzungen, die die ersten Wochen der Ehe bei der jungen Frau in körperlicher und geistiger Beziehung hervorbringen, zwingen zu einer neuen Form der Lebensführung. Neue Gefühle, neue Interessen sind erwacht; die Aufgabe einen Haushalt zu leiten, das Leben des Mannes bequem zu gestalten, nimmt ihre Kraft mehr in Anspruch als sie vielleicht vorher vermutete. Die Wirkungen dieser neuen Lebensart zeigen sich deutlich in der ganzen Erscheinung, und es ist merkwürdig, welche Veränderungen in gutem wie in schlechtem Sinne oft nach kurzer Ehe das Gesicht einer Frau dem Beschauer bietet.

Die meisten Ammen im 19. und frühen 20. Jahrhundert in Deutschland waren Angestellte in einem Privathaushalt. Sie kamen meist aus den niederen Ständen. Ihre Lebensumstände waren schwierig, da sie meist ledige Mütter waren. Die Herrschaften nahmen das Kind der Amme meist nicht mit in den Haushalt auf, daher wurde es von anderen Verwandten versorgt oder in Pflege gegeben. Man war der Meinung, dass die Milch der Amme nur zu dem zu stillenden Kind passte, wenn ihr eigenes höchstens sechs Wochen älter war, als das ihr anvertraute. Dementsprechend musste das Ammenkind seiner Mutter entbehren während es selbst noch von der Muttermilch abhängig war. Das Ammenkind wurde daher mit minderwertigem Ersatz ernährt. Die Folgen waren entsprechend verheerend.

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