Es kommt gar nicht selten vor, dass Schwangere bezweifeln, dass sie stillen können, weil ihre Mutter nicht stillen konnte. Dabei konnten unsere Mütter und Großmütter meist nur deshalb nicht erfolgreich stillen, weil ihnen von Ärzten und Hebammen Falschinformationen eingebleut wurden.

Dass viele Mütter am Stillen scheiterten wurde jedoch nicht auf die aus heutiger Sicht abstrusen Stillregeln zurück geführt, sondern die Ursache und Schuld wurde bei den Müttern gesucht. Es war durchaus bekannt, dass die Nachfrage das Angebot regelt und die Milchmenge sich anpasst, je mehr oder weniger gestillt wird.

Heute werfen wir mal einen Blick in andere Länder. Nur zu leicht pflegt der Mensch das als normal anzusehen, was er in seinem direkten Umfeld erlebt. Doch was für uns normal ist, muss für andere noch lange nicht normal sein. Ein Blick über den Tellerrand erweitert den Horizont.

Dr. Heinrich Keller prangert unsinnige Essensregeln für stillende Frauen an. Es stimmt, dass Stillende essen können, was sie wollen. Nur selten reagieren Babys auf Stoffe aus dem Essen der Mutter. Selten genug, dass es unsinnig ist, von vornherein bestimmte Lebensmittel zu meiden oder zu bevorzugen.

Die "Liebig'sche Suppe" gilt als erster moderner Muttermilchersatz. Als Justus von Liebig seine "Suppe" 1865 erfand, lebte er in München und war Professor an der dortigen Universität. Seine eigenen Kinder waren längst erwachsen.

Ein früher Konkurrent der Liebig'schen Suppe war das Nestlé'sche Kindermehl. Henri Nestlé erfand es 1867 in Vevey, in der Schweiz. Er war 53 Jahre alt und kinderlos. Geboren wurde er in Frankfurt am Main und seine Familie stammte aus Schwaben.

Die folgenden Beikostempfehlungen stammen aus dem Buch "Guter Rath an Mütter" von Christoph Wilhelm Hufeland, 3. Auflage, 1830.

Wie zu seiner Zeit allgemein üblich, empfiehlt Hufeland neun Monate lang zu stillen, bis die ersten Zähne durchgebrochen sind. Er ist allerdings der Meinung, dass das nicht bei vielen Frauen möglich sei.

Die folgenden Beikostempfehlungen stammen aus dem Buch "Die ersten Mutterpflichten und die erste Kinderpflege", Friedrich August von Ammon, 6. verbesserte Auflage, Leipzig, 1854

Wie so viele andere Autoren empfiehlt auch von Ammon, neun Monate lang zu stillen. Allerdings fängt bei ihm die Beikosteinführung ebenfalls erst ungefähr zu diesem Zeitpunkt statt, und nicht schon deutlich früher wie bei anderen Autoren. Nachdem die ersten Zähne vollständig da sind, wird die Mittagsmahlzeit ersetzt. Von Ammon betont sehr, wie wichtig es für die Gesundheit von Mutter und Kind ist, langsam abzustillen. Darunter versteht er, eine Mahlzeit pro Woche zu ersetzen, so dass nach vier bis fünf Wochen nur noch eine Stillmahzeit übrig ist, die dann auch bald entfallen kann.

Wenn frau nicht stillt, wie findet sie dann eine Amme für ihr Kind? Sie muss eine Frau finden, die selber vor nicht allzulanger Zeit ein Kind bekommen hat. Da es sich um ein Angestelltenverhältnis handelt, wird die Amme aus der Arbeiterschicht kommen, also gesellschaftlich geringer gestellt sein, als die suchende Mutter. Außerdem wird von der Amme erwartet, dass sie im Hause der Arbeitgeber lebt und ihr eigenes Kind nicht mitbringt. Man sucht also eine Frau, die das Geld wirklich dringend braucht, denn ohne Not trennt sich keine Mutter von ihrem Säugling.

Die folgenden Beikostempfehlungen stammen aus dem Buch "Anleitung für Landleute zu einer vernünftigen Gesundheitspflege", 3. Auflage, Heinrich Felix Paulitzky, 1798

Ende des 18. Jahrhunderts empfahl Heinrich Felix Paulitzky, nicht vor dem vierten oder fünften Monat Beikost zu geben. Mit sechs Monaten bekommt das Kind höchstens eine Breimahlzeit und ansonsten die Brust. Erste Beikost ist ein Getreidebrei aus alten Brötchen mit Milch oder Wasser. Die Breie werden zwar speziell für die Kinder zubereitet, generell sind Breie aber auch fester Bestandteil des Essens der Erwachsenen, so dass man die Breigabe als Heranführung an den Familientisch auffassen kann.

Die folgenden Beikostempfehlungen stammen aus dem Buch "Mutter und Säugling in gesunden und kranken Tagen", Helene Howad, Franz Deuticke Verlag, Wien, 1954

Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts war die Beikosteinführung schon sehr weit nach vorne verlegt worden und so beschreibt es auch Helene Howad.

Die folgenden Beikostempfehlungen stammen aus dem Buch "Säuglings- und Kleinkinderpflege in Frage und Antwort - Eine Vorbereitung zur Prüfung als staatlich anerkannte Säuglings- und Kleinkinderpflegerin" von Dr. med. Erich Krasemann, Kinderarzt in Rostock, 10.-13. verbesserte Auflage, Georg Thieme Verlag, Leipzig, 1929.

Die folgenden Beikostempfehlungen stammen aus dem Buch "Wie behütet man Leben und Gesundheit seiner Kinder?", Dr. Ernst Brücke, weil. emer. Professor der Physiologie an der Wiener Universität, Wien und Leipzig, Wilhelm Braumüller Hrsg., K.k. Universitäts-Buchdruckerei "Styria" in Graz, 1892 

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